1000 Hügel Richtung Namib

Es ist eine Premiere, heuer verbringen wir erstmals unseren Weihnachtsurlaub nicht in den Tiroler Bergen beim Schifahren, sondern tauschen die weißen schneebedeckten Hänge mit den riesigen roten Sterndünen der Namib. Aber so weit sind wir noch nicht, erst mal holen wir unsere Luna von ihrem Quartier ab und düsen gleich zum Aufstocken unserer Vorräte und Bezahlung der Road-Tax nach Windhoek. 
 
Unser Expeditions-Navigationsgerät spinnt am Anfang der Reise noch ein bisschen (der Grund ist uns wie immer ein Rätsel), also muss das kleine Ersatz-Navi herhalten, das wir glücklicherweise als Back-up dabeihaben. Mit dem großen Gerät spiele ich am Abend noch ein bisschen „trial and error“, bis es plötzlich doch wieder funktioniert –  auch das ein Rätsel, aber wir nehmen es stoisch (und erfreut) zur Kenntnis. 
 
Am nächsten Morgen brechen wir auf einer für uns noch neuen Strecke nach Süden auf, über den Kupferbergpass mit seinen sanften Hügeln erreichen wir den Gamsbergpass. Ab hier wird die Landschaft deutlich dramatischer. In lustigen Kurven windet sich die Straße steil hinab, zwirbelt um einige Kuppen herum und bietet mehrfach grandiose Ausblicke auf gegenüberliegende dunkle Berge, Felsabbrüche und hinab in die Trockenfluss-Schlucht.
 
Die erste Nacht verbringen wir noch auf dem Gamsbergpass am Campsite der Rooisand Ranch, die wir wegen ihres Planetariums ausgesucht hatten. Leider erklärt uns die Ranch-Besitzerin bei unserer Ankunft, dass es im Dezember nicht so günstig ist für die astronomischen Beobachtungen, da die interessanten Gestirne in der Milchstraße erst sehr spät in der Nacht auftauchen würden, und zudem hätte man ohnehin gerade ein Problem mit der Fernsteuerung für das Dach des Planetariums (Aha!). Selbst als Nicht-Astronomen leuchtet uns ein, dass eine Sternwarte mit geschlossenem Dach nicht wirklich zur Beobachtung ferner Gestirne taugt. Wir sind trotzdem begeistert vom Sternenzelt, das wir des nächstens dann weit zurückgelehnt in unsere Campingsessel ganz ohne Teleskop bewundern dürfen – es gibt hier oben keine Lichtverschmutzung (außer unsere eigenen Lampen und das Lagerfeuer), und der Mond ist auch grad nur eine sehr schmale Sichel tief am Horizont. 
 
Tief in Gedanken versunken und über die großen Fragen der Menschheit sinnierend (Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist eigentlich HINTER dem Weltall? Haben wir noch ein kaltes Bier?) holt uns die moderne Welt ein. In der Ferne erscheint eine (weihnachtliche?) Lichterkette am Himmel, die schnell näherkommt. 29 helle Lichtpunkte, in unterschiedlichem Abstand, aber wie von einer Schnur gezogen. Wir sind uns sofort einig, es ist ziemlich sicher nicht Santas neuer Schlitten – schließlich fehlt Rudis leuchtend rote Nase… Unsere Vermutung bestätigt sich nach kurzer Recherche: Es handelt sich um 29 nagelneue Starlink-Satelliten, die vier Tage zuvor mit einer Falcon 9-Rakete in Kalifornien gestartet sind und die ersten Tage im Orbit die Erde umkreisen, bevor sie auf ihre jeweilige Umlaufbahn gesteuert werden. Ein Jammer nur, dass wir sie in Namibia nicht nutzen können und stattdessen für diese Reise ein letztes Mal auf wackeliges lokales Internet angewiesen sind.
 
Unser etwas unrunder Start in die Weihnachtsreise geht am nächsten Tag weiter, da wir noch ein Problem mit Lunas Wassersystem haben, das wir uns vermutlich mit der Tankreinigungsaktion am Vortag eingefangen haben. Allein kommen wir nicht weiter und kontaktieren (wieder mal) unseren Autobauer. Der arme Kerl liegt zu allem Überfluss gerade krank und ohne Stimme im Bett. Dennoch gibt er uns heldenhaft Schritt für Schritt über WhatsApp Anweisungen, was wir überprüfen und ausprobieren können. Aber leider, allen Bemühungen (und viel gutem Willen) zum Trotz, stellt sich der Erfolg nicht ein. Nach ca. drei Stunden gefüllt mit unzähligem Aus- und Einbau verschiedener Komponenten und Filterteile, geben wir unsere Reparaturversuche endgültig auf. Weder Grob-, noch Aktivkohlefilter sind die Ursache für die Probleme. Offensichtlich hat die Pumpe Schmutz angesaugt oder ist sonstwie verklebt und hat daher nicht mehr genügend Kraft. Wir werden sie wohl austauschen müssen. Auf dieser Reise muss ab jetzt unser Reserve-Kanister genügen. Wir beschließen, ab nun Urlaub zu machen, und die Reparatur Profis zu überlassen – Installateure werden wir keine mehr. 
 
Zu unserer nächsten Station fahren wir weiter am Gamsberg nach Westen und dann über eine Stichstraße zum „Namib‘s Valley of a Thousand Hills“, gespannt was uns dort erwartet. Wir sind überwältigt vom Ausblick, der sich vor uns ausbreitet. Dieser Ort zählt wahrscheinlich zu den landschaftlich schönsten Plätzen, auf denen wir bislang waren, ein unvergleichliches Panorama, wohin man auch schaut, denn das breite, beidseitig von Bergen flankierte Tal macht seinem Namen alle Ehre. Unzählige Hügel in unterschiedlichen Braun-, Beige- und Orangetönen breiten sich kilometerweit aus, durchfurcht von zahlreichen kleinen Canyons. Weit weg am Horizont verliert sich das Tal, und es blinken die roten Dünen der Namib hervor. Am späteren Nachmittag verstärkt die Wetterlage die Dramatik der Landschaft zusätzlich. Wir bestaunen gleichzeitig strahlenden Sonnenschein, ein Gewitter samt Regenbogen und von starken Windböen aufgewirbelten Sand, der über die Hügelkuppen fegt. Diese schier endlose Wildheit der Natur ist atemberaubend schön. 
 
Die „Namib‘s Valley Lodge“ ist ein entzückendes Gebäude, das rund 300m oberhalb des Campsites mitten in die Felsen errichtet wurde. Afrikanisch rau und trotzdem gemütlich, ermöglicht sie den Gästen durch die breiten Fensterfronten einen 270 Grad Rundumblick auf das großartige Tal und von der Holzterrasse über einen kleinen Pool auch auf den Sonnenuntergang. Die reizende junge Lodgemanagerin bereitet uns einen herzlichen Empfang, selbst als Camper werden wir verwöhnt wie die Gäste einer Luxuslodge, selbst ein Glas Champagner als Welcomedrink und kalte Erfrischungstücher, die sie uns mit der Pinzette reicht, dürfen nicht fehlen. Wir sind auch „more than welcome“, die Lodgeeinrichtungen und den Pool zu nutzen. Das muss man mir nicht zweimal sagen, nicht lange und ich tausche meine Shorts mit dem Bikini und tauche in das erfrischende Wasser. Martin hätte statt „erfrischend“ eher „saukalt“ geschrieben bzw. „vergisst“ seine Badehose wieder mal in der Luna und widmet sich daher gleich dem Rockshandy und dann noch einem Bierchen. (Ich kriege freilich das gleiche)
 
Luna hat einen schönen Standplatz mit Halbschatten und vollem Panoramaausblick. Der Site ist groß und wir haben eine private, geflieste Bad- und WC-Hütte sowie einen überdachten, windgeschützten Küchenbereich. Beim Frühstück haben wir Besuch, vor uns turnen einige neugierige Rockrats zwischen den quer übereinanderliegenden Schieferplatten und im Gestrüpp umher. Eines der possierlichen Tierchen traut sich – sein kleine freche Näschen nach oben gereckt – recht nah heran (vielleicht angelockt vom Geruch der Cornflakes?), flitzt aber dann doch wieder unter die schützenden Schieferplatten.
Wir nutzen die frühen Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht so unerbittlich auf uns herabbrennt, für eine kleine Wanderung. Es gibt zwar keine markierten Routen, aber da alle bestehenden Wege gut erkennbar sind, gehen wir einfach die Abbruchkante entlang einen Hang hinauf. Der Boden ist mit vielfärbigen Steinen bedeckt, überall schimmert und glitzert es, ein Paradies für Geologen und Sammler von hübschen Halbedelsteinen. Die scheinbar unwirtliche Gegend ist bewohnt, wir finden Hufabdrücke, Tierpfade und Hinterlassenschaften verschiedener Tierarten, zumeist Antilopen. Und tatsächlich haben wir Glück, von weit oben über dem Tal entdecken wir eine Herde der seltenen Bergzebras. Rund zwanzig der zähen Tiere trotten tapfer über mehrere der felsigen Hügel unter uns. Nur gut, dass wir das Fernglas mitgenommen haben, dadurch können wir sie noch lange verfolgen, bis sie endgültig in ein Tal abtauchen und aus unserem Blickfeld entschwinden.
Auf halbem Weg nach Sesriem machen wir kurz Halt bei der Tankstelle in Solitär. Der angeschlossene Shop taugt auch gut für ein paar kleine Einkäufe. Ich nehme diesmal nur etwas Wasser, Müsli und ein paar Kekse. Am Parkplatz neben der Tankstelle stehen locker 30 ausgerüstete Geländewagen. Viele Traveller legen hier eine Pause ein wegen des (quasi welt-)berühmten Apfelkuchens in McGregor’s Bakery. Auch wir wollen ihn kosten. Doch in der Vitrine am Verkaufstresen der Bäckerei sehe ich keinen. Also frage ich, ob es denn heute keinen Apfelkuchen gebe. Die junge Verkäuferin lächelt verschmitzt und deutet mit dem Kopf schräg hinter sich auf die Ablage. Dort steht ein großes Blech des frisch gebackenen Topsellers, darüber das gerahmte Konterfei des Erfinders. Es lohnt wohl gar nicht, den in die Vitrine zu stellen, so schnell ist er weg. Ich grinse und bestelle zwei Stück ohne Schlagobers und dazu doppelte Espressi. Martin zahlt, und wir verdrücken die köstliche, noch warme Mehlspeise auf der Terrasse. Mindestens 25 andere Durchreisende auch. Ein paar Häuser mitten in der Wüste, Shop, Tankstelle, Bäckerei – alle verdanken ihre Existenz einzig und allein diesem himmlisch schmeckenden Kult-Apfelkuchen, der – zumindest für seinen Erfinder – wohl nicht nur zufällig glänzt wie Gold…. 
Glücklich, gestärkt und zufrieden machen wir uns auf die letzten Kilometer Richtung Sesriem, von wo aus wir am nächsten Tag zu den großen Sterndünen der Namib aufbrechen wollen.

Tipps für die Strecke Windhoek – Sesriem (Stand Dezember 2025):
 
Namib‘s Valley Lodge – unbedingt zwei Nächte verbringen! Spektakuläre Ausblicke, gemütliche Lodge, herzliche Atmosphäre auch für Camper und private, gut ausgestattete ruhige Campsites.

McGregor’s Bakery in Solitaire – braucht man wahrscheinlich nicht erwähnen, steht sowieso in jedem Reiseführer. Dort sollte man allerdings nicht nur den weltberühmten Apfelkuchen verdrücken, sondern auch das Auto betanken, denn Benzin ist nicht überall in der Gegend zu bekommen.

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