Von der Central Kalahari machen wir einen Abstecher zum Boteti, einem unserer kleinen Lieblingsgebiete in Botswana. Der Boteti begrenzt den vor allem durch seine ausgedehnten Salzpfannen bekannten Makgadikgadi Nationalpark und ist gleichzeitig das Ziel einer der größten Zebra-Migrationen des Landes. Tausende Tiere kommen um diese Jahreszeit aus dem Delta herunter, um auf den grünen Weiden entlang des Flusses zu grasen. Dass die Migration bereits läuft, ist kaum zu überhören, als wir im Camelthorn Farmstead unseren perfekt ausgestatteten Campsite beziehen: laut hören wir das typische (eselartige) Wiehern vom nahegelegenen Wasserloch, an dem sich auch Hippos, große Krokodile und später auch Elefanten tummeln.
Wir machen einen entspannten zweistündigen Ausflug in den Park und genießen die Fahrt oberhalb und im größtenteils bereits ausgetrockneten Flussbett. Das Pontoon der Boteti-Fähre zum Eingang des Nationalparks liegt verlassen und schon lange unbenutzt am sandig trockenen Grund des Flusses, wartend auf die nächste Regenzeit. Die noch bestehenden Tümpel werden von zahlreichen Elefanten, Zebras, Gnus und Giraffen besucht, die das Wasser scheinbar ebenso genießen wie wir unser Bierchen zum pittoresken Sonnenuntergang über dem Flusstal.
In den nächsten beiden Tagen haben wir etwa 700km vor uns, um in den äußersten Südosten Botswanas, in den Tuli-Block zu gelangen. Die erste Etappe führt uns zuerst entlang des Makgadikgadi-Nationalparks mit buschiger Vegetation und dann durch die Ausläufer der Central Kalahari. Luna brummt mit 2000 Touren monoton dahin, die Straßen sind sehr gut, ich kann am Steuer fast perfekt entspannen und die Weite des Landes genießen. Es wird uns auf dieser Etappe so richtig bewusst, dass wir in einem Land sind, das auf der Fläche Frankreichs nur 10% mehr Einwohner hat als Wien. Für Abwechslung sorgen etwa alle 5km ein entgegenkommendes Fahrzeug, alle 10km ein Schlagloch und immer wieder mal eine die Straße querende Tierherde – in artspezifischer Geschwindigkeit, also von hurtig (Pferde) über langsam (Schafe) bis sehr langsam (Kühe) oder unentschlossen (Ziegen – eine überlegt es sich mitten am Weg dann doch anders und dreht um). Ausnahme sind wie in anderen Ländern nur Esel, die wie angewurzelt stehen bleiben, auch wenn einer der großen Überlandbusse mit 120km/h vorbeibrettert. Es ist mir ein Rätsel, wie die Einheimischen drei vorgespannte Esel mit ihren Fuhrwerken zum Laufen bringen….
Fahrten in Botswana sind also durchaus entspannend (oder einschläfernd für Beifahrer), selbst die anderen Verkehrsteilnehmer bringen kein großes Risiko. Im Unterschied zu beispielsweise Zambia wird in Botswana sogar ansatzweise versucht, zumindest im Rahmen der eigenen fahrerischen Möglichkeiten die Verkehrsregeln zu beachten.
Die Landschaft wird zunehmend hügeliger, wir kommen in Gebiete mit großen Minen. Rund um Orapa befindet sich die weltweit größte Diamanten-Mine – abgebaut wird in einem 300 Meter tiefen Riesenloch im Tagebau. Ein Besuch ist leider nur mit einer Spezialgenehmigung möglich, zu viel scheint hier ökonomisch für das Land auf dem Spiel zu stehen. Diamanten machen heute etwa 30% des botswanischen BIPs und 80% der Exporte aus, Botswana ist gemessen am Wert das größte Diamanten produzierende Land der Welt, mengenmäßig rangiert man nur hinter Russland. Allein in Orapa wurden im Jahr 2023 12 Millionen Karat Diamanten (etwa 2,5 Tonnen) gefördert.
Wir machen uns ein wenig Sorgen, denn die Nachfrage nach Diamanten in den USA und China schwächelt, die geplanten US-Zölle werden die Lage verschärfen und nicht zuletzt kommt der Diamantenpreis auch durch im Labor gezüchtete synthetische Diamanten stark unter Druck. Allein in den letzten beiden Jahren brach er um fast ein Drittel ein. Wenigsten hat die botswanische Regierung 2023 einen neuen Deal mit dem Förderer De Beers ausgehandelt, sodass der eigene Teil der Einnahmen in Zukunft von 25% auf bis zu 50% ansteigen soll. Außerdem will man Diamanten zunehmend verarbeiten, um die Wertschöpfungskette im Land zu verlängern. Von derartigen Pläne hört man jedoch seit Jahrzehnten, passiert ist in diese Richtung bisher wenig.
Aktuell sieht man in den benachbarten Städten jedoch noch den Wohlstand, der von Orapa und ihren Schwesterminen ausgeht. Wir sehen ein – zumindest von außen – modernes Krankenhaus mit 100 Betten, Einkaufszentren auf europäischem Niveau und zahlreiche gut ausgebaute Schulen. 95% der Kinder werden in Botswana eingeschult, 70% bringen sieben Schuljahre in einer der 600 staatlichen Grundschulen hinter sich – ein bemerkenswerter Wert für das südliche Afrika – und das OHNE Schulpflicht! Genauso bemerkenswert ist, dass Botswana mit Unterstützung privater Stiftungen HIV-Infizierten gratis die notwendige Dauermedikation zur Verfügung stellt. So kommt es, dass trotz einer geschätzten Infektionsrate von 25% die Lebenserwartung inzwischen schon 68 Jahre beträgt – ein enormer Anstieg von 35 Jahren, als das AIDS-Drama im Land begann.
Wir kommen gut voran und damit so rechtzeitig im Khama Rhino Sanctuary an, dass wir, gemeinsam mit einem gefräßigen (wilden) Huhn und einem kecken Borstenhörnchen noch einen Mokka mit Muffins genießen können. Der Muffin kommt beim Hörnchen derart gut an, dass es über mein Bein auf den Tisch klettert und frech das Muffin-Papier klaut, um damit flink in den Busch davon zu hüpfen, bevor das Huhn räuberisch über die begehrte Beute herfallen kann… Dieses ist nicht lang enttäuscht und wendet seinen Blick wieder erwartungsfroh auf Eva, zwischen deren Fingern die nächsten Krümel vorbereitet werden. Glücklich hüpft es leise piepsend dem Happen entgegen.
Das Khama Rhino Sanctuary (KRS) ist ein gemeindebasiertes Wildtierprojekt, das 1992 gegründet wurde, um zur Erhaltung der vom Aussterben bedrohten Nashörner beizutragen. Das Schutzgebiet erstreckt sich über rund 8.585 Hektar Kalahari-Sandveld und bietet einen erstklassigen Lebensraum für diese urzeitlichen Tiere sowie über 30 weitere Tier- und 230 Vogelarten. Ausgehend von 4 Nashörnern bei Gründung des Reservats kann man beachtliche Erfolge verbuchen: 16 Tiere konnten bereits in anderen Reservaten ausgewildert werden, der aktuelle Bestand zählt 56 Exemplare, die an Besucher gewöhnt sind und somit sehr gelassen auch nah an die Autos herankommen (ca. 10m). Die bis zu 3,80 Meter langen und 1,80 Meter hohen Tiere erreichen ein Gewicht von bis zu 2,5 Tonnen (riesige Männchen manchmal bis zu 3,5 Tonnen, Weibchen bis zu schlanke 2 Tonnen). Sie sehen schlecht, riechen und hören aber ausgezeichnet. Ich gebe allerdings schon zu, dass ich dann meine Hand ganz gerne Richtung Zündschlüssel bewege, um zumindest eine kleine Chance zu haben, sollte einer der Kolosse schlecht gelaunt sein…. Kaum vorzustellen, dass sich das spitze lange Horn in Lunas Flanken bohrt.
Die zweite Etappe in den Südosten Botswanas verläuft abwechslungsreicher als die erste. Wie schon rund um die Diamantenminen tauchen erneut künstliche Berge auf, die diesmal aus dem Aushub der Morupule-Kohlemine (www.mcm.co.bw) bestehen. Die Mine erstreckt sich über mehr als 42.000 Hektar und fördert 2,8 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr, die „proven reserves“ werden mit ca. 40 Millionen Tonnen angegeben. Sie gehört zu 100% dem Staat Botswana – sehr ungewöhnlich für Afrika! Die Kohle wird offensichtlich zum größten Teil vor Ort in einem 600MW-Kohlekraftwerk verstromt. Das von Chinesen gebaute und aus vier 150MW-Blöcken bestehende Kraftwerk ging 2014 in Betrieb, stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Laufend fallen Blöcke aus, und das Netz ist nicht stabil genug für ein Kraftwerk dieser Größe. Der jährliche Output scheint irgendwo zwischen 200 und 500 MW zu liegen – noch immer ein beachtlicher Teil des jährlichen Energiebedarfs von 850 MW (2023). Der ursprünglich geplante weitere Ausbau des Kraftwerks scheitert wohl an der durchwachsenen Historie. Auch wenn Botswana sich zum Ausbau erneuerbarer Energie bekennt (Ziel: 30% bis 2030), sehen wir auf unserer Strecke bisher keine Solarparks, nur vereinzelt kleinere private Anlagen für den Eigenbedarf.
Je weiter südlich wir kommen, desto eher lassen wir Städte, Minen und Kraftwerke hinter uns. Als das erste Pferd neben der Straße Streifen trägt (und das nicht unserer einsetzenden Müdigkeit geschuldet ist), wird klar, dass wir uns dem Tuli-Block nähern, einem der letzten „Geheimtipps“ unter den afrikanischen Parks, den wir schon seit Jahren unbedingt einmal besuchen wollten. Die weite Fahrt sollte sich auszahlen – aber davon erzählen wir im nächsten Blog.
Tipps für die Region zwischen Boteti und Limpopo (August 2025):
- Boteti: wir lieben diesen Teil des Makgadikgadi-Nationalparks und kommen immer wieder gerne zurück. Kurze Game Drives am oder im Boteti-Flussbett belohnen mit einer wunderschönen Landschaft und vielen tierischen Besuchern. Man darf selbst fahren (2-3 Stunden sind ausreichend Zeit, ca. 20min vor Gate-Schließung sollte man vom Hippo Pool im Fluss wegfahren). Man kann direkt im Park campen oder wählt entweder das Boteti River Camp oder das wirklich perfekte „Camelthorn Farmstead Campsite & Tents“. Ersteres liegt näher am Parkeingang, zweiteres ist über eine 6km lange Sandpiste von Khumage aus erreichbar.
- Khama Rhino Sanctuary: unbedingt besuchen, näher kommt man einem Breitmaul-Nashorn wohl kaum. Die Campsites haben gute Ablutions und liegen schön versteckt unter großen Bäumen, ausgestattet Feuerstelle, Braai und Wasserhahn, ein Restaurant gibt es ebenfalls, jedoch keinen Stromanschluss.
- Die Kleinstädte Lethlakane, Serowe und Palapye entlang der Route eignen sich hervorragend für Einkäufe aller Art. Wenig Hektik, gutes Angebot.
Sandspielen am BotetI:

























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