Augrabies Falls

Nach mehr als 4.500 Kilometern auf afrikanischen Straßen braucht das gesamte Team mal Abwechslung vom wilden Busch. Wir suchen die Plätze für 2-3 Tage Pause meist nach folgenden Kriterien aus: sicherer Standplatz, am besten umzäunt oder keine Raubtiere, möglichst keine Affen (damit man nicht dauernd jede Tür zumachen muss), gute Duschen, Waschmaschine, Wasser- und Stromanschluss, schöne Umgebung mit zumindest ein wenig „Bush-Feeling“, in der man sich auch frei bewegen kann.

Vom Kalagadi Transfrontier Park kommend war der Augrabies Falls Nationalpark in der Northern Cape Provinz daher das logische Ziel. Nach dem geplanten Einkauf in der ansehnlichen Kleinstadt Upington, einer Pizza in der Kalahari-Mall und dem notwendigen Tankstopp machen wir uns auf den Weg durch eine hügelige Landschaft, die auf beiden Seiten der Straße geprägt ist von Wein- und Citrus-Plantagen. Die Weinstöcke werden hier wesentlich mehr in die Höhe gezogen als bei uns und sind oft mit Netzen gegen Vögel geschützt. Die Trauben hier werden vor allem zum Verzehr (und weniger bis gar nicht für die Produktion von Wein) kultiviert, weshalb sich auf den Einfahrten der Produzenten mehrmals auch die Logos multinationaler Fruchtkonzerne finden. Ein Teil der Ernte wird zu Traubensaft oder köstlich süßen Rosinen verarbeitet.

Da es zum Einchecken im Nationalpark schon zu spät ist, gönnen wir uns in Augrabies eine Nacht in einem Zimmer eines B&Bs, um uns einmal richtig in einem weichen Bett und – wichtiger – einem warmen Zimmer auszuschlafen. Die letzten Nächte kamen in den Morgenstunden schon eher frisch daher. Höchst erfreut sind wir, als wir im Badezimmer sogar eine Badewanne erblicken, die natürlich umgehend befüllt wird!

Im Rest Camp des Augrabies Falls Nationalparks stehen wir ganz im hintersten Eck des Campsites, um dem auf größeren Plätzen unausweichlich herrschenden Trubel ein wenig zu entgehen. Das Heck zum Busch gewandt, kommt sogar ein wenig Wildnis-Atmosphäre auf. Wir bekommen Besuch von zahlreichen bunten Vögeln, die lokale Ibis-Horde fungiert als verlässlicher – wenn auch nicht wohlklingender – Wecker, Mangusten streifen umher. Als Höhepunkt spazieren sogar mehrmals drei wunderschön gezeichnete Genets (Ginsterkatzen) am Rand der Büsche hinter der Feuerstelle vorbei. Angelockt vom Duft unseres Abendessens und ein paar Brocken Fleisch werden sie mutiger, um die besondere Mahlzeit hurtig abzustauben.

Für den erfolgreichen Putztag (wir, Luna, Wäsche) belohnen wir uns mit einer schönen Wanderung entlang des Dassie Trails. Wir stapfen über rote Granitfelsen, hinaus zu zahlreichen Aussichtspunkten, bewundern den sich durch die felsige Schlucht zwängenden Oranje, überqueren auf engen Pfaden zahlreiche kleine, aber durchaus lebendige und von Schilfgürteln gesäumte Bäche. Dabei werden immer wieder von Dassies (Klipschliefern) bestaunt, die sich von uns nur kurz vom Sonnenbad auf den runden warmen Mugeln abhalten lassen und sicherheitshalber in ihren Bau schlüpfen, wenn wir uns zu nahe heranpirschen. Neben den Twin Falls auf unserer Wanderung bestaunen wir in der Früh und am Abend selbstverständlich auch die direkt neben dem Camp gelegenen eigentlichen Augrabies Falls. Bei einer Fallhöhe von bis zu 56 Metern erreicht der Wasserfall in der Regenzeit eine Breite von 150 Metern. Offensichtlich war auch hier die letzte Regenzeit sehr intensiv, denn Teile des auf Stelzen errichteten Holzpfades wurde mitsamt der am weitesten außen gelegenen Plattform von der Flut vollkommen zerstört. Auch uns bietet sich noch ein beeindruckendes Bild, wenn sich der gesamte Oranje durch zwei kaum 10 Meter breite Felsspalten quetscht und tosend in die Tiefe stürzt, um dann durch eine 18 Kilometer lange und bis zu 200 Meter tiefe Felsschlucht zu tosen.

Aufgeladen, geputzt, ausgelüftet und neugierig auf die kommenden Tage verlassen wir das Augrabies Camp in Erwartung der blühenden Wiesen im Namaqualand.

Tipps für den Augrabies Falls National Park (August 2025):

  • Zwei Tage sollte man sich durchaus Zeit nehmen. Das Camp ist entspannt mit sehr guten Einrichtungen inkl. Waschmaschine, Wäschetrockner, Küche am Campsite, sowie Tankstelle, Restaurant und Shop bei der Rezeption.
  • Die Fälle sind von der Rezeption aus leicht zu erreichen, ein kleiner Spaziergang führt zu mehreren Aussichts-Plattformen.
  • Als Wanderung empfehlen wir den Dassie-Trail, unbedingt mit Ausbuchtungen zu den Twin Falls und Arrow Point, sowie den Aufstieg auf den Moon Rock. Der gesamte Trail umfasst ca. 8 Kilometer (mit Ausbuchtungen) und ist konditionell leicht zu bewerkstelligen. Ein wenig Trittsicherheit auf den Felsen schadet nicht, in der Regenzeit empfiehlt sich wahrscheinlich wasserdichtes Schuhwerk wegen der Stege über die Bäche, die dann eventuell überflutet sind. Im Sommer sind Fliegennetze wahrscheinlich eine Erleichterung (die werden im Shop verkauft).
  • Man kann im Park auch mit dem Auto in die „Game Area“ fahren. Dabei geht es allerdings vorwiegend um die (faszinierende) Landschaft, viel „Game“ sollte man sich nicht erwarten. Neben Kleintieren und Vögeln bekamen wir lediglich eine Giraffe zu sehen. Aber die ausgeschilderten Aussichtspunkte rechtfertigen jedenfalls eine ca. 10-15km lange Fahrt in den Park. Weitere Runden sind möglich, haben aber wahrscheinlich nur beschränkten Mehrwert.
  • Es gibt Recycling-Stationen! Zumindest Glas und Dosen können hier artgerecht entsorgt werden.



Unsere Gäste im Camp:

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