Tiras Berge und Namib Naukluft Park

Bei Aus verlassen wir die schnurgerade Asphaltstraße und biegen auf die nicht minder gerade rote Gravelpiste in Richtung Helmeringhausen. In der Ferne tauchen schon schemenhaft die Tiras Berge auf, die unser heutiges Ziel sind. Beim Abzweig auf die D707 beginnt die eigentliche „Scenic Route“ in die Tiras Mountain Conservancy. Hier wollen wir zwei Nächte verbringen. Links begleiten uns sanfte Ebenen, rechts ragen dunkle Berge schroff empor. Hier draußen gibt es fast nichts, aber eben nur fast. Mittendrin in diesem Nirgendwo steht da plötzlich ein bunt bemaltes Café in einem Wohnwagen Straßenrand unter einem Baum (auch der in dieser Gegend ein seltener Anblick). 

Die Piste wechselt mehrmals die Farbe, mal ist sie rostrot, dann wieder grau. Ocker und sogar weiß sind auch dabei – wir ziehen hinter uns entsprechend gefärbte Staubfahnen nach. Linkerhand mehren sich die großen roten Dünen, während rechterhand die hintereinander in mehreren Schichten gestaffelten Gipfel der schwarz-grauen Bergkämme ein weitläufiges Gebirge erahnen lassen. Es schaut wie gemalt aus, wenn der helle Sand die dunklen Felsen an deren Fuß umspielt und sich bis in die höhergelegenen Ritzen und Kare fast bis zu einigen Gipfeln hinaufzieht. Wüste frisst Berg. 

Wow, die Landschaft wird immer schöner. Wir fahren rechts ab beim Wegweiser zum „Kanaan Desert Camp“, mitten durch ein schier endloses hellgelb schimmerndes Grasmeer, dann ein trockenes Flussbett entlang, an dem sich nur uralte Akazien halten können, die ihre Wurzeln bis zu 60 Meter in die Tiefe strecken und so das Grundwasser erreichen. Ein paar Oryx, die lange ohne Wasser auskommen können, stehen verteilt in der Ebene.

In weiter Kurve um einen Hügel erreichen wir die hübsche Rezeption, die Lodge selbst liegt auf der anderen Seite des Hangs mit grandiosem Weitblick auf die roten Dünen der Namib. Der von uns gebuchte Campsite liegt etwas versteckt am Fuß eines anderen Hügels, nicht minder malerisch. Ringsum bietet sich uns ein Bergpanorama vom Feinsten. Heute machen wir nicht mehr viel Anderes, als ebendiesen Ausblick zu genießen. Erst als die Sonne zu sinken beginnt, schnappen wir uns jeder eine Dose Bier aus Lunas Kühlschrank und Stapfen den sandigen Hügel hinter dem Campsite hinauf. Es lohnt, denn von hier oben können wir den ganzen Talkessel überblicken, in dessen Mitte wir sitzen. Ich mache ein Video und drehe mich einmal um die eigene Achse, denn ein Foto allein kann dieses atemberaubende, unwirklich erscheinende Panorama gar nicht einfangen.

Die insgesamt acht Campsites haben sich nach unserer Ankunft tatsächlich noch gefüllt, großteils von einer im Konvoi fahrenden Gruppe aus Südafrika, die am Abend ein gemeinsames Braai zelebrieren. Da wir am äußeren Rand stehen, hören wir nur wenig von ihnen, und in der Früh haben sie es eilig mit dem Aufbruch. Wir haben grade mal unsere Kaffeetassen in die Hand genommen, da rollen sie schon in Reih und Glied davon, und wir sehen in Kürze nur noch, wie ihre weiße Staubfahne die Grasebene zurück zur Haupttrasse durchschneidet, begleitet von einem weit entfernten Brummen der Motoren. Es kehrt vollkomme Ruhe zurück und die Morgensonne wärmt langsam unsere Gliedmaßen, nun sind wir bereit für eine Wanderung. Schnell noch ordentlich Sonnencreme ins Gesicht, die Wasserflaschen füllen und auf geht’s. Wir wollen über den angeblich markierten Wanderweg bis hinüber zur Lodge zu wandern. Karte haben wir keine, aber so schwer kann das ja nicht sein. Außerdem hat Martin den Weg am Vorabend vom Hügel aus schon ausgespäht. Die Rezeptionistin erklärte uns, dass der Weg unmittelbar beim letzten Campsite startet, doch wir brauchen eine Weile ihn zu finden und stapfen alsbald auf einem Tierpfad dahin. Auf den Wanderweg stoßen wir später irgendwie zufällig. Er führt dann einige Zeit – durch weiße Pfoten-Markierungen für das geübte Adlerauge erkenntlich gemacht – weg von den Hügeln das ausgetrocknete, sandige Flussbett entlang, in dem verschiedene Blumen und kleinere Büsche für Abwechslung sorgen. An einer großen Akazie hat sich eine Webervogel-Kolonie mit einem riesigen Gemeinschaftsbau eingenistet. Dort kann wahrscheinlich nicht mal mehr der scharfäugigste Adler irgendeine Markierung finden. Macht nichts, von nun an folgen wir eben wieder Tierpfaden, schließlich liegt unter der Lodge ein kleines Wasserloch, zu dem sie wohl führen. Das Gras ist nicht so dicht, und die Antilopen – den Spuren der Hufe zufolge vorwiegend Oryx und Springböcke – haben eine schöne, schnurgerade Route bis zur künstlichen Tränke unterhalb der Lodge getrampelt. Die letzten Meter bergauf nehmen wir querfeldein direkt über die dunkelbraunen Steinquader, hoffend, dass da oben auf der netten Terrasse ein kaltes Getränk auf uns wartet. Die Wanderung hat uns durstig gemacht, daher bestellen wir beide einen Rock Shandy, den wir begleitet vom Soundtrack zum König der Löwen genüsslich schlürfen. Sichtlich begeistert von unserer Ankunft ist auch Purple, die grau-weiß gezeichnete Lodge-Katze. Sie springt schnurstracks auf meinen Schoß, kuschelt innigst und beginnt wie ein Katzenbaby an meinem T-Shirt zu nuckeln und mit den Pfoten gegen meinen Bauch zu treten. Das habe ich so bei einer ausgewachsenen Hauskatze echt noch nie erlebt. Sie macht das aber nicht nur bei mir. Nach ein paar Minuten ist Martins Bauch dran, dort nistet sich das anschmiegsame Tier dann endgültig ein. Innig und zufrieden schnurrend rollt sie sich auf seinen Oberschenkeln ein. Er stöhnt: “Na bravo, und wie soll ich jetzt was am iPad machen?”, streichelt dabei aber weiter die Katze. Ich nütze derweil das Netz, lade meine Mails und schicke Fotos per WhatsApp. Purple hat dann doch Erbarmen mit Martin und streckt sich hinter mir auf der Couch in voller Länge aus. Jetzt kann auch er seine Mails checken und etwas arbeiten. 

Die Shandies sind ausgetrunken, und wir machen uns auf den Rückweg zu Luna, inklusive Abstecher zum kreisrunden Pool, der in einer ursprünglichen Viehtränke errichtet wurde. So eine Erfrischung kann nicht schaden, und schon bin ich drin und drehe ein paar kurze Runden im klaren, aber richtig kalten Wasser. Gut, dass auf der angeschlossenen kleinen Holzplattform drei Liegen und Boxen mit frischen Handtüchern bereitstehen.

Kochen muss ich heute nicht, wir haben uns zum Dinner in der Lodge angemeldet, davor machen wir aber noch den Sundowner Drive mit. Mit afrikanischer Pünktlichkeit kommt der Gamedriver dann um 17:20 Uhr um die Ecke (ausgemacht war 17:00 Uhr). Die Fahrt entschädigt für die Wartezeit. Gemeinsam mit zwei weiteren Gästen genießen wir es, durch diese wundervolle Landschaft näher zu den Berge zu fahren. Henry lenkt den Cruiser sehr bedächtig und stoppt einfühlsam, wenn er merkt, dass einer seiner Gäste ein Foto machen möchte. Er erzählt ein wenig über die Flora und Fauna der Conservancy, die auf ehemaligem Farmland eingerichtet wurde. Es gibt neben den Antilopen, die wir schon gesehen hatten, auch Kapfüchse, Schakale und Löffelhunde. Letztere lassen sich dann zu unserer Freude tatsächlich kurz blicken. Am größten sind die Grüppchen der Springböcke, wenn auch bei weitem nicht so zahlreich oder nahe wie in anderen Gegenden. Bewusst wurden nur ganz wenige Fahrwege angelegt, denn die Harmonie dieser samtigen Grasteppiche, die sich an die Bergflanken schmiegen, würde durch ein dichteres Wegenetz empfindlich gestört.

Die Bergkette beginnt in der Abendsonne zu leuchten. Die Fahrt geht nun im Schatten entlang und auf die roten Dünen hinauf. Henry legt die Untersetzung ein und schnurrt die steile und schräge Rückseite einer Düne hinab. Der Platz für den Sundowner ist perfekt gewählt, wir sehen gleichzeitig die Sonne unter- und gegenüber den Mond aufgehen. Beide Motive flankiert von den Armen großer, abgestorbener Bäume. Henry baut eine kleine Bar auf, dazu gibt´s herrliche Biltong Snacks. „Best Sprinbock-doerwors ever“ verkünden wir. Unweit von uns steht eine Hütte mit der Aufschrift „Desert Inn“, die in dieses unbeschreibliche Abendlicht getaucht die perfekte Kulisse für einen Western mit Clint Eastwood abgäbe. Die Stimmung ist magisch, als die blaue Stunde einsetzt und sich die Schleierwolken von orange bis rosa und lila einfärben und sich im darüber liegenden Blau verlaufen.  

Zurück bei Luna ziehen wir uns nur rasch um für das Dinner in der Lodge. Kaum haben wir unsere Getränke-Order deponiert, schnurrt auch schon Purple bei der Terrassentüre herein. Sie muss nach einer schnellen Begrüßungsrunde durch den Raum nicht lange überlegen, wohin sie will – Martins Schoß. Dort verweilt sie dann auch das ganze Abendessen lang vollkommen glücklich. Wider Erwarten ging es ihr nicht darum, einen Anteil von seinem Steak zu schnorren, die Krauleinheiten und das Kuscheln waren ihr genug (und davon gab´s ja auch reichlich).

Nach einer klaren, ruhigen Nacht genießen wir in der Früh nochmal den wundervollen Ausblick, dann brechen auch wir unsere Zelte ab und düsen entlang des Nambibrand-Gebietes nach Norden zu unserem nächsten Ziel, der Zebra River Lodge, die wir über reichlich Gravel und Wellblech einen Canyon hinab erreichen. Die Lage begeistert uns sofort, insbesondere wegen der schönen Schichtungen der Berge rings um uns. Gut möglich, dass der Name „Zebra River“ von dem Streifenmuster der Berghänge abgeleitet wurde, nicht von den hier vorkommenden Bergzebras. Die Muster erinnern mich, je nach Blickwinkel, an überdimensionale Mannerschnitten oder Bienenkörbe, denn es wechseln schokobraune Felsschichten mit von hellem Gras bewachsenen Terrassen.

Die Lodge, deren Einrichtungen wir – obwohl wir campen – mitbenutzen dürfen, ist sehr hübsch angelegt, mit einem kleinen Pool, Zierkarpfenteich, jeder Menge Kakteen und leuchtend violett blühenden Bougainvillea. Die Eigentümerin und ihr Personal sind reizend, und wir werden sogleich beraten, welche Wanderungen wir machen könnten. Auch eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Trails bekommen wir und entscheiden uns für die zwei- bis dreistündige „Quivertree“-Route. Aber zunächst genießen wir mal einen gemütlichen Nachmittag am Pool, der mit seinen noch etwas eisige Temperaturen für eine ordentliche Erfrischung sorgt, solange bis die angekündigte Gruppe Chinesen einfällt. Uns stört das Gewusel und aufgeregte Geschnatter nicht lang, der Pool ist ihnen eh zu kalt und der Campsite, auf dem wir nächtigen, ist rund vierhundert Meter von der Lodge entfernt. 

An diesem Abend überrascht uns der Mond wieder einmal. Noch am Vortag (weiter südlich) hatten wir einen hell erleuchteten Vollmond, und heute können wir eine faszinierende partielle Mondfinsternis beobachten. Der Mond erscheint rötlich und verblasst dann zunehmend. Im Canyon wird es ruhig, auch die Tierwelt scheint diese „lunar magic“ zu bewundern. Nach Stunden beginnt der Erdtrabant am unteren Rand wieder zu erstrahlen und bewegt sich Stück für Stück wieder aus dem Erdschatten heraus und beleuchtet wieder die Mannerschnitten-Wände des Canyons um uns herum.

Die ausgewählte Wanderung ist wunderschön, zunächst entlang des Zebra River, dann hinein in einen anderen Canyon hanteln wir uns Schicht für Schicht bergauf auf das Plateau. Vereinzelt sehen wir am Weg sogar auf den Steinplatten verewigte kleine Fossilien. Die letzten Meter sind noch zum Klettern, neben einem abgestorbenen Köcherbaum am Gipfel stehend werden wir dafür aber belohnt mit einem herrlichen Ausblick über die verschiedenen Canyons, die in Schlangenlinien in Richtung Hauptfluss einmünden. Bei einem erscheint mir das „Luftbild“ wegen der Maserung und Farben der Gesteine wie eine leicht geöffnete Mördermuschel, so wie wir sie beim Schnorcheln in tropischen Gewässern manchmal sehen – freilich nicht soooo groß.


Die schwierigsten Passagen liegen hinter uns, von nun an geht der Rundkurs meist gemütlich bergab zurück zur Lodge. Wir hanteln uns Terrasse für Terrasse hinab, immer wieder innehaltend bei schönen Ausblicken oder besonderen Pflanzen, wie beispielsweise einigen Akazien, die je nach Art gelb oder weiß zu blühen beginnen. Die kleinen weißen Bällchen ähneln jenen der Baumwolle, nur eben viel kleiner.

Begeistert von der schönen Wanderung schlürfen wir bei der Lodge ein kühles Bier und plaudern ein bisschen mit der Eigentümerin, die sichtlich froh ist, dass es uns bei ihr so gut gefällt. Am Nachmittag können wir die Ruhe in der Lodge wieder vollkommen exklusiv genießen, denn die Chinesen werden erst gegen Abend für ein Braai zurückerwartet von ihrer Exkursion – bis dahin hält auch das Personal Siesta. Besuch bekommen wir nur von sechs Zwerghühnern, die interessiert ihr neues Zuhause erkunden (sie sind erst am Vortag eingezogen). Rechtzeitig vor der Rückkehr der Lodgegäste trollen wir uns auf unseren netten Campsite und beginnen unsere eigene Grillerei. 

Unsere nächstes Ziel ist das Camp „Nauams“, das wir über eine abwechslungsreiche Fahrt entlang und durch die Naukluft-Berge und über den kurvenreichen Remshoogt -Pass erreichen. Wir haben auf Empfehlung zweier Freunde einen exklusiven Campsite gebucht, der über die außergewöhnliche Einrichtung einer Hot Tub verfügt. Dieses Modell wird – ähnlich wie die Donkeys für die Dusche – mit Feuer angeheizt. Wir sind schon neugierig, wie das funktioniert. Die kreisrunde Wanne thront auf einer Plattform unter einem großen, runden Felsen und wird wie vereinbart von Caretaker Ben am späten Nachmittag befeuert. Schon bald sehen wir den Rauch aus dem Schlot des Kamins aufsteigen. Gemäß seiner Anleitung legen wir noch zusätzlich ordentlich Holz nach und rühren fleißig um, damit das Wasser gleichmäßig warm wird. Es dauert eine Weile, aber dann tauchen wir ein in ein relativ wohlig temperiertes Bad („hot“ ist es allerdings bei weitem nicht). Wir lachen bei dem Gedanken, dass es vermutlich so aussieht, als würden hier zwei Afrika-Touristen im Koch-Bottich von Kannibalen schmoren.    

Haumas hat gut gepflegte Mountainbikes, auf die wir uns schon tagelang freuen, schließlich vermissen wir die regelmäßigen Biketouren, die wir zu Hause unternehmen, schon ein wenig. Der Eigentümer des Camps, der uns in seinem Adventure Centre die Bikes verleiht, berät uns zu den Routen. Er meint: „It is quite as smooth flowing single trail, just a little bit up and down, nothing technical! Only at the end you have to go up that hill behind us (er zeigt mit dem Finger auf den BERG) and then it is a steep trail down, where you might need to hop off and drag the bike, but otherwise all super easy“. Und die Trails seien gut markiert mit gelben und blauen Schildern. Das klingt ja gut machbar mit normalen MTBs, und wir verzichten auf die Motor-Unterstützung der E-MTBs. Noch ein wenig den Helm adjustieren, eine Flasche Wasser in die Halterung geschoben, und schon rollen wir vom Hof. 

Die ersten Meter auf der Zufahrt zum Campsite gehen noch recht einfach und es fühlt sich gut an, wieder mal in die Pedale zu treten. Der erste Abzweig ist gut beschildert als „Boesman Trail“, er führt uns in einigen Schleifen und über sanfte Felsstufen zu einer Stelle, an der wir nach kurzem Aufstieg einige alte San-Felsmalereien von verschiedenen Tieren und Jagdszenen entdecken. Danach folgen wir brav den gelben Pfeilen, die zwar manchmal vom Wind ein wenig verdreht, aber auch zahlreich genug sind, dass wir uns nicht verirren können. Doch es wird deutlich anspruchsvoller, aufgrund der Steigungen und auch, weil der Untergrund ziemlich steinig ist, darunter durchaus größere Brocken, deren Überwindung beziehungsweise Umrundung uns einiges an Kraft und Geschicklichkeit abverlangt. Vor allem bei den Abwärtspassagen braucht es viel Kontrolle und Balance. Wir werden beide mehrmals von zu eng am Trail stehenden Bouldern und Felsstufen gestoppt, die wir einfach nicht mehr rechtzeitig umfahren können. Oder wir werden in den Passagen durch sandigen Bachbette abgeworfen, weil sich die Reifen zu tief eingraben. In so einer kippe ich einmal ganz einfach komplett um, glücklicherweise nur in den weichen Sand. Dazu kommen noch der Gegenwind und die Höhe – Mountainbiken in über 1800 Meter Höhe ist spürbar und bringt uns richtig zum Schnaufen.

Ich vermisse nach einer Weile schmerzlich meine Bikehose und die angenehme Federung unserer „Fullies“ zu Hause. Die vielen „bumps“ gehen relativ ungebremst auf meine Po-Knochen. Sogar Martin, ein passionierter Mountainbiker, jammert nach der Abfahrt von einem Hügel Namens „Debra the Zebra“, der es rauf und runter richtig in sich hatte. Debra muss ein richtig bockiges Zebra gewesen sein. Und Martin reitet zunehmend im Stehen – das Problem mit den Po-Backen habe offensichtlich nicht nur ich…. Zwei Bike-Hosen wandern auf die Packliste für die nächste Reise.

Als wir auf die Kreuzung der Fahrwege kurz vor dem steilen Anstieg auf den Berg, der noch zwischen uns und dem Ziel der Tour liegt, stoßen, verweigere ich die Auffahrt, noch die Worte des Bike-Vermieters im Ohr, dass es erst dort bei der Abfahrt „really technical“ würde und man den fahrbaren Untersatz eventuell um die engen Kurven tragen müsste. Ich will es nach den bisherigen Steinpassagen gar nicht mehr wissen, wie sich seine Definition von „technical“ anfühlen würde. Auch Martin ist (unerwartet) schnell von der Alternative überzeugt, dem Pfeil zurück zum Campsite auf der Straße zu folgen, obwohl diese Route eventuell etwas länger um den Berg herumführt. Tatsächlich ist auch diese Straße nicht gerade in bestem Zustand. Steinige und sandige Passagen sowie gar nicht so wenige Anstiege fordern unsere Ausdauer noch ordentlich, bis das Adventure Center wieder in Sicht kommt und wir glücklich, aber müde und reichlich durchgeschüttelt nach etwas mehr als zwei Stunden von den Bikes steigen. Jetzt haben wir ein großes Stück von dem herrlichen saftigen Kuchen, der unter der Glasglocke am Tresen steht, und einen guten Kaffee wirklich verdient. 

Voller Respekt denken wir beide erneut an den jungen Engländer, den wir in Ais-Ais getroffen haben. Wie schafft man es körperlich, aber vor allem mental, tausende Kilometer durch Afrika auf solchen Wegen zu bewältigen? Am Abend bedanken wir uns auch bei Luna für ihr großartiges Fahrwerk und die wunderbaren Stoßdämpfer, denn über solche Wege muss sie mit uns fast täglich fahren. Nur allzu verständlich, dass da mal eine Schraube locker wird (in Luna, nicht in uns).

Ursprünglich hatten wir (aufgrund des erheblichen Holzverbrauchs) zwar nicht vorgehabt, die Hot-Tub noch einmal zu benutzen, aber nach den sportlichen Anstrengungen des Tages, und weil Ben uns mit dem Anheizen ohnehin schon zuvorgekommen war, legen wir uns doch hinein. Erfreulicherweise hört dann wie auf Knopfdruck endlich auch der starke Wind auf zu blasen und so können wir eine schöne Abendstimmung genießen. Es ist unsere letzte Nacht im Busch nach einer ausgiebigen und eindrucksvollen siebenwöchigen Reise, die wir am Lagerfeuer nochmal Revue passieren lassen. 

In Windhoek füllen wir wieder die Gasflasche bei „Gas It“ und bekommen dort auch Hilfe bei der Reparatur unseres Gaskochers. Besonders nettes Detail, dieser Service war vollkommen gratis. Das nächste Mal weiß ich, wie ich das Gerät selbst reparieren kann, falls das gleiche Problem wieder auftritt! Eigentlich ist so ein Gaskocher eh recht simple aufgebaut. 

In der Lodge bekommen Mensch und Maschine eine ordentliche Pflege. Luna wird wieder vollständig ausgeräumt, gesaugt, ausgewischt. Diesmal werden auch sämtliche Polsterungen vom Wüstenstaub befreit und gereinigt. Und natürlich landet ein riesiger Wäschesack in der Wäscherei der Lodge, der dann wieder sauber eingeräumt wird. Auch die Entleerung/Reinigung des Wassertanks steht am Programm. Nach getaner Arbeit (es dauert dann doch immer einige Stunden) gönne ich mir eine herrliche Massage mit richtig viel gut duftendem Öl. Martin ölt derweil seine Kehle bei einem letzten Windhoek Lager und genießt die Ruhe auf der Terrasse unseres Bungalows. 

Unsere Gespräche beim Abendessen drehen sich aber bereits jetzt und mit großer Vorfreude um die Vorbereitungen auf die nächsten Abenteuer mit Luna. Schon rund um Weihnachten und Neujahr wollen wir wiederkommen und ein weiteres Stück der vielseitigen Landschaften Namibias bereisen, bevor wir das Land dann Ende April endgültig verlassen werden. Sambias Hauptstadt Lusaka wird dann unsere neue Basis.

Tipps für die Naukluft-Berge (September 2025):

  • Die Region ist generell ideal, wenn man sich nach langer Zeit im Auto wieder mal bewegen will – es gibt unzählige Möglichkeiten für Wanderungen und Ausflüge mit dem Mountainbike. Die Attraktion sind die unglaublichen Landschaften, Tiermassen darf man sich nicht erwarten.
  • Alle Lodges, in denen wir waren, sind zu empfehlen. 
    • Die Zebra River Lodge ist sogar für mehr als zwei Tage sehr gut geeignet, denn man kann dort herrlich entspannen. Der Campsite hat perfekte Ablutions und ist 400 Meter weg von der Lodge und damit sehr ruhig. Die Einrichtungen der Lodge (Pool!) kann man nutzen, es wird jedoch kein Essen angeboten. Internet ist vorhanden, aber schwach.
    • Das Kanaan Desert Camp bietet Ruhe in einer herrlichen, offenen Landschaft. Unbedingt den Sundowner-Drive mitmachen. Essen, Pool und sehr gutes Internet in der Rezeption und im spektakulär gelegenen keinen Restaurant.
    • Haumas ist für erfahrene Mountainbiker ein Muss. Die Campsites sind wunderschön gelegen, die Attraktion ist der Hot Tub, der allerdings wahrscheinlich einen halben Wald braucht, um heiß zu werden. In den Sommermonaten ist aber lauwarm wahrscheinlich sowieso besser!

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