Von vielen Travellern werden Schlangen (noch vor Spinnen und Skorpionen) als die wohl größte Gefahr bei Reisen auf die südliche Halbkugel gesehen. Daher haben wir uns entschlossen, hier mal ein paar Zeilen zu diesen Reptilien zu schreiben.
Ich mag Schlangen. Sie sind perfekt an Ihre jeweilige Umgebung angepasst, gut getarnte und oft „unsichtbar“ agierende Einzelgänger, energieeffizient, präzise und perfekte Jäger.
Wir haben auf unseren Reisen in Afrika bisher in freier Wildbahn wesentlich weniger Schlangen gesehen als beispielsweise in Australien oder Lateinamerika. Das liegt wohl daran, dass uns diese Reptilien am liebsten aus dem Weg gehen. Schlangen leben vorzugsweise im Verborgenen, um sich vor ihren – durchaus zahlreichen – Feinden zu verbergen. In Afrika zählen dazu beispielsweise viele Raubvögel (vor allem Sekretäre), Meerkats, Mangusten, der legendäre Honigdachs und natürlich andere Schlangen.
Wenn man dann auf Wegen durch Buschwerk oder hohes Gras auch noch fest auftritt, wird jede (afrikanische) Schlange die Vibrationen spüren und das Weite suchen. Gleiches gilt natürlich für Autos. Wenn man Glück hat, sieht man gerade noch den vermeintlichen, über die Straße liegenden Ast, der sich rasch in den angrenzenden Busch davonschlängelt. Auf diese Weise haben wir (bisher ein einziges Mal!) eine Schwarze Mamba gesehen, die sich vor dem Auto gut einen halben Meter aufgerichtet hat, um sich dann in Sekundenbruchteilen in einen Strauch neben der Straße zu „werfen“ – ein beeindruckendes Erlebnis mit einer der gefährlichsten und schnellsten Schlangen Afrikas. Gelassener war da schon die relativ kurze, dafür dickliche Puffotter, die wir im South Luangwa einmal ebenfalls vom Auto aus sahen. Sie ist schlicht zu träge zur Flucht und lag daher unbeeindruckt und bewegungslos neben dem Auto. Diese Eigenschaft macht die vornehmlich in der Dämmerung aktive Puffotter zu einer der gefährlichsten Schlangen – so ganz auf Vibrationen verlassen geht dann halt doch nicht!
Sollte die Vibration die Schlange nicht verscheuchen, wird sie durch Zischen auf sich aufmerksam machen. Diesen Warnlaut sollte man jedenfalls ernstnehmen und sich langsam zurückziehen, versteht sich!
Auch in Afrika werden verhältnismäßig wenige Menschen von Schlangen gebissen oder sterben sogar an einem Schlangenbiss. Die meisten Unfälle passieren bei der Feldarbeit oder im Schlaf, da viele Menschen hier in ihren Hütten noch immer am Boden schlafen. Auf Wanderungen ist das Risiko (wegen der zuvor erwähnten Vibrationen durch das Gehen) relativ gering. Der überwiegende Teil der Bisse passiert unterhalb des Knöchels, daher können feste Wanderschuhe einen Schutz bieten. Hohe bis zum Knie reichende Ledergamaschen haben wir bisher erst einmal in einer extrem schlangenreichen Gegend in Brasilien verwendet, in Afrika hätten wir gar keine mit. Gerne verwenden wir auch Wanderstecken, denn dadurch wird man zum Vierbeiner – ein Biss in den Metallstecken schmerzt sicher weniger als in den Fuß! Wir stochern damit auch gerne mal vor uns herum, wenn es am Boden unübersichtlich wird.
Im unwahrscheinlichen Fall, dass doch eine Schlange zubeißt, bleibt die Hoffnung, dass sie ungiftig oder nur minder giftig ist. Giftschlangen werden an Menschen keine oder keine große Menge Gift „verschwenden“, da wir ja nicht zum Beuteschema zählen. Trotzdem reicht meist schon ein Rest Gift auf den Giftzähnen für ernsthafte Folgen. Die gängigen Ratschläge im Fall eines Bisses sind nur teilweise umsetzbar:
- Die Wunde in Ruhe lassen, keinesfalls aussaugen oder abbinden (die oft empfohlene Vakuumpumpe ist Blödsinn!).
- Den Gebissenen beruhigen und hinlegen (Bissstelle unter Herzhöhe). Jede Aufregung führt zu schnellerer Verbreitung des Giftes im Körper.
- So schnell wie möglich zum Arzt und (wörtlich in vielen Reiseführern) die Schlange möglichst zum Arzt mitnehmen.
Nur wenn bekannt ist, welche Schlange gebissen hat, kann das richtige Anti-Serum verabreicht werden. Ohne Kenntnis, welches Gift gerade im Körper die Runde macht, sollte man sich kein Anti-Serum spritzen, denn dieses führt häufig zu anaphylaktischen Schocks, die jedenfalls ärztlich behandelt werden müssen.
Das mit dem „Schlange mitnehmen“ ist wohl eher theoretisch. Mir gelang nach dem schmerzhaften Biss einer Fangschrecke in Kolumbien wenigstens ein Foto des Übeltäters. War für den lokalen Apotheker hilfreich, das gespritzte Antibiotikum führte bald zum Abschwellen meiner Hand. Ob ich allerdings nach einem Biss die Nerven hätte, auch eine Cobra zu verfolgen und ein Foto zu schießen, wage ich stark zu bezweifeln….
Gemütlicher zu beobachten sind Würgeschlangen, den einen oder anderen Python haben wir schon gesehen – auf Bäumen oder im Erdbau. Natürlich lohnt auch hier ein gewisser Respektabstand, aber in der Regel sind diese oft sehr großen Schlangen für Erwachsene ungefährlich, auch wenn sie schon mal kleine Impalas jausnen.
In den Fotos zeigen wir ein paar extrem giftige Schlangen, die wir im Snake Park in Swakopmund fotografiert haben. Wir werden versuchen die Bildergalerie laufend zu ergänzen, wenn wir neue machen. Aber wie schon erwähnt, es könnte eine Weile dauern, bis wir wieder mal eine Schlange in der Wildnis zu Gesicht bekommen und dann auch noch ein Portrait gelingt! Wir werden uns bemühen.













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