Die letzten Tage des Jahres und Neujahr wollen wir an der Küste verbringen. Aus dem trockenen Swakop-Canyon geht es daher quasi den Swakop entlang nach Swakopmund, wo der Fluss ins Meer mündet – wenn er es mal schafft. Während der letzten (sehr starken) Regenzeit war das die Sensation, über die man in ganz Namibia berichtete.
Swakopmund empfängt die dürstenden Wüstenfahrer mit offenen Armen. Eine gepflegte kleine Stadt mit freundlichen Geschäftsstraßen und -passagen, sowie einer palmengesäumten Promenade am Meer. Wir haben keinen Campsite mehr bekommen, also übernachten wir im netten „Hotel á la Mer“, direkt gegenüber dem Pier. Da unser Zimmer noch nicht bereit ist, machen wir einen kleinen Stadtbummel und kaufen ein wenig ein – als nachträgliches Geburtstagsgeschenk bekommt Eva ein nettes Schmuckset mit den hier allgegenwärtigen Edelsteinchen (diesmal fällt ihre Wahl auf leuchtenden blauen Topaz und Peridot) und ich die lang ersehnten „Vellies“, die klassischen handgemachten Buschschuhe.
Am Abend gönnen wir uns Austern und Fisch im „Tug“, einem auf einem ausrangierten Schleppkahn aufgebauten Restaurant direkt am Meer, das praktischerweise gleich gegenüber vom Hotel liegt. Die Austern sind hier – wie in Lüderitz – speziell. Sie werden im Mini-Format aus Chile importiert und dann vor der Küste in künstliche Zucht-Bänke gesetzt. Der extrem nährstoffreiche, kalte Benguela-Strom lässt sie in knapp sechs Monaten zur idealen Größe wachsen, in Chile würden sie 2-3 Jahre brauchen!
Nach einem Besuch im Snake Park (siehe dazu unseren Blog zu Schlangen) machen wir uns auf nach Walvis Bay – etwa eine halbe Stunde auf kerzengerader Küstenstrecke nach Süden. Vorbei an ausgedehnten Feriensiedlungen („Langstrand“ – nomen est omen), erreichen wir die einzig echte Stadt Namibias neben Windhoek. Knapp 70.000 Einwohner leben hier von Salzabbau, Fischfang und Tourismus, vor allem aber auch vom großen Hafen, über den Namibia, aber seit Bau des Trans Kalahari-Highways auch große Teile Botswanas und sogar Zambia und Zimbabwe versorgt werde. Auch unsere Luna ist über diesen Hafen nach Afrika gekommen! Ich checke mal schnell auf marinetraffic.com – insgesamt warten 61 Schiffe an verschiedenen Hafenbojen auf die Löschung oder Beladung, vom kleinen Feeder bis zu Tankern und riesigen Containerschiffen. Auch die meisten Rohstoffe Namibias werden in Walvis Bay in Schüttgut-Frachter gekippt, vor allem Kupfer, Zink, Blei, Zinn und Granit. Aber auch Uranoxid wird – in dicht verschlossenen, strahlendichten Stahlfässern – in Container verpackt, um die energiehungrige Welt am Laufen zu halten. Neben Diamanten ist Uranoxid der wichtigste Devisenbringer des Landes. Namibia besitzt bereits heute einige der größten Uranminen der Welt (meist in der Hand chinesischer oder australischer Unternehmen), weitere Vorkommen werden in der Namib vermutet. Immer wieder sehen wir die Hinweisschilder auf Bergbau-Sperrgebiete, in denen Probebohrungen von „Swakop Uranium“, einem chinesisch-namibischen Joint Venture, stattfinden.
Schon lange freue ich mich darauf, den letzten Tag des Jahres 2025 in den Dünen zu verbringen. Wir haben – ganz touristisch – eine Ganztages-Tour gebucht, deren Höhepunkt ein Ritt im Geländewagen durch die bis zu 100 Meter hohen Dünen ist. Aber zuerst geht es per Boot hinaus zum Pelican Point, einer Halbinsel vor Walvis Bay. Von unserem Captain angekündigt wuchtet sich schon im Hafenbecken eine der hier allgegenwärtigen Zwergpelz-Robben namens Junior auf unser Boot und lässt sich das dargebotene Heringsfrühstück schmecken. Nur wenig später landet ein riesiger Pelikan am Dach des Bootes und erfreut sich ebenfalls an dem einen oder anderen Fisch, die er kunstvoll aus der Luft fängt. Man sieht richtig, wie der Happen zunächst im Kehlsack zurechtgeschüttelt wird und dann zur Gänze in den langen Hals wandert. An zahlreichen Robben-Kolonien vorbei erreichen wir Pelican Point, wo wir mit Blick auf den alten Leuchtturm einem ausgezeichneten Mittagessen verwöhnt werden. Austern und südafrikanischen Sekt als Starter, danach klassisches Surf & Turf – Langusten und Steak am Grill frisch zubereitet. Ein aromatischer Mokka aus der French Press rundet das Strandbarbecue ab. Die dazu gereichten Brownie-Minis munden mir besonders (ich schnappe mir gleich drei Stückchen davon).
Gut gestärkt steigen wir in die bereitstehenden Defender, ich natürlich gleich auf den Beifahrersitz, denn ich würde gerne das „Driver-Feeling“ haben, auch wenn ich nicht am Steuer sitze. Man könnte zwar selbst in die Dünen fahren, aber für die großen Sandhaufen wäre Luna wohl zu schwer, außerdem gibt es mehrere Passagen am Meer entlang, bei denen man die Tide genau im Blick haben sollte. Das eine oder andere Auto hat es hier schon mal nicht herausgeschafft, bevor die Flut kam. Der Beifahrersitz in einem fremden Auto bringt somit wesentlich mehr Entspannung!
Wir genießen die Fahrt, brettern zuerst die Küste entlang, vorbei an vielen Kabeljau-Fischern, durch ein Trockenfluss-Tal mit der letzten grünen Vegetation auf kleinen Sandhaufen hin zu den Dünen, die sich südlich von Walvis Bay auftürmen. Bei Stopps am Meer erklärt unser Fahrer die Zusammensetzung des Sandes am Strand. Die teilweise dunkleren Farben in den kleinen Sandwellen kommen von eisenhaltigem Gestein, das vom Meer zermahlen wurde, die rosa Farbe vor allem von rotem Granat. Die schwarzen Sandkörner lassen sich tatsächlich mit einem Magneten leicht isolieren, die Sandpartikel auf Evas Hand richten sich nach dem Magneten aus, der unter ihrer Hand bewegt wird. Bei Aufnahmen mit dem Makro-Objektiv des iPhones erkennen wir die verschiedenen Bestandteile des Sandes – er schaut stark vergrößert Betrachtung aus wie eine Ansammlung von Halbedelsteinen!
Nun geht es hinein in die große Sandkiste. Wir rasen durch den Sand, der Defender röhrt untersetzt in der Fünften, Sechsten bei bis zu 70 km/h, wenn unser Fahrer bei leichten Abfahrten weit ausholt und Schwung nimmt für die nächsten Anstiege – „you have to plan a little bit in advance in a Defender“. Nur zweimal bricht er einen Anstieg ab und surft die Düne zurück hinunter, um (noch mehr) Schwung zu holen und die Linie leicht anzupassen. Besonders faszinieren mich die sehr steilen Abfahrten von einigen Dünenkämmen. Im Schritttempo knirscht der Sand unter dem Gewicht des Autos, wir bleiben aber immer voll in der Falllinie, um ein Kippen zu vermeiden. Spätestens diese Abfahrten wären mit Luna zur Herausforderung geworden, denn unsere Lady bringt gerne ihr Hinterteil nach vorne…
Neben der „driving experience“ fasziniert uns aber auch die großartige Landschaft. Riesige, goldene Dünenberge stürzen in den blauen Atlantik. Ein mitreißender Farbkontrast, den wir auf den zahlreichen Stopps auf Dünenkämmen immer wieder bestaunen (und mit Champagner begießen) dürfen. Was für ein Jahresausklang!
Den tatsächlichen Jahreswechsel erleben wir dann gerade noch halbwach mit. Zu eindrucksvoll und anstrengend war der Tag draußen am Meer und in den Dünen. Wir halten jedoch bis Mitternacht durch und stoßen mit ein Glaserl Sauvignon Blanc auf das Jahr 2026 an – Sekt hatten wir ja in den Dünen schon genug!
Tipps zu Swakopmund und Walvis Bay (Stand Jänner 2026)
In Swakopmund können wir das „Hotel a la Mer“ sehr empfehlen. Sehr nette Zimmer, gutes Wifi, sicherer Parkplatz, beste Lage mit Meerblick auf Höhe des Piers, direkt gegenüber dem Snake Park, den wir allen Schlangenfans ebenfalls sehr ans Herz legen. Auch das Restaurant „Tug“ am Pier ist einen Besuch wert.
In Walvis Bay gibt es zahlreiche Touranbieter. Wir haben uns für „Mola-Mola“ entschieden und wurden nicht enttäuscht, es lief alles sehr professionell ab und es ist „good value for money“.
Selbstfahren in den ganz hohen Dünen wäre sicher lustig, mit schweren Overlandern aber nicht empfehlenswert wegen der steilen Abfahrten und vielleicht auch der einen oder anderen Herausforderung in der Navigation. Am Strand entlang kann man gut bis Sandwich Harbour fahren, muss jedoch die Tidentabelle im Auge behalten.

























No responses yet