Eigentlich planten wir, die Strecke von Mana Pools nach Harare auf zwei Tage aufzuteilen, aber schlussendlich schafften wir es doch, die 340km in einem Tag durchzufahren.
Nach der wirklich schlechten, steinigen Ausfahrt aus Mana Pools ging es aus vom Zambezi südwärts gleich hinauf in die Berge – wir kletterten auf den ersten Kilometern kurvenreich von 570 Metern Seehöhe auf knapp 1.200 Meter hinauf und genossen den schönen Ausblick in das weite Zambezi-Tiefland. Bis Harare legten wir dann noch einmal knapp 300 Meter drauf, allerding auf einem sehr abwechslungsreichen Hochplateau.
Die Gegend um die 80.000 Einwohner zählende Stadt Chinhoyi überrascht uns mehrfach und bringt uns dazu, uns Gedanken zur Entwicklung Simbabwes zu machen.
Riesige, modern bewässerte Felder reihen sich aneinander, auch die Verarbeitungsbetriebe (vor allem für Tierfutter) schauen von außen mit ihrer großen Anzahl an Silos sehr modern aus. Tatsächlich ist die Stadt das Zentrum des Mais- und Tabakanbaus im Land, auch größere Mengen an Weizen und Sojabohnen werden hier geerntet.
Die „Landreform“ (i.e. Enteignung der großen Farmer), die 1980 begann und ab 2000 massiv und mit Gewalt verschärft wurde, hatte extreme Nahrungsmittelknappheit und schwere Wirtschaftskrisen zur Folge. Unter Präsident Robert Mugabe wurden tausende kommerzielle Farmen von weißen Eigentümern oft gewaltsam und entschädigungslos beschlagnahmt und an schwarze Zimbabwer (hauptsächlich Parteigänger und Kriegsveteranen) übergeben.
Eine kleinteilige Landwirtschaft in Händen von Laien funktionierte jedoch nicht. Es ist erfreulich für das Land, dass inzwischen offenbar wieder Schritte zu professioneller und effizienter Landwirtschaft gesetzt werden. Einheimische bestätigen uns, dass man sich „arrangiert habe“ – einige der Farmen wurden an ihre ursprünglichen (meist weißen) Besitzer zurückgegeben, und viele der Schwarzen, denen Land zugeteilt wurde, lassen es inzwischen gegen Pacht wieder professionell bewirtschaften, es entstehen durch Zusammenlegungen wieder effiziente Größen und Strukturen. Generell bemerken wir im Land, dass die Kluft zwischen Schwarz und Weiß – zumindest bei der jüngeren Generation – nicht mehr besteht und ein Miteinander zu beiderseitigem Vorteil möglich erscheint. Wir werden immer wieder von schwarzen Jugendlichen angesprochen und gefragt, wie es uns in Simbabwe gefiele. Und nicht selten auch zu einem Selfie gebeten. Distanz schaut anders aus!
Erstaunt sind wir auch über zahlreiche moderne Gebäude Chinhoyis und recherchieren später, dass die Stadt ein echtes Bildungszentrum ist: Neben zwei Universitäten gibt es hier 13 Grund- und 8 weiterführende Schulen. Wir nehmen das als Hinweis dafür, dass das einst brillante Bildungssystem des Landes zumindest in Grundzügen noch immer besteht. Und tatsächlich: die Alphabetisierungsrate bei Erwachsenen liegt Schätzungen zufolge bei deutlich über 85% – ein herausragender Wert für ein Land im südlichen Afrika!
Wir befinden uns gerade in der letzten Schulwoche vor den August-Ferien, und da machen offenbar alle Schulen (wie bei uns auch) Ausflüge, denn als wir in den Campsite bei den Chinhoyi Caves einbiegen, bemerken wir, dass mindestens fünf Schulen der Umgebung heute diese Höhlen besuchen. Die Schulen sind leicht zu unterscheiden, denn sie haben nicht nur ihre eigenen Uniformen, sondern auch ihre eigenen Busse, die im Schulalltag dazu dienen, Schüler aus der weiteren Umgebung zum Unterricht und danach wieder nach Hause zu bringen. Etwa 20 dieser Schulbusse stehen – nach Schulen geordnet – am Parkplatz, hunderte Schüler wuseln über das Gelände. Der Trubel ist uns zu groß, hier schlagen wir unser Lager besser nicht auf! Die Entscheidung, nach Harare durchzufahren, fällt damit leichter.
Ein weiterer riesiger Bau fällt uns in Chinhoyi sofort auf, an der Abzweigung dorthin sehen wir das Schild „Chinhoyi Provincial Hospital“.
Die Bevölkerung Simbabwes hat derzeit ein Durchschnittsalter von 19 Jahren (Österreich hat zurzeit 44) – nur 3-4% der Bevölkerung sind älter als 65 Jahre (Österreich: 21%). Nach wie vor bereiten vor allem Cholera, Typhus, Tuberkulose, Malaria und HIV die größten Probleme. Derzeit lebt jeder achte Erwachsene in Simbabwe mit HIV. Auch wenn uns in den Städten immer wieder Krankenhäuser auffallen, so bleiben doch Ärzte- und Medikamentenmangel und die alltäglichen Stromausfälle riesige Hürden bei der Verbesserung des Gesundheitssystems. Trotzdem scheint es gewisse Fortschritte zu geben, denn die Lebenserwartung beträgt inzwischen wieder 63 Jahre (Österreich 82).
Landwirtschaft, Bildung und Gesundheitswesen sind also offensichtlich Bereiche, an denen erfolgreich gearbeitet wird.
Weniger Fokus scheint auf den Straßen zu liegen. Wir rumpeln über die unebene Schlagloch-Teerpiste, die an den Rändern oft über einen Meter ausfranst. Die Breite reicht oft nicht für Gegenverkehr aus, vor allem dann, wenn ein Lastwagen die Aufschrift „abnormal“ trägt und einen riesigen Muldenkipper für eine Mine transportiert. Dann heißt es runter über die 10-15 Zentimeter hohe Asphaltkante und rein in den schrägen Straßengraben. Schwieriger wird es schon beim Überholen der zahlreichen LKW, wenn diese Haken schlagen, um Schlaglöchern auszuweichen. Mit hohem Tempo macht auch das Ausweichen in den Straßengraben nicht unbedingt Spaß und ist keinesfalls schonend für Fahrwerk und Reifen. Wir fahren hier immerhin auf der wichtigsten Verbindung von Lusaka in Sambia nach Harare und weiter nach Johannesburg und zu den großen Häfen am indischen Ozean und sehen auf über 300 Kilometern ganze fünf Arbeiter, die mit Schaufeln Sand in die Schlaglöcher füllen und mit einer handbetriebenen Walze planieren…..Erst kurz vor Harare verändern sich die Straßenbedingungen deutlich, die A1 wird nun zur vierspurige Autobahn, angemessen für eine moderne Großstadt.
Nach all dem Wahnsinn auf der Straße kommen wir bei Sonnenuntergang in der „Casa da Rocha“ an. Ein herrliches kleines Refugium mit reizenden Gastgebern, in der wir uns zur Belohnung einen Stehtag gönnen, um uns selbst ein wenig zu erholen. Wir bereiten Luna auf die kommenden Tage vor, machen Inventur für den Einkauf in Harare, lassen Luna waschen und uns an einem Abend bekochen.
Das Gespräch mit den reizenden Gastgebern bestätigt unsere zuvor geschilderten Eindrücke: Der Familienvater hat mit seiner Electric Fencing-Firma die Zeit der Vertreibung unter dem Radar überstanden und sich ein paar Grundstücke rund um sein Elternhaus zusammengekauft. Die Kinder sind in alle Welt zerstreut, die Casa da Rocha wird jedoch inzwischen von seiner aus England zurückgekehrten Tochter und ihrem portugiesischen Mann geführt. Sie fühlt sich hier wohl, das Leben sei angenehm mit großem Garten und viel Personal. Das Wetter sei besser als in England (echt?), die Sicherheitslage ok, lediglich die Bürokratie und die mangelnde Infrastruktur sei manchmal nervend.
Die 1,7 Millionen-Einwohner-Stadt Harare gefällt auch uns. Wir fahren zwar nur durch und gehen in einem Shopping Center zum Spar, fühlen uns aber sehr wohl. Die Stadt ist recht modern, sehr grün, einigermaßen sauber und wirkt auf uns gut organisiert und entspannt. Im Spar bekommt man alles, außer – wie immer in Afrika – man sucht nach etwas Bestimmtem. Diesmal war es die Sojasauce, die sie zwar im Regal hatten, aber nicht an uns verkaufen konnten, weil kein Preis im Kassensystem hinterlegt war. Es würde 24 Stunden dauern bis der Artikel angelegt sei, teilt uns der Shopmanger mit. Darauf konnten wir nicht warten und so blieb die Sojasauce eben da.
Wir verlassen die Stadt Richtung Südosten. Was für ein Unterschied zur Einfahrt aus dem Norden! Die ersten 50km legen wir auf einer guten, durchgängig vierspurigen (!!!) Straße zurück, das erste Schlagloch finden wir (allerdings dann auch wieder zielsicher) nach 210km!
Das passt gut zu unseren insgesamt positiven Eindrücken über Simbabwe. Wenn es gelingt, die Massen an Kindern (40% sind unter 15 Jahre alt!) in den Schulen zu halten, wenn einige der Millionen meist gut ausgebildeten Simbabwer aus der Diaspora zurückkehren und das Land die riesigen wirtschaftlichen Chancen im Agrar-, Rohstoff- und Tourismus-Bereich nur einigermaßen nutzt, werden bestimmt auch internationale Investoren mit dem für die Weiterentwicklung notwendigen Kapital zurückkehren.
Ein Simbabwer, der nach acht Jahren in England zurückgekehrt ist, fasst die Lage prägnant zusammen: „It’s still a rocky ride. But at least uphill“.
Tipps für Harare: (Stand August 2026):
Casa da Rocha – nicht weiter nachdenken, das ist der ideale Ort für Overlander in Harare. Schöner, grüner Garten, Pool, gute heiße Duschen. Auf Wunsch wird gekocht, man kann Küche und Wohnzimmer mitbenützen (vor allem im Winter fein). Das Auto wird gewaschen, ein ordentliches Feuer drinnen oder draußen entfacht. Zahlung Cash oder mit Revolut.
In Harare gibt es viele Einkaufszentren, wir waren beim Spar in der Avondale Mall. Gutes Sortiment, entspanntes Einkaufen, sicherer Parkplatz. Auch ein gutes Café gibt es ein paar Meter weiter. Am anderen Ende der Stadt beim Exit Richtung Mutare gibt es auch einen Food Lover Markt, der uns empfohlen wurde.
Und weil es gerade passt: ein paar Fahrtipps für Überlandstraßen
- Wegbleiben vom ausgefransten Straßenrand
- Entgegenkommende LKW und Busse weichen nicht aus, die Breite der Straße im Blick behalten!Afrikaner überholen gerne mit Risiko vor Kurven oder mit keiner Sicht auf den Gegenverkehr. Das wird oft knapp. Daher in einer solchen Situation zurückfallen lassen, falls es doch zu einem Frontalcrash kommt….Daher auch den überholenden Gegenverkehr aufmerksam im Auge behalten.
- LKW lassen es bergab laufen, was bei schwerer Ladung in Kurven zum Problem werden kann. Daher bergauf vor allem in Rechtskurven auf entgegenkommende Trucks achten.
- „Speed Bumps“ nie unterschätzen, sie können ordentlich hoch sein und werden meist nur sehr kurzfristig angekündigt!
- Manchmal lassen sich Schlagloch-Treffer nicht vermeiden. Wenn das Durchfahren des Lochs unausweichlich ist, dann ohne Lenkeinschlag und mit möglichst niedriger Geschwindigkeit. Bremse aber kurz vor dem Einschlag lösen, damit die Vorderreifen noch rechtzeitig entlastet werden.












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