Über Kariba nach Simbabwe

„Welcome back to Lusaka“, ertönt es fröhlich von der Seite, als wir durch die Schiebetüren des Flughafengebäudes treten. Doni, unser Abholer, winkt mit dem Schild auf dem Martins Name steht. Geduldig hatte er eine Stunde länger als geplant auf uns gewartet, denn unser Flug von Addis Abeba wurde, statt direkt nach Lusaka, über Harare geführt, was unsere Anreise zusammen mit einer kleinen Verspätung um mehr als zwei Stunden verlängerte. Damit wir schnell zu Luna kommen, nimmt der Fahrer Nebenstraßen östlich um Lusaka herum mit zahlreichen Abbiegungen und vermeidet so den dichten Verkehr entlang der Hauptstraßen durch die Stadt. So sehen wir zur Abwechslung eine neue Gegend der Stadt. Die Freude ist groß, als wir endlich bei Luna sind und die Aktivierung der Systeme klaglos klappt. Beide Batterien lassen sich aktivieren, Luna startet mit dem gewohnt tiefen Brummen.

Bricks, die Katze, läuft sofort auf uns zu und mauzt erfreut. Die Streicheleinheit hat sie verdient fürs Aufpassen und Fernhalten von gefräßigen Mäusen. Wir bedanken uns auch bei George, dem mit seiner Familie auf dem Gelände lebenden Guard, mit einer Packung Mozartkugeln, die sofort aufgeregte Begeisterung bei seinen zwei kleinen Kindern auslösen. 

Den winkenden George und die nachlaufenden Kids im Rückspiegel rollen wir nach Sonnenuntergang gerade noch rechtzeitig im letzten Tageslicht vom Gelände. Nur knapp dreißig Minuten später checken wir bei Lukasa B&B ein. Hier bleiben wir erst mal für zwei Nächte und fühlen uns sehr wohl. Lukasa wird von zwei Holländern geführt und ist „der“ Overlander-Treffpunkt in Lusaka. Hier werden auch zahlreiche Expeditionsvehikel geparkt und warten auf die nächste Tour. Wir erledigen die überfällige Reinigung unseres Wassertanks, nehmen Wasser- und Gas-Systeme in Betrieb, laden die Batterien der wichtigsten Geräte auf und richten uns in Luna ein.

Gut erholt von der langen Flugreise machen wir und düsen wir nach einem kleinen Einkauf problemlos auf der Kafue Road nach Kariba. Definitiv eine gute Entscheidung, die Grenze nach Simbabwe hier (und nicht am Haupt-Grenzübergang Chirundu) zu nehmen. Die verschiedenen Stationen (Immigration, Interpol und Zoll), die wir allesamt diesseits und jenseits des riesigen Staudamms durchlaufen müssen, sind gut organisiert und die Angestellten alle freundlich und zum Scherzen aufgelegt. Auf der Simbabwe-Seite bieten uns einige einheimische junge Männer, die vor dem Kassaschalter des Zolls mit einem großen Packen Formularen anstehen, an, unsere vergleichsweise kleine Zahlung der Haftpflichtversicherung und der Straßensteuer vor ihnen zu erledigen. „We are here the whole day, so go ahead!“ Das finden wir enorm zuvorkommend und nehmen das Angebot dankend an. Offensichtlich sind die Burschen Auto-Importeure, den vor dem kleinen Grenzhaus stehen eng geparkt etwa zwei Dutzend mehr oder weniger gut erhaltene Fahrzeuge ohne Nummerntafel.

So haben wir auch den Gate Pass auf der Simbabwe-Seite schnell mit allen nötigen Stempeln befüllt. Der kleine Papierzettel ist unscheinbar, aber entscheidend. Nur wenn alle Stempel drauf sind, öffnet sich der Schranken ins Land! 

Zwischen den beiden Ländern befindet sich das wohl spektakulärste Niemandsland, das wir kennen. Von Sambia kommend fährt man auf einer mit Unmengen Stacheldraht rechts und links gesicherte kleine Straße hinunter in die Zambezi-Schlucht, die man dann auf der gewaltigen Staumauer des Kariba-Sees überquert.

In den Jahren 1955-1959 errichtet, war der Kariba-Staudamm zu dieser Zeit der Größte seiner Art weltweit. Die Mauer ist 128 Meter hoch und 617 Meter lang und verfügt über ein Volumen von 1,032.000m3 Stahlbeton. 6.400 GWh Strom werden hier jährlich für Sambia und Simbabwe produziert. Der Zambezi wird durch diese gewaltige Mauer zu einem 280km langen See aufgestaut, der volumensmäßig der größte Stausee der Welt ist. Bei der fünf Jahre dauernden Befüllung des Sees mussten 57.000 Menschen und 7.000 Wildtiere umgesiedelt werden.

Für die erste Nacht in Simbabwe probieren wir es beim vom Reiseführer nett beschrieben Platz von Lomagundi und bekommen ganz leicht einen Platz auf dem schönen mit Gras bewachsenen flachen Areal mit uraltem Baumbestand. Davor und seitlich liegen Chalets. Wie es aussieht, sind wir die einzigen Camper. Die Tische und Bänke sind sichtbar neu gebaut und auch einen Stromanschluss haben wir. Da Kariba deutlich tiefer liegt als Lusaka, ist auch der herrlich große Pool schon um einiges wärmer und ich ziehe einige genüssliche Bahnen durch das klare Wasser. Der See selbst ist aufgrund des momentanen Wasserstandes schon ein bisschen weit draußen, sodass wir nicht so viel davon sehen. Fürs Schwimmen ist er ohnehin keine gesunde Option, da mit Bilharziose verseucht und zudem Habitat für Hippos und unzähligen Krokodile. Der hiesige Fisch hingegen schmeckt uns am Abend im zum Camp gehörenden Restaurant „The Dome“ vorzüglich. Aus den Boxen tönen vertraute Hits aus den 80igern, die zum Mitsingen (oder bei Textschwäche zumindest Mitsummen) verleiten. Die Gäste sind überwiegend weiße Einheimische und Mitglieder des Vereins, der das Anwesen besitzt und betreut. Ihr Vorsitzender besucht uns kurz an unserem Tisch und berichtet stolz, dass sie sehr bemüht seien, die Anlage mit Renovierungen in Schuss zu halten, und er sich daher sehr über Gäste freue. 

Am Morgen machen wir noch unsere ausgiebige Turneinheit und packen flott zusammen. Heute steht noch der Einkauf von frischen Lebensmitteln am Programm, die wir aufgrund der strengen Einfuhrbestimmungen erst in Simbabwe erstehen wollen. Unsere Vorsicht war diesmal unnötig, wir hätten eine lebende Ziege in Luna transportieren können und keinem wäre es aufgefallen…. Aber man wie ja nie, an anderen Grenzen wurde unser Kühlschrank schon genauestens durchsucht.

Es ist diesmal aber durchaus herausfordernd, den gesuchten Pick ‚n Pay Supermarkt zu finden. Unser Navi vermutet Straßen, wo es lediglich Haueinfahrten gibt, und so finden wir die Zufahrt erst nach mehreren Anläufen, U-Turns und mit Hilfe Einheimischer. Der kleine Supermarkt verfügt über ein gutes Sortiment und schon nach kurzer Zeit haben Martin und ich sämtliche Punkte auf unserer Einkaufslisten abgehakt. Ich bin wie immer von der Qualität des Gemüses in den afrikanischen Läden begeistert. Beim Obst halten wir uns allerdings zurück, da dieses in Mana Pools (unserer nächsten Destination) verboten ist. Das gilt insbesondere für Zitrusfrüchte, die Elefanten magisch anziehen sollen und deretwegen schon tragische Unfälle mit amoklaufenden Dickhäutern passiert sind. Zugegeben – zwei Äpfel und Kiwi schmuggeln wir dann doch mit hinein – Im Kühlschrank wohlgemerkt, damit nicht einmal der sensibelste Rüssel deren verführerischen Duft wahrnehmen kann.   

Es geht aber nicht direkt in den berühmten Nationalpark, sondern wir gönnen uns nach der malerisch kurvigen Fahrt noch einen Zwischenstopp in Marongare. Dort betreibt ZimParks gleich hinter dem Office, in dem sich alle Besucher des Parks ihr Permit holen müssen, einen kleinen Campsite. Für die Sanitäranlagen überreicht mir die Angestellte eine Rolle Klopapier und einen Bund mit sechs sichtbar uralten Schlüsseln. Auf meine Frage, welcher denn die Toilette und Dusche aufsperre, ernte ich ein entschuldigendes Schulterzucken und „Sorry, you have to try“ gefolgt von „there is water, but only cold“. So war es dann auch, am Ende gelingt es mir, eine der vier Türe aufzusperren – die mit der kalten Dusche. Das WC war glücklicherweise unversperrt, denn keiner der weiteren ausgeleierten Metalteile wäre passend gewesen. Nun ja, ich verstaue den Bund gut in Lunas Mittelkonsole, wo er dann auch vergessen wurde… 

Wir sind zurück in Afrika, zurück in Luna, und fühlen uns sofort wieder wohl. Alle Systeme laufen, wichtige Dinge haben wieder ihren Platz, die Routinen kehren zurück. Wir freuen uns auf die Erlebnisse und Entdeckungen der kommenden Wochen. Auf geht’s!

Tipps für die Strecke Lusaka – Kariba (Stand Juli 2026):

  • Lukasa B&B ist für Overlander jedenfalls empfehlenswert. Nette Gastgeber, auf Wunsch Abendessen mit ihnen, schöne Sanitäreinrichtungen, kleiner Pool. Abstellmöglichkeiten für Fahrzeuge, Geländewagen passen in die Carports, stehen allerdings je nach Tageszeit teilweise in der Sonne. 
  • Der Grenzübergang bei Kariba ist sehr zu empfehlen, da es hier keinen Schwerverkehr gibt (wie in Chirundu) und die Abfertigung sehr entspannt erfolgt. Die Reihenfolge ist gleich wie immer: Pass – Interpol – Carnet – Zahlung der Road Taxes und Versicherung (in Zimbabwe USD 50,-). 
  • Lomagundi Camp: nach der Grenze in Kariba liegt dieses Camp sehr nett in der Nähe (nicht am) See. Große und gründe Abstellfläche, recht gutes Restaurant und großer Pool.



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