Kafue Nord und Blue Lagoon


Von unserem ungeplanten, aber erneut sehr netten Stop-over in Itezhi-Tezhi aus versuchen wir, entlang der abgeänderten Route eines der möglichen Camps zu organisieren. Unsere erste Wahl wäre Kaingu, doch ohne eine Vorausbuchung dort aufzutauchen, wäre wegen der langen Anfahrt zu mühsam und riskant. Kurz vor der Abfahrt bekommen wir dann sowieso die Nachricht, dass das am Ostufer des Kafue gelegene Camp leider schon ausgebucht ist – die kleine Lodge verfügt nur über drei exklusive Plätze und es kommt das Wochenende. Weiter nördlich sieht es anders aus, da haben wir zwei Optionen, die beide nicht weit von Hook Bridge liegen. Aber um dahin zu gelangen, müssen wir erst einmal die lange Strecke bis zur Great East Road bewältigen. Die ersten 35 km sind eher schlimm, weil durchsetzt mit nervigem Wellblech, Löchern soweit das Auge reicht und dementsprechend vielen Ausweichen. Ab der Kaingu-Abzweigung wird die Gravel-Piste zunehmend besser, sodass wir schon schneller fahren können, und auf der weiteren Strecke kommen wir sogar in den Genuss einer sehr neuen Asphaltstraße, und so fahren wir bereits vor Mittag auf dem Grundstück des äußerst nett am Ufer des Kafue angelegten „Roy‘s Camp“ ein. Der Caretaker spring eifrig herbei und präsentiert uns seine besten, sehr gepflegten Stellplätze mit Schatten und Blick auf den Fluss, sowie das gegenüberliegende Ufer, das im Nationalpark liegt. „Wie schön, da drüben sind schon die ersten Elefanten zu sehen!“ Hier bleiben wir gerne, in der Hoffnung auf noch mehr tierisches Kino. Martin stellt Luna ab und kümmert sich mit dem Caretaker um die Formalitäten mit der Zahlung der Campingfee, während ich für unser leibliches Wohl sorge. Das wohlverdiente Sandwich, gebastelt aus den Resten meiner gestrigen Brasse in New Kalala (der Koch hatte es sehr gut mit uns gemeint und die Teller randvoll beladen) schmeckt vorzüglich unter dem schattigen Baum. Hier könnte man durchaus länger abhängen. 

Martin hat bereits Feuerholz bestellt. Die frisch gehackten Scheite werden im Schubkarren geliefert und nun kunstvoll an der Uferbank anzūndfertig aufgeschichtet. Auch der Donkey beginnt Rauchsignale auszustoßen, ein untrügliches Zeichen für eine schöne heiße Dusche, wenn wir später von unserem Game Drive retour kommen. Das ist bester Service. Camp-Kater Leopold dreht eine Kontrollrunde um Luna, reibt seinen Kopf an ihre Reifen und mauzt uns zufrieden zu. Natürlich bekommt er von uns eine kleine Streicheleinheit über sein weiß-orange geflecktes Fell, bevor er mit hochaufgerecktem Schwanz wieder seinem Herrchen hinterherläuft. Wir lieben Katzen (oder Mangusten) am Campsite, denn dann ist die Gefahr gefräßiger Mäuse im Motorraum geringer. Eine durchgenagte Leitung der Scheibenwisch-Anlage reicht uns bereits. 

Spontan entscheiden wir uns, den heutigen Gamedrive nur mehr in der Game Management Area direkt angrenzend an das Camp zu machen, und uns die deutlich längere Shushumba Loop im Nationalpark für den Morgen aufzuheben, da haben wir dann länger Zeit. Bevor wir los düsen, setze ich noch schnell die Buchungsanfrage für das „McBrides Camp“ im nördlichen Parkgebiet ab. Hoffentlich haben die was frei. 

Der Drive beginnt vielversprechend gleich mit der Sichtung von herzigen Puku-Gruppen, die uns – gar nicht scheu – unmittelbar neben der Straße beäugen, kurz darauf laufen große Warzenschwein-Keiler vor uns zurück ins schützende Gebüsch. Die Landschaft wechselt zwischen flussnahem Wald mit charakteristischen, knorrigen alten Bäumen und Grasland, durch das etwas holprige und streckenweise überwachsene Wege führen. An einer Kreuzung überlegen wir noch, ob wir wieder hinab zum Fluss fahren sollen. Einer Eingebung folgend, steuern wir dann doch weiter nach Westen zu zwei Baumriesen mit breiten ausladenden Ästen. Ich denke noch, der wäre doch perfekt als Rastplatz für einen Leoparden geeignet, da tönt es schon erfreut neben mir: „Da drüben, ein Leo, ist das nicht genial!“ Es ist nicht exakt mein Baum, auf dem er weilt, aber buchstäblich der nächstgelegenen. In perfekter Pose mit herabbaumelnden Beinen ruht der gefleckte Kater (wir vermuten, es handelt sich um ein junges Männchen). Er hebt nur leicht den Kopf und schaut mit großen gelben Augen zu uns herab, um dann seelenruhig weiterzubrummen. Wir beobachten ihn eine Weile ganz allein, er macht nur wenige Bewegungen. Als ein einzelner Gamedriver von der nahegelegenen Mukambi Lodge heranschnurrt, wird er doch wieder aufmerksamer. Wir deuten auf unseren Fund zwischen den Zweigen und ernten dafür dankbare Gesichter und begeistert nach oben gereckten Daumen. Neben uns macht es mehrmals „zssmmm, Klick Klick, zssmmmm“ von den Kameras. Der Leopard hat keine große Luste auf das fortwährende Fotoshooting und verzieht sich etwas höher hinauf in den Schatten, also fahren wir ein Stück weiter auf unserer Runde, kommen aber später von der anderen Seite nochmal vorbei. Er ist noch da. 

Glücklich darüber, dieser schönen Katze begegnet zu sein, kommen wir zum Sundowner retour auf unseren Lagerplatz. Hinter uns sind während unserer abendlichen Ausfahrt zwei Pärchen in die Mietzelte eingezogen. Ich plaudere ein wenig mit ihnen. Sie sind aus Sambia und Neuseeland und wollen am nächsten Tag in einem Stück bis nach Livingstone durch den gesamten südlichen Kafue fahren – eine recht herausfordernde Gewaltetappe, die wir in umgekehrter Richtung bisher nur mit drei Übernachtungen unternommen haben. Sie sind dankbar für die Schilderungen unserer jüngsten Erfahrungen mit der ltezhi-Tezhi Road und die Möglichkeit, unseren Starlink nutzen zu können. 

Später bekomme ich endlich die erhoffte Antwort von McBrides, zusammen mit einer guten Beschreibung der Anfahrt. Wir dürfe dort drei Tage campen und freuen uns, dass es diesmal wirklich klappt. (Bei der letzten Sambia-Reise hatte uns die Sperre der Fähre über den Lunga das Erreichen des Camps unmöglich gemacht) 

Bevor wir hinauffahren in den Nord-Kafue, machen wir über das Gate rund vier Kilometer nach der Hook Bridge noch einen kurzen Abstecher in den südlichen Sektor, der jedoch diesmal abgesehen von dem wunderbar vielfältigen Wald relativ wenig Tiersichtungen für uns bereithält. Zu dicht ist die Vegetation und es ist dem puren Zufall geschuldet, wenn ein Elefant oder eine Antilope direkt vor uns den fahrerisch abwechslungsreichen Track überquert. Die uns am Gate empfohlene short-cut-Piste hinaus zur Hook Bridge entpuppt sich als abenteuerliche Angelegenheit, die überwiegend lediglich Schritttempo zulässt. Damit beginnen wir unsere Anreise hinauf zum „McBrides Camp“ erst um 11 Uhr Vormittag. Das macht aber nichts, die von Camp- Manager Andrew gut beschriebene Dirt-road ist deutlich besser als erwartet, diese Strecke wurde spürbar erst kürzlich von einem „Grader“ bearbeitet, wiewohl wir auch hier Passagen durch meterhohes Gras und dichten Wald meistern müssen. Luna wird wieder mal zum Tsetse-Taxi, der Wald ist voll von diesen lästigen Biestern, gefühlt hunderte davon umschwirren uns. An Austeigen ist nicht zu denken. Ein überdimensionaler schwarzer Käfer landet auf der Motorhaube und schaut uns mit seinen langen Fühlern wackelnden durch die Windschutzscheibe an. Er kann sich erstaunlich gut festhalten und so begleitet er uns mehrere Kilometer. Irgendwann beschließt er dann doch, dass er sein gewünschtes Ziel erreicht hat und krabbelt problemlos in voller, rüttelnder Fahrt die Scheibe hinauf zu einer besseren Abflugrampe. Schon faszinierend, was Insekten können.

Die Straße dreht an der Kafue-Biegung endlich nach Osten und wir durchqueren ein paar „Dambos“, ausgetrocknete und mit Gras überwucherte Flussläufe. An manchen Stellen muss es vor kurzem gebrannt haben, manche der umgeknickten Bäume glimmen sogar noch. Die Brände gehören hier zu den normalen Naturereignissen und sind, wie wir später von den Guides erfahren, aktuell keine besondere Gefahr, da sie auf relativ kleine Abschnitte begrenzt bleiben. Noch eine kleine, mit Sandsäcken befestigte Flussfurt und bald darauf tauchen die gut in den Busch integrierten, strohgedeckten Gebäude des „McBrides Camp“ auf. 

Natürlich blieb unsere Ankunft nicht unbemerkt. Von weitem schon wurde unsere Staubfahne gesehen oder Lunas Motor gehört, denn Andrew und sein Mitarbeiter warten schon herzlich grinsend und „Welcome“ rufend auf der schmalen Holzbrücke auf uns, die vom Parkplatz hinüber zur Rezeption führt. Schnell noch wird Luna mit „Doom“, dem üblichen Insektenspray, eingenebelt. Das Camp liegt glücklicherweise in einer Tsetse-freien Zone und die Crew hier tut natürlich alles dafür, dass das auch so bleibt und keine Fliegen eingeschleppt werden. 

McBrides hat uns schon bei unserem ersten Besuch vor vielen Jahren fasziniert, es ist ziemlich nah am perfekten Bushcamp. Alle Gebäude sind offene Konstruktionen auf soliden, dunkelrot gestrichenen Betonplattformen. Die Dächer werden von knorrigen Baumstämmen getragen. Andrew führt uns herum und erklärt ein wenig die Räumlichkeiten und die möglichen Aktivitäten. Wir vereinbaren eine morgendliche Ausfahrt und eine Sundowner-Bootsfahrt auf dem spiegelglatten Kafue. Schnell sind unsere Erinnerungen an unseren Besuch vor mehr als 15 Jahren geweckt, als wir noch die Freude hatten, den Gründer und früheren Eigentümer, den legendären Löwenforscher Chris McBride („Die weißen Löwen von Timbavati“) persönlich kennenzulernen. Andrew erzählt, dass der mittlerweile betagte Mann und seine Frau erst kürzlich hier gewesen seien, um seinen Geburtstag zu feiern. Er selbst empfände es als große Ehre, als Manager des Camps dazu beizutragen zu dürfen, das Erbe des Naturwissenschaftlers zu bewahren. Er hätte auch Pläne, basierend auf seiner langjährigen Erfahrung als Pro-Guide in Südafrika und Botswana, bald mit Walking Safaris in der Gegend zu beginnen. Das klingt spannend für uns und wir bitten ihn, uns dazu auf dem Laufenden zu halten. 

Ausgestattet mit einer kleinen Übersichtskarte fahren wir hinüber auf das nördlich der Main Lodge angelegte Gelände des Campsites. Am Nachmittag wollen wir nur mehr entspannen. 

Überraschenderweise sind wir die einzigen Gäste, wodurch wir die ungeteilte Aufmerksamkeit der gesamten Camp-Crew genießen. Alle sind extrem freundlich und aufmerksam, und wir fühlen uns außerordentlich wohl. Unser Lagerplatz, mit der namengebenden hochaufragenden Palme, ist groß und komfortabel mit Palappa, Tisch und eigenem open-air Sanitärblock ausgestattet. Unsere Anwesenheit lockt die lokale Makakengruppe zur Bemusterung der Mülltonne an, deren Deckel ich vorsorglich gleich mit einem gefüllten Wasserkanister beschwere. Die fünf Kilogramm sind dann doch zu schwer für die Äffchen und sie geben nach ein paar vergeblichen Versuchen, in die Tonne zu greifen, auf. Auch Lunas Seitenspiegel haben gefiederte Fans, ein bunter Sunbird und ein gelber, amselgroßer Vogel bekämpfen dort heftig gegen das Glas pickend wiederholt ihre vermeintlichen Widersacher, die noch dazu seltsam zweigeteilt daherkommen (Lunas hat zusätzlich zum normalen Spiegel auch einen Toten Winkel“-Spiegel mit anderer Vergrößerung). Die Beifahrertüre sieht schnell aus wie ein erweitertes Vogelklo. Auch hier heißt es zu improvisieren, und wir stülpen einfach zwei Plastiksackerln vom letzten Einkauf über die großen Spiegel, damit wir (und die Vögel) wieder Ruhe haben.   

Früh morgens allerdings, um rund fünf Uhr, werden wir jäh geweckt. Der dumpfe Ruf eines Leoparden schallt von sehr nah am Weg vor unserem Lagerplatz durch Lunas Zeltwand. Nach einigen Minuten nochmal ähnliche Töne, jedoch aus etwas anderer Richtung. Die Katze ist den Weg entlang buscheinwärts marschiert und markiert offenbar ihr Revier. Mehrmals vernehmen wir noch das kehlige Knurren aus immer größer werdender Entfernung. Somit habe ich dann um dreiviertel sechs auch keinerlei Bedenken mehr, die Heckklappe zu öffnen. 

Schnell trinken wir eine Tasse Kaffee, die wir mit bereits am Vorabend gekochtem Wasser aus der Thermoskanne aufgießen, und machen uns fertig für die morgendliche Ausfahrt. Unsere heutigen Guides Richard und Jericho holen uns pünktlich mit dem Safari-Vehikel der Lodge ab. Erstes Thema ist natürlich der Leopard, den heute morgen wohl niemand im Camp überhört hat, denn das Mitarbeiter-Lager ist nur rund fünfzig Meter von unserem Schlafplatz entfernt. 

Die Morgenluft ist noch kühl und wir wickeln uns fest in die bereitgelegten, flauschigen Fleece-Decken. Auch die Pukus scheinen noch müde, ohne große Aufregung in den Herden können wir bei ihnen halten und sie beobachten.  Von Richard erfahren wir, dass sie – ähnlich wie Kühe – zu den Wiederkäuern zählen, womit sieh auch sehr effiziente Nahrungsverwerter sind. 

Der junge Guide entdeckt und benennt allerlei Vögel für uns, darunter auch den Brown Snake Eagle und der Bronze-winged Courser aus der Kiebitz-Familie, den wir noch nicht kannten. Ein ganzer Schwarm von mindestens zehn Grey Hornbills fliegt auf einen Baum, eine der insgesamt fünf Hornschnabel-Arten, die im Kafue heimisch sind. Später sehen wir auch noch die riesigen Ground Hornbills, die Trumpeter- sowie die Yellow-billed und Red-billed Hornbills. 

Wir müssen herzlich lachen über die Liedzeilen der beiden Guides zum unverwechselbaren Ruf der hübschen Ring-necked Dove. In der Früh singen die Einheimischen im Takt des Vogelrufs: „Work harder, work harder!“ Hingegen ändert sich die Liedzeile nach vier Uhr Nachmittag auf: „Drink Lager, Drink Lager!“ Funktioniert auch mit dem Ringeltauben-Ruf bei uns zu Hause!

Jericho verrät uns dann auch noch ein Kochgeheimnis für Perlhühner, die ja bekanntlich ein eher zähes Fleisch haben sollen. Mit ernster Miene erklärt er, man möge einen Kieselstein mit circa zwei Zentimeter Durchmesser mit ins Kochwasser geben (angedeutet mit zu einem kleinen Kreis geformten Zeigefinger und Daumen). Sobald der Stein weich ist, wäre wohl auch das Vogelfleisch zart genug zum Verzehr. So ganz nehmen wir ihm diesen Kochtipp dann doch nicht ab, zu schelmisch ist dann auch sein nachfolgendes Grinsen! 

Wir kurven weiter durch das hohe Gras, treffen auf Bachelor-Herden von Impalas und einen prächtigen Defassa-Wasserbock, der die kreisrunde weiße Markierung um das Hinterteil trägt.  

Für die Guides ist es um diese Jahreszeit ein schwieriger Job. Engagiert checken sie gemeinsam mit uns im Wald die Bäume und Büsche. Acht Augen versuchen Tiere zu finden, die sich im hohen Gras und dichten Buschwerk vorzüglich verstecken können. Als es wärmer wird, steuern die beiden den Landcruiser für die Tee/Kaffeepause auf einen offeneren Dambo, in dessen Mitte im sumpfigen Bereich zwei „Wattled Cranes“ herumstolzieren. Diese prächtigen Vögel bleiben als Paar lebenslang zusammen. 

Am Abend gönnen wir uns ein Dinner in der Lodge. Liebevoll hat die Crew den Tisch an der Feuerstelle platziert und dekoriert, der Platz wird ringsum mit Fackeln beleuchtet, und wir haben Blick hinunter zum flachen Flussufer. Wir genießen dieses romantische, fast schon kitschige Setting. Der Koch hat sich mächtig ins Zeug gelegt und einen Vegetable Tower als Vorspeise sowie herrlichen Fisch als Hauptspeise gebastelt. Während wir unsere Tilapia-Filets schon perfekt zubereitet auf dem Teller haben, springen die Krokodile am nahen Ufer noch herum auf der Jagd nach einer Kafue-Brasse im Ganzen.

Am Nachmittag des nächsten Tages versorgt uns Andy mit Kaffee und extra für uns laktosefrei gebackenem Kuchen, sowie allerlei Geschichten aus seiner Zeit als Walking Guide. Danach gehen wir an Bord des kleinen, zweistöckigen Bootes und schauen begeistert  gleich drei Arten von Eisvögeln – Pied, Giant und Malachite – beim Fischfang zu. Sie zeigen uns ihre unterschiedlichen Techniken, die alle zum Erfolg führen. Während wir gemütlich flussabwärts dahingleiten, finden sich in der Krone eines Baumriesen drei Seeadler ein, ein seltener und entsprechend kurzer Anblick ist dann der scheue „African Finfoot“, der sich – lustig den roten Schnabel und langen Hals nach vorne bewegend – beeilt, unter dem knorrigen Wurzelwerk der Uferbäume in Deckung zu gehen. Daneben am Ufer ein paar Krokodile und ein schön gezeichneter Nilwaran.

Wie immer genießen wir den Anblick der unterschiedlichen Baumarten am Ufer eines afrikanischen Flusses in Verbindung mit der vielfältigen Fauna, während wir ruhig – flussabwärts oft ohne Motor – dahintreiben. Afrika-Feeling pur!

Später am Lagerfeuer heult ein Hyänenrudel hinter den Büschen, sie lassen uns aber in Ruhe und die Rufe werden leiser. Ich schreibe weiter an unserem Blog und wir packen noch etwas zusammen, da wir morgen ja schon recht früh unsere Zelte abbrechen und weiterreisen wollen. Der Abschied ist herzlich, und wir bedanken uns nochmal ausgiebig bei Andy für die Gastfreundschaft während unserer erholsamen Steh-Tage. Er sprüht vor Begeisterung für den Busch und gibt uns zum Abschied noch Tipps zu praktischen Tier- und Pflanzenbestimmungs-Apps, die wir uns auch gleich auf unsere iPhones herunterladen. Wir hoffen auf ein Wiedersehen bei einer zukünftigen Reise, eventuell dann auch für eine Walking Safaris.

Abschließend rät Andy uns auch sehr dazu, die gleiche Route zurück zur Hauptstraße zu nehmen, die andere Strecke nach Mumbwa sei wegen einer „chinesischen“ Mine voll mit Lastwagen und sehr staubig. Im Wald gäbe es ohnehin mehr zu sehen. Dem Rat folgen wir nur zu gerne und düsen fröhlich los. 

Nach der Kleinstadt Mumbwa suchen wir mit Hilfe der Karte auf unserem Navi die offizielle Zufahrt zum „Blue Lagoon“-Nationalpark. Es dauert ein wenig, und wir lassen ein paar der Stichstraßen links liegen. Dann kommt endlich das offizielle Hinweisschild, die Strecke ist auch offensichtlich gerade in Reparatur, einmal müssen wir sogar eine Umfahrung durch den Fluss nehmen, wobei die extrem steile Auffahrtsrampe auf der anderen Seite für normale Autos auf keinen Fall zu bewältigen wäre, Martin geht sicherheitshalber in den 4*4-Modus, um mit nassen Reifen auf der steilen Ausfahrt bessere Traktion zu haben. Auf der weiteren Strecke bekommen wir einen ordentlichen Schreck. Ein Lastwagenfahrer kommt mit vollem Speed auf der falschen Seite auf uns zugeschossen. Martin macht eine abrupte Vollbremsung, fährt ganz an den Rand der Staubstraße und hupt energisch. Im letzten Moment zieht der Wahnsinnige (er muss wohl eingeschlafen sein) seinen Sattelschlepper hinüber und rast nur um Haaresbreite an Luna vorbei. Die aufgewirbelten Steine prasseln an ihrer Seite hoch. Ich halte den Atem an und die Hände vor die Augen. „Das war arschknapp!!!“ 

Langsam erholen wir uns von der Schrecksekunde, die Dörfer mit beeindruckend neuen Sport-Komplexen lenken unsere Aufmerksamkeit auf Erfreulicheres. Da finden sich moderne Fußballfelder, die sogar mit Flutlichtanlage und schönen Mannschaftskabinen ausgestattet sind, nur die Zuschauertribünen sind noch ausbaufähig, sie bestehen derzeit noch aus einer Reihe von Gartenbänken. 

Die Trasse zieht schnurgerade vorbei an Mais- und Sonnenblumenfeldern und sumpfigen Ebenen. Trotzdem fahren wir vermehrt Schlangenlinie, seitlich und gefühlt auch auf und ab, wegen der vielen erosionsbedingten Wellen. In der Regenzeit muss das hier eine regelrechte Rutschpartie sein. 

Das Gate in den „Blue Lagoon“-Nationalpark, wie es in unserem Navi vermerkt ist, finden wir zwar nicht, aber wir sind auf dem richtigen Weg, es gibt nur eine einzige, lange Stichstraße in den Park hinein. Auf halber Strecke stoßen wir auf die verlassene Nakeenda Lodge. Der leicht gemähte Bereich dort deutet irgendwie auf zeitweise Betreuung hin. Ermutigt schaukeln wir weiter, hinaus aus dem bisherigen Waldgürtel auf den (auch in unserem Reiseführer beschrieben) rund sieben Kilometer langen Damm zur Beobachtungsplattform. In der Regenzeit sind die Flächen daneben noch mehr mit Wasser gefüllt, aktuell tut sich eine schier endlose, sumpfige Grasebene rund um uns auf. Nur der Damm ist teils von Büschen und Bäumen gesäumt. Klar, dass hier viele Vögel wohnen. Um uns flattert und zwitschert es, und ein Schwarm riesiger, 10-15 cm langer Heuschrecken stobt in einer Wolke vor uns auf und davon. Auch große Nilwarane mögen den Damm offenbar, einer ist fast nicht dazu zu bewegen, vor Luna aus der Fahrspur zu kriechen. Das Ende des langen Damms markiert eine große Plattform, die in hervorragenden Zustand ist. Sie verfügt über Tische und Bänken im unteren, gepflasterten Bereich und Schatten im Oberdeck, das man über eine solide Metalltreppe erklimmt. Von dort haben wir einen grandiosen 360-Grad Ausblick über die endlose Sumpfgrasebene, die je nach verbliebenem Wasserstand in sämtlichen Grün-Schattierungen strahlt. Die Entscheidung ist klar, hier wollen wir die letzte Buschnacht auf dieser Reise verbringen. 

Ich mache uns schon bald nach der Ankunft an der Plattform aus dem restlichen Gemüse ein herrliches Curry, und den Reis putzen wir auch noch weg. Damit brauche ich am Abend nicht mehr zu kochen. 

Es gibt auffallend viele Kuckucke, Gabelracken, weiße und graue Reiher und verschiedene Raubvögel, die ihre Kreise um die erhöht angelegte Plattform ziehen. 

Spät am Nachmittag, ganz weit in der Ferne, zähle ich dann noch rund 40 Lechwe-Antilopen. Es sind also doch ein paar bereits angekommen, angeblich sollen hier im Juni große Herden davon anzutreffen sein. 

Der Sonnenuntergang hat heute einen etwas sentimentalen Beigeschmack, da er ja unser letzter im Busch auf dieser Reise ist. Aber wir trösten uns damit, dass wir ja bereits in zwei Monaten wiederkommen werden. Am Lagerfeuer gönnen wir uns als kleinen Snack noch den Parmesan und ein paar Oliven, die seit Livingstone mit uns mitgefahren sind. Parmesan lassen wir keinesfalls verkommen, denn es ist sehr schwer, in den hiesigen Supermärkten ein Stück des köstlichen italienischen Käses zu ergattern. Dieser Meinung scheint auch eine kleine Maus zu sein, die einige Male unter der Bank, auf der wir sitzen, hervorsaust. Vielleicht angelockt vom verführerischen Duft der italienischen Spezialität? Oder angetrieben von der Hoffnung, dass wir ein paar Krümel fallen lassen? Das passiert natürlich, und so hat auch die Maus eine seltene kulinarische Erfahrung (und lässt hoffentlich Kabel und Leitungen in Lunas Motorraum in Frieden, Katze haben wir ja heute keine dabei). Das Feuer wärmt unsere Schenkel in der frischer werdenden Nacht. Um uns wechseln die Geräusche, wir lauschen den Stimmen der Vögel, Frösche und Insekten. Auch wenn es keine leichte Anfahrt war, es hat gelohnt, hier herauszukommen an diesen wahrlich abgeschiedenen Ort, auf diese kleine Insel im Nirgendwo. Wir lieben es, die Natur noch einmal so richtig zu spüren, bevor es in das Chaos der Millionenstadt Lusaka geht. 

Tipps zum Nord-Kafue (Stand Mai 2026):

Roy‘s Camp: Liebevoll angelegter Campsite nahe der Hook Bridge mit sehr freundlichen Caretakern. Kostet zwar 600 Kwacha (pppn), dafür steht man direkt am Fluss hat eine warme Dusche und Feuerholz und kann außerhalb des Parks gute Game Drives machen, womit man sich die Parkgebühr spart. Kein Strom.

McBride´s Camp: Hervorragende vier Stellflächen für Camper, mit allen Annehmlichkeiten außer Stromanschluss fürs Auto. Die Lodge bietet auch rustikale Chalets. Die Guides sind super, es ist neben den Game Drives und Bootstouren auch geplant, bald Walking Safaris ins Angebot zu nehmen. Zur Campingfee von 20USD kommen noch 10 USD bed levy (pppn), Conservation fees und die Parkgebühren für Mensch und Auto. Wer am gleichen Tag schon im Süd-Kafue oder Nord-Kafue gezahlt hat, braucht für diesen Tag die Parkgebühr natürlich nicht nochmal zu zahlen. Alle Aktivitäten kosten USD 30 pp. 

Blue Lagoon NP: Große Aussichtsplattform am Ende einer abenteuerlichen Zufahrt über den rund sieben Kilometer langen Damm. Lohnend für Vogelfreunde und alle, die einsame Buschnächte zu schätzen wissen. 



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