Gorongosa Nationalpark


An der letzten möglichen Tankstelle in Simbabwe tanken wir Luna trotz der hohen Benzinpreise im Land (USD 1,95/Liter) noch einmal voll, da wir nicht sicher sein können, dass wir in Mosambik Benzin bekommen. 211 Liter wandern in unsere Tanks, der Tankwart ist der glücklichste Mensch in Mutare, und wir sind uns relativ sicher, dass er trotz der frühen Uhrzeit nach uns zusperrt und mit seiner Mannschaft feiern geht.

Wir biegen in die Straße zur Grenze ein uns trauen unseren Augen nicht. Eine mehr als drei Kilometer lange Schlange mit LKWs stellt sich für die Grenzabfertigung an. Gott sei Dank darf man als PKW überholen und wird getrennt abgefertigt. Es geht dann relativ rasch, Simbabwe ist problemlos, und in Mosambik nehmen wir das Service eines Versicherungsagenten in Anspruch, der uns durch den Prozess begleitet. Die Pässe mit unseren bereits in Österreich vom Honorarkonsul ausgestellten Visa und das Carnet für Luna gehen relativ schnell. Als Besonderheit muss man hier die erste Reservierung in Mosambik auf einem offiziellen Schreiben des Hotels oder des Camps vorweisen. Wir haben uns das rechtzeitig vom Chitengo Camp im Gorongosa Nationalpark besorgt, kurzfristig hätten wir auch ein paar Campsites nahe der Grenze gefunden, die sich darauf spezialisiert haben, diese Schreiben auszustellen. Nach dem Stempeln des Carnets übernimmt unser Agent das Anstellen bei der Polizei und für die Road Tax (10 USD), die auch gleich für die nächsten Mautstationen gültig ist. Da er die Leute dort alle kennt, gibt es auch hier keine Probleme, wir ersparen uns sogar die sonst übliche Inspektion der Kabine. Die Versicherung macht er selbst, wir zahlen 50 USD dafür, das Wechseln von EUR in Meticais am Schwarzmarkt vor der Grenze hätte ich mir sparen können, aber wir bekommen einigermaßen gute Wechselkurse und können die lokale Währung ja später noch gut gebrauchen.

Nach knapp 90 Minuten geht es voller Freude in das Abenteuer Mosambik, unser neuntes Land mit Luna. Vorbei an einer ähnlich langen Kolonne wartender LKW fahren wir auf recht guten, bei Steigungen oft sogar zweispurigen Straßen in Richtung Gorongosa Nationalpark. Der Verkehr hier unterscheidet sich nicht von anderen afrikanischen Ländern, neben den vielen Lastwagen gibt es die üblichen überladenen Transport-Motorräder, deren Fahrer statt Helm lieber Pudelhaube tragen. Den Helm – falls vorhanden – bekommt der Fahrgast, wenn es die oft kunstvollen Flecht-Frisuren erlauben, einen solchen zu tragen. Auch im Shoprite in Chimoio, der ersten größeren Stadt auf unserer Route, ist die Auswahl groß, Eva bekommt sogar die lang vergeblich gesuchte Sojasauce. Den portugiesischen Einfluss merken wir vor allem an der reichen Auswahl verschiedener Olivenöle und akzeptablen Broten. Nur Frischfleisch war an diesem Tag offensichtlich nicht im Angebot, da sämtliche Kühltruhen der Fleischabteilung vollkommen leer waren, mit Ausnahme von einer mit ein paar gefrorenen Hühnerteilen, wo wir dann notgedrungen auch zugreifen.

25km vor der Einfahrt nach Gorongosa kommen dann doch die ersten ernstzunehmenden Schlaglöcher auf der berüchtigten EN1, die das Ausweichen auf das Seitenbankett erzwingen. 
Ab der Einfahrt zum Gate des Nationalparks empfängt uns schließlich Wellblech von der übelsten Sorte. Ich will Luna nicht quälen und schaukele uns mit maximal 20km/h dahin. Dafür eskortieren uns schon Schwärme an Tsetse-Fliegen, die auch in Scharen auf Lunas Motorhaube Platz nehmen, um sich das anstrengende Fliegen zu ersparen. Angesichts der stechfreudigen Biester begraben wir sofort unser ursprüngliches Vorhaben, hier mit Mountainbikes eine Runde zu drehen. 

Im zentral gelegenen Chitengo Camp angekommen, richten wir uns auf einem echten Luxus-Campsite ein. Etwas entfernt von der Lodge (und natürlich vor dem Zaun) erwartet und eine vollkommen neuer Küchen- und Sanitärblock mit acht abschließbaren Badezimmern! So lässt es sich leben! Ab dem zweiten Tag bekommen wir noch sehr nette Gesellschaft einer deutschen LKW-Crew und der Bushbaby-Crew aus der Schweiz (www.bushbaby.info) – nette Abende am Lagerfeuer runden die Wohlfühl-Atmosphäre ab! 

Gorongosa (www.gorongosa.org) ist nicht nur „ein weiterer afrikanischer Park“, sondern ein echtes Vorzeigeprojekt für Renaturierung. Vor dem Bürgerkrieg (1977-1992) galt Gorongosa als eines der wildreichsten Gebiete Afrikas. Während des Bürgerkriegs brachen die Wildtierbestände jedoch massiv ein – durch Jagd, Wilderei und die Zerstörung der Parkinfrastruktur. Die großen Säugetierbestände gingen um mehr als 90 % zurück. Besonders Elefanten, Flusspferde, Büffel, Zebras und Gnus wurden dezimiert.  Ab 2004 begann ein systematisches Restaurierungsprogramm, das maßgeblich von internationalen Geldern aus Canada, Europa und den USA, vor allem jedoch durch die Carr Foundation (www.thecarrfoundation.org) unterstützt wurde. Seitdem haben sich die Bestände spektakulär erholt. Das Gorongosa-Projekt meldet inzwischen mehr als 100.000 große Tiere, gegenüber weniger als 10.000 zu Beginn des Wiederaufbaus. 

Der Renaturierungs-Prozess wird durch ein am Gelände der zentralen Lodge angesiedeltes Research-Center wissenschaftlich dokumentiert. Die Entwicklung der Biodiversität im Park wird hier akribisch dokumentiert und in einer Datenbank festgehalten. Da der Park vollkommen neu besiedelt wurde, ist die Arbeit auch für die internationale Biodiversitäts-Forschung außerordentlich bedeutend. Man geht heute von über 75.000 Arten im Park aus, bereits mehr als 8.000 konnten wissenschaftlich dokumentiert werden, davon 100 neue und 750 auf der roten Liste stehende Arten. Wir sind bei einem Besuch im Research-Center begeistert von der Arbeit, die hier – mitten im unwirtlichen Busch – geleistet wird. Die Bandbreite der verwendeten Techniken reicht von einfachen Methoden (z.B.: Pflanzen in Zeitungspapier trocknen) bis hin zu modernen Gen-Sequenzierungen. Die gefundenen Arten werden professionell in einer Datenbank dokumentiert – wir dürfen einen Blick in die Rubriken „Fledermäuse“ und „Gekkos“ werfen. Alleine 60 Fledermausarten wurden in dem 4.000km2 großen Park bereits dokumentiert – beginnend bei ihrer DNA, bis hin zu Fotos der Tiere aus verschiedenen Perspektiven, die mit eigenen Hochgeschwindigkeits-Kameras aufgenommen werden. In ganz Europa gibt es lediglich 50 Fledermaus-Arten. Die Arbeit wird durch zahlreiche Universitäten unterstützt, die immer wieder Studenten ins Labor entsenden und ihnen das benötigte wissenschaftliche Equipment mitgeben, das dann in vielen Fällen ans Research-Center gespendet wird. Den Wert der gekauften und gespendeten Gerätschaften schätzt der stellvertretende Direktor des Labors, der uns durch die Räumlichkeiten führt, auf circa 2 Mio. EUR. Stolz berichtet der ehemalige Forschungs-Student und mittlerweile Oxford Ph.D., dass bereits 48 Masters auch hier im Labor studiert und gearbeitet haben.

Die Betreiber des Parks investieren nicht nur in den Betrieb des Labors, Wildtiere und Ranger, sondern unterstützen auch die umliegenden Gebiete in einer 6.000kmgroßen „Sustainable Development Zone“ mit Schwerpunkt Landwirtschaft, Gesundheitsversorgung und Schulwesen. Insgesamt gibt der Park rund 1.300 Menschen eine geregelte Arbeit. Der spannendste Job aus meiner Sicht ist jener des „Apron Managers“ für das kleine Flugfeld neben dem Camp, das man vom Restaurant aus sehen kann. Wenn sich ein Flugzeug ankündigt, schwingt sich der Bursch auf seine Enduro und verjagt die zahlreichen Warzenschweine von der Piste! Gespannt wäre ich, wie er mit Löwen umgeht, die wir immer wieder rund um das Flugfeld hören. Ob sich der König der Tiere auch so leicht vertreiben lässt wie die Schweinderln? Oder wird die Enduro dann eher zum Fluchtfahrzeug?

Da man im Park nicht selbst fahren darf, genießen wir zwei Gamedrives mit der Lodge. Die Guides zeigen uns verschiedene Ökosysteme des Parks, besonders beeindruckend sind die weiten Gras- und Überflutungsebenen mit unzähligen Wasserböcken, die uns hier mit ihrem flauschigen Halsfell schon fast an ein südamerikanischen Vicunja erinnern! 60.000 dieser Tiere gibt es hier inzwischen. Wasserbock-Herden dieser Größe sind uns noch nirgendwo sonst begegnet. Zusammen mit einer großen Zahl an Nyalas, Impalas, Gnus und Kudus also genug Futter für große Prädatoren (allen voran Löwen und Wildhunde), die hier auch systematisch angesiedelt wurden. Aufgrund der reichen Beuteauswahl bilden sich hier – im Unterschied zu anderen Parks – jedoch kaum größere Löwenrudel, denn auch einzelne Tiere schaffen es hier leicht, Beute zu schlagen. Wir sehen eine Gruppe von zwei jungen Männchen und einer Löwin nur deshalb, weil gerade Paarungs-Saison ist.

Schwer zu finden waren Elefanten. Als wir schließlich doch im Wald auf eine kleine Herde stoßen, merken wir sofort den Respekt des Guides, der weit mehr als 200 Meter Abstand hält. Trotz der großen Distanz merkt man die Nervosität der Dickhäuter, die uns mit aufgestellten Rüsseln wittern. Die Gruppe drängt sich zusammen, die großen Kühe sichern in unsere Richtung mit weit abgespreizten Ohren und erhobenem Kopf, bis sie schließlich davontrotten. Offensichtlich hat sich die jahrelange Verfolgung im sprichwörtlichen Elefantengedächtnis eingebrannt, und ein Auto mit Menschen-Geruch bedeutet noch immer Gefahr. Wir hören, dass am nächsten Tag ein Gamedriver von einer wütenden Elefanten-Herde ziemlich aufgemischt und bedroht wurde, als er ihr zu nahe kam….

Bis auf den einen oder anderen aggressiven Pavian (einer stiehl uns das Brot buchstäblich vom Teller!) haben wir es in unserem Camp ruhig und genießen auch die Gesellschaft der beiden anderen Overlander, vor allem beim Austausch von Reisegeschichten am abendlichen Lagerfeuer. Während sich die LKW-Crew dann weiter Richtung Malawi bewegen wird, freuen wir uns sehr, dass wir Manfred und Maya mit ihrem Bushbaby in zwei Tagen am indischen Ozean wiedersehen werden!

Tipps für Gorongosa (Stand August 2026):

Die Zufahrt ist in schrecklichem Zustand! 28km fürchterliches Wellblech durch Tsetse-verseuchtes Gebiet. Also Geduld mitbringen und mindestens eine Stunde einplanen. Und vorher aufs Klo gehen, denn ein Aussteigen mit all den blutsaugenden Biestern kann bitter werden!

Der Campsite in Chitengo ist überwältigend! Mehr Luxus geht nicht, hier kann man auch herrliche entspannen. Paviane sind allerdings extrem lästig und aggressiv, vor allem dann, wenn der Caretaker mit der Steinschleuder gerade nicht anwesend ist. Im Chitengo Camp selbst gibt es ein recht gutes (aber teures) Restaurant und einen schönen Pool. Camper dürfen die Einrichtungen der Lodge mitbenutzen.

Neben den obligatorischen Gamedrives (wir empfehlen einen am Morgen und einen am Abend) sollte man sich auch Zeit für eine Tour durch das Research Center nehmen. Als Attraktion wird auch der Besuch der Pangolin-Station angepriesen. Das sollte täglich um ca. 10 Uhr stattfinden, wenn die Schuppentiere von der Nahrungssuche zurückkommen und dann 15 Minuten später schlafen gehen. Leider war ein Besuch für uns „not possible“ (ohne weitere Erklärungen), also am besten gleich am ersten Tag versuchen!

Bilder aus dem Gorongosa Research-Center:

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