Nach ein paar genussvollen Tagen am indischen Ozean in Vilanculos wird es wieder Zeit für uns, interessante und für uns neue Nationalparks zu entdecken. Aufgrund von unterschiedlichen Informationen und Routenvorschlägen seitens Google Maps und Tracks4Afrika und mangels Rückmeldung auf meine direkte Anfrage per e-mail und WhatsApp beim Banhine Nationalpark, sind wir etwas unschlüssig, ob wir es dorthin wagen sollen. Schließlich hat es heuer so viel geregnet und wir haben großen Respekt vor Schlamm und Flussdurchquerungen, die nur sehr selten befahren werden. Ich befrage also ein paar Leute an der Rezeption des Bahia Mar, ob sie Berichte von Reisenden haben, die unlängst diese Strecke genommen haben. Zufällig ist gerade eine Italienerin da, die sofort abwinkt: „Banhine is not accessible from here, the river has too much water!“ Wir begraben unsere Pläne für die als Vogelparadies beschriebene Sumpflandschaft und entscheiden, es doch mit dem Zinave Nationalpark zu versuchen, wenigstens gibt es dazu eine einhellige Meinung zur besten Route über den Ort Mabote.
Wir rollen los auf der N1 nach Süden, die sich ab hier in deutlich besserem Zustand präsentiert, auch die Sandpiste bis Mabote ist anfangs noch ganz ok, wandelt sich aber zunehmend in eine Slalom-Schaukelei. Die Zufahrt zum Park ist überall gut ausgeschildert, und so ist es überhaupt kein Problem, die richtigen Abzweigungen in Mabote und den folgenden kleinen Dörfern zu finden. Selbst zwischendurch motivieren Schilder mit der Angabe der noch verbleibenden Kilometer bis zum Tunga Tunga Gate, das wir dennoch erst um rund 17 Uhr erreichen. Wir beraten, ob wir noch reinfahren oder gleich hier campen sollen. Da wir keine Buchung haben, funkt der Mitarbeiter am Gate das am Save-Fluss gelegene Headquarter an. Calvin kommt mit der frohen Botschaft zu uns zurück, dass wir trotz fortgeschrittener Stunde getrost noch reinfahren können, es seien nur mehr 30km und die Leute am nächsten Schranken und im Headquarter erwarteten uns. Wir nehmen die umgerechnet noch mindestens eine Stunde Fahrt auf uns, Lunas helle Laser- Strahler helfen uns, die Unebenheiten und noch schlammigen Löcher trotz der hereinbrechenden Dunkelheit gut zu sehen. Wir passieren noch den Schranken zum Sanctuary, der Kernschutzzone, und beim Headquarter wartet tatsächlich schon ein Mitarbeiter in seinem Gamedriver auf uns. Die Kommunikation klappt hier also reibungslos zwischen den Gates. Er bringt uns zu einem richtig schönen Platz an einer Lagune in der Nähe der Tondo Lodge. Ich frage noch, ob es auch die Möglichkeit für einen Gamedrive gebe und wir vereinbaren die Abholung um 14:30 am nächsten Tag, in der Früh wollen wir selbst eine kleine Runde drehen.
Der Zinave Nationalpark (www. parquezinave.gov.mz) wurde bereits 1973 gegründet und liegt im Nordwesten der Provinz Inhambane, unmittelbar am Save River. Er wird wegen seiner zahlreichen Lagunen auch gerne als „Mana Pools Mosambiks“ bezeichnet. Ursprünglich war das Gebiet außerordentlich wildreich – unter anderem mit großen Populationen von Büffeln, Kudus, Giraffen, Zebras und anderen Großsäugern. Der Bürgerkrieg in Mosambik (1977–1992) hatte jedoch verheerende Auswirkungen, da der Wildbestand durch intensive Wilderei massiv reduziert wurde. Erst ab Ende der 1990er-Jahre begann der Wiederaufbau.
Heute umfasst Zinave rund 4.000km² und ist Teil der größeren „Great Limpopo Transfrontier Conservation Area“, eines riesigen Verbunds von Schutzgebieten, der sich über Mosambik, Südafrika und Simbabwe erstreckt. Tieren aus dem Krüger NP (Südafrika) und dem Gonarezhou NP (Simbabwe) sollen durch „strategische“ Löcher in den Zäunen dieser Parks die Möglichkeit gegeben werden, neue Lebensräume zu erobern. Zahlreiche Tiere (auch Breit- und Spitzmaulnashörner) wurden aktiv aus anderen Parks hierhergebracht.
Seit 2015 arbeiten die mosambikanische Naturschutzbehörde ANAC und die Peace Parks Foundation im Rahmen eines langfristigen Co-Managements am Wiederaufbau des Parks.
Die Peace Parks Foundation (www.peaceparks.org) ist eine Naturschutz-NGO, deren Ansatz darin besteht, großflächige grenzüberschreitende Naturräume aufzubauen, wirtschaftlich tragfähig zu machen und gemeinsam mit den jeweiligen Staaten zu managen. Heute arbeitet die Stiftung nach eigenen Angaben in fünf großen grenzüberschreitenden Landschaften, in zehn wichtigen Schutzgebieten und entlang von sieben Wildtierkorridoren. Sie hat an der Etablierung von zehn grenzüberschreitenden Schutzgebieten in elf afrikanischen Ländern mitgewirkt.
Die Stiftung versucht, Naturschutz nicht ausschließlich von Spenden abhängig zu machen, sondern die langfristige Finanzierung (und damit Erhaltung) eines Nationalparks auf breitere Beine zu stellen und Einnahmen etwa auch aus Spenden, Tourismus und dem Verkauf von Carbon Credits und sog. „Conservation Bonds“, bei denen das investierte Kapital am Finanzmarkt abgesichert wird und die Rendite für den Anleger von Naturschutz-Erfolgen abhängig ist, zu lukrieren.
Seit 2015 finanziert die Stiftung die Sicherung des Parks und das „Rewilding“, also das Zurückbringen der ursprünglich hier beheimateten Tiere in genetisch und demografisch tragfähigen Populationen. Heute kann man (freilich mit sehr viel Glück) im Zinave bereits die Big Five sehen! Die Stiftung verfolgt auch einen „community-based conservation“-Ansatz. In zahlreichen Programmen werden die benachbarten Gemeinden unterstützt, beispielsweise in der Landwirtschaft, der Imkerei oder in der Versorgung mit sauberem Trinkwasser. In Zinave sollen etwa 20% der Parkeinnahmen in diese Programme fließen, außerdem werden ca. 100 Menschen aus den benachbarten Dörfern im Park beschäftigt. Aus unserer Sicht kann Naturschutz in Afrika nur so funktionieren.
Der Wecker läutet um sechs Uhr, der Sonnenaufgang über der Lagune belohnt mein frühes Aufstehen. Leuchtend blinzelt die Sonne hinter den Büschen hervor und lässt den Morgendunst über dem Wasser hell schimmern. Nur die Vögel sind auch schon da, ein Paar Ibisse staksen die Uferlinie entlang und einzelne Gänse beschallen die Umgebung. Ein Reiher steht malerisch und reglos im spiegelglatten Wasser vor mir. Krokodile sehe ich keine, ältere Losungen von verschiedenen Tieren liegen verstreut um uns herum, darunter auch von Elefanten. Zeit für eine gute Tasse heißen Kaffee.
Den morgendlichen Gamedrive nutzen wir dazu, unsere unmittelbare Umgebung etwas zu erkunden. Da der Park für uns neu ist, wissen wir noch nicht so genau, wo es lohnende Pfannen und Rundkurse gibt, so landen wir spontan bei saftig grünen Lagunen, die mitten im dichten Busch entlang der Save auftauchen. Umringt von uralten, knorrigen Bäumen oder den leuchtend gelb-grünen Stämmen der schlanken Fevertrees bezaubern uns diese wunderbaren stille Oasen. Man hört lediglich die Frösche quaken und verschiedene Vögel zwitschern. Eher zufällig verirren wir uns in das lauschig an einer dieser Lagune gelegene Figtree Camp, das für Touristen Mietzelte und nette Aufenthaltsräume bereithält.
Wiewohl es im dichten Wald etwas schwieriger ist, Tiere zu entdecken, gelingt es uns dennoch, Warzenschweine, Impala-Grüppchen und sogar Giraffen zu finden. Letztere zieren auch das Logo des Parks. Für mehr Eindrücke und gezieltere Fahrten warten wir auf den geführten Drive mit Julio am Nachmittag.
Bevor wir zu unserer Campsite-Lagune zurückkehren, machen wir einen Abstecher zur Tondo-Lodge, denn dort dürften wir laut Auskunft von Julio die Sanitärräume nutzen. Wir sind begeistert von den Einrichtungen, die uns Lodgemanagerin Natascha nicht ohne Stolz zeigt. Sie ist selbst erst ein paar Monate da, hat aber schon einige Renovierungen in die Wege geleitet und schildert uns ihre weiterreichenden Pläne für den Ausbau der Infrastruktur für die Camper. Obwohl es „nur“ eine Selbstversorger-Zeltlodge ist, bietet sie neben den Zelten auch einen großen, nach vorne zum Save River offenen, riedgedeckten Gemeinschaftsbereich mit Küche, Bar, mehreren Tischen und eine Feuerstelle. Sämtliches Geschirr, Tassen und Gläser, Kochutensilien und sogar ein sechsflammiger Gasherd sowie Kühltruhen für die Vorräte werden den Gästen zur Verfügung gestellt. Managerin Natascha zeigt uns das Badezimmer, in dem wir eine genüsslich heiße Dusche nehmen können. Da das Camp aktuell nicht belegt ist, entrollen wir auf der breiten halbrunden Beton-Plattform vorne sogleich auch unsere Reiseyogamatte für eine Turneinheit mit malerischem Ausblick über die breiten Sandinseln des Flusses, auf denen sich einige Krokodile zum Sonnenbaden breit gemacht haben. Die kleine Sporteinheit zum Durchbewegen und Strecken aller Muskeln hat gutgetan nach der anstrengenden langen Fahrt am Vortag. Erholt schaukeln wir den sandigen Track an den Zelten entlang. Beim letzten Zelt trauen wir unseren Augen kaum: Da hat sich jemand einen vollwertigen Outdoor-Fitnessraum direkt am Fluss eingerichtet. Unter freiem Himmel stehen hier Trainingsbänke, Kraftmaschinen, Halterungen samt Langhanteln, unterschiedlich schwere Kettle Bells und ganz vorne baumelt noch ein schwarzer Sandsack. „Ein Busch Fitness-Center! Wenn ich das doch vor einer halben Stunde schon gewusst hätte“, rufe ich verblüfft und begeistert zugleich. Was für eine großartige Idee!
Pünktlich und wie vereinbart hören wir das Brummen des Gamedrive-Vehikels und wir machen uns bereit für die Ausfahrt. Über eine Klappstiege steigen wir auf den umgebauten Pickup und nehmen in der ersten Reihe Platz, denn hier können wir uns nicht nur gut festhalten, sondern auch durch das kleine Fenster mit dem jungen Guide in der Fahrerkabine besser kommunizieren. Er gibt uns zunächst ein paar einführende Infos zum Park und zur geplanten Route, dann startet er den Landcruiser. Julio hat gute Augen, und erspäht für uns von sehr weit weg selbst im dichten Gebüsch verschiedene Antilopenarten und Vögel. Wir entdecken durch ihn jetzt auch die Gegenden mit den weiteren Pfannen, in denen er versucht, die ausgewilderten Nashörner zu finden, die sich hier gerne aufhalten, was auch durch große Fußspuren und die für Rhinos typischen Dunghaufen eindrücklich unter Beweis gestellt wird. Die grauen Dickhäuter selbst lassen sich allerdings leider nicht blicken. Dafür sehen wir nochmal wunderschöne Giraffen und Nyalas. Julio bringt uns zu einem beindruckend großen Baobab, an dessen Stamm eine Stiege hinaufführt zu einer hölzernen Plattform. Von hier hat man einen guten Ausblick auf eine Wasserstelle unweit der ehemaligen Boma, die noch vor einigen Jahren für die Wiederansiedlung von mittlerweile 47 Spitz- und Breitmaulnashörnern verwendet wurde. Die Boma ist nicht mehr zu sehen, aber das Research Team und auch die Touristen benutzen die Aussichtsplattform noch gerne. Ein zweites Auto mit einem jungen Pärchen taucht auf und gesellt sich zu uns. Die glänzend graue Rinde des mächtigen Baumes mutet an wie eine Kletterwand mit ihren zahlreichen Mulden und Verdickungen. Der junge Gast streift seine Schuhe und Socken ab und beginnt emporzukraxeln. So findet jeder seine Sporteinheiten mitten im Busch! Wir winken Spiderman und seiner Freundin zum Abschied zu und klettern (über die Treppe) wieder in den Cruiser. Es wird Zeit für einen schönen Sonnenuntergang, dafür verspricht und Julio einen besonders schönen Platz an der Zinave-Lagune. Es ist traumhaft schön. Weit draußen auf der mit dunklem „black cotton“ bedeckten Ebene, in deren Mitte die Lagune liegt, halten wir. Gänse, Reiher, Ibisse, und andere Vögel bevölkern die Ufer. Ein Fish-Eagle Paar fliegt über uns hinweg in seinen Horst. Die Sonne verschwindet zwar hinter ein paar Wolken, einige Strahlenbündel brechen dennoch hindurch und bringen meine geliebten Fieberbäume zum Leuchten. Bis zum Camp ist es nur mehr ein Katzensprung, und im Scheinwerferlicht erspäht Julio tatsächlich noch eine flinke Ginsterkatze für uns.
Insgesamt hat uns Zinave mit seiner landschaftlichen Schönheit und ursprünglichen Wildnis begeistert. Natürlich muss hier noch viel Arbeit in den Aufbau hineinfließen, aber der Park bietet mit den vielseitigen Habitaten einen grandiosen Lebensraum für Wildtiere. Für uns war der Park jedenfalls einen Besuch wert!
Tipps für den Zinave Nationalpark (Stand August 2026):
Camping im Nationalpark: Für Camper mit eigener Ausrüstung verfügt der Park über mehrere Buschcampsites ohne jegliche Einrichtungen, wobei die Sanitäranlagen mit Heißwasser der Tondo Lodge mitbenutzt werden dürfen. Für Selfcatering-Gäste ohne eignes Zelt gibt es derzeit die Tondo Lodge und das Fig Tree Camp. Beide haben Mietzelte (Kuppelzelte und auch große viereckige Tents).
Laut Campmanagerin Natascha wird bereits an der Erweiterung der Infrastruktur für Camper gearbeitet.
Anfahrt: Wir haben von Leuten im Park gehört, dass es noch eine bessere Anfahrt von Vilanculos zum Zinave gibt als über Mabote. Man könne dadurch sicher eine Stunde Fahrzeit sparen. Infos gibt es sicher über WhatsApp bei „Zinave Bookings“: +258 87 611 4597 oder per e-mail unter turismo@parquezinave.gov.mz.























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