Great Zimbabwe


Nach einer ruhigen Nacht am Lake Mutirikwi genießen wir auch den Morgen auf dem herrlich grünen Campsite der Romelda Lodge direkt am See. Wir frühstücken gemütlich, erfreuen uns an einer ausgiebigen heißen Dusche, dann packen wir ein und machen uns am Vormittag ohne Eile auf den Weg. Auf dem „Lake View Drive“ fahren wir zwischen Wasser und pittoresken Felsen entlang des etwa 90km2 großen Stausees und überqueren die 63 Meter hohe und über 300 Meter breite Staumauer. Obwohl der See ab 1960 vor allem für den Bewässerungsbedarf der umliegenden Zuckerrohr-Farmen gebaut wurde, scheint hier auch ein wenig Strom produziert zu werden. Viel kann es nicht sein, denn der Wasserschwall aus dem Turbinenhaus mutet eher bescheiden an.

Auf dieser malerischen und wenig befahrenen Panoramaroute, die immer wieder zauberhafte Ausblicke auf den Stausee mit seinen Felsinseln und Buchten bietet, ist unser heutiges Ziel „Great Zimbabwe“ schnell erreicht. Wir waren das letzte Mal vor circa 10 Jahren hier, das große Besucherzentrum am Eingang ist nach wie vor in Bau, und so lösen wir unsere Tickets für die Anlage bei einer kleinen Hütte und haben ein wenig Mühe, die „Rezeption“ für den Campsite zu finden. „I saw you and thought you are lost, but will come back“ flötet uns die beflissene Camp-Managerin im knallroten, vielleicht um einen Tick zu engen Kleid (und passendem Lippenstift) entgegen, als wir genau zu jenem Baum fahren, unter dem wir schon bei unserem ersten Besuch gecampt haben. Die „Chalets“ sind nach wie vor dem schleichenden Verfall preisgegeben, auch die angekündigte Sanierung der Sanitäranlagen des Campsites ist nicht erkennbar gestartet worden. Wir dürfen auch diesmal wieder die noch funktionierenden Sanitärräumen bei den Chalets mitbenutzen. Dafür gibt jetzt auch der Plug Point am Baum keinen Strom mehr…. Aber macht nichts, wir sind ja autark und stellen Luna daher auf der riesigen Grasfläche in die pralle Sonne, damit die Solarpaneele ordentlich arbeiten. Außer uns ist hier weit und breit kein Gast. Dabei ist der Platz groß, mit zahlreichen Feuerplätzen und Picknickstellen. 

Unverändert präsentieren sich auch die archäologischen Stätten. Kein Wunder, wenn man 600-1000 Jahre übersteht, dann sind die 10 Jahre seit unserem letzten Besuch nicht der Rede wert!

Great Zimbabwe (in Shona üblicherweise als „Haus aus Stein“ bzw. „Steinhäuser“ interpretiert).ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Afrikas und wahrscheinlich der wichtigste historische Ort in Simbabwe. Die Ruinen gehören seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vom 11. bis etwa zur Mitte des 15. Jahrhunderts war die Stadt das Zentrum eines mächtigen Shona-Staates im südlichen Afrika. Die Anlage erstreckt sich über rund 800 Hektar, auf denen große steinerne und mit Lehm errichtete Wohn- und Repräsentationsbereiche errichtet wurden. 

Im 14. Jahrhundert war Great Zimbabwe vermutlich die Hauptstadt eines Staates, der große Teile des heutigen Südost-Simbabwe kontrollierte. Die Bevölkerung wird für die Blütezeit auf mehr als 10.000 Menschen geschätzt.  

Die Ruinen bestehen aus verschiedenen Komplexen, von denen wir die beiden wichtigsten eingehender besichtigen:  

Der auf einem Granithügel gelegene „Hill Complex“ ist wahrscheinlich der älteste und war – so wird vermutet – das politische und religiöse Zentrum. Von unten zwischen den Felsen kaum auszumachen, erstrecken sich die gebogenen Gemäuer doch über den gesamten Hügel. Verschiedene Bereiche sind über enge, teilweise überdachte Durchgängen verbunden. Wir fühlen uns wie kleine Forscher, die sich über steile Stufen, durch niedere Tore und zwischen den mächtigen Granit-Trockenmauern hindurchzwängen und voller Neugierde um die Kurven und in jede Ecke linsen und auf Mauern klettern, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Die Baumeister hatten die Gebäude geschickt in die vorhandenen Felsen eingepasst. Die Wissenschaft vermutet, dass der Hill Complex als Herrscher-Residez diente. Die These, dass es sich auch um ein religiöses Zentrum handelt, wird hingegen gestützt durch den Fund von sechs Vogel-Skulpturen aus Speckstein („Zimbabwe Birds“), die häufig mit religiöser Symbolik in Verbindung gebracht werden.

Von oben haben wir auch einen perfekten Rundblick und sehen hinab auf den zweiten Bereich, den wir näher besichtigen wollen: die „Great Enclosure“, das wohl spektakulärste Bauwerk der Anlage. Die riesige, elliptische Steinmauer aus sorgfältig behauenen Granitblöcken stammt überwiegend aus dem 14. Jahrhundert. Besonders beeindruckend ist der Conical Tower, ein hoher, massiver kegelförmiger Steinturm, dessen Funktion für uns völlig rätselhaft ist. Innerhalb der Great Enclosure befanden sich Lehmhütten und Wohnbereiche, es handelte sich also nicht einfach um eine „Festung“, sondern um einen komplexen sozialen und möglicherweise zeremoniellen Raum. Die mehrere Meter hohen und über lange Strecken bemerkenswert stabilen und perfekt abgerundeten Mauern wurden ohne Mörtel errichtet. 

Die Konstruktion ist damit eines der herausragenden Beispiele afrikanischer Steinarchitektur und für uns ein Beweis, wie hoch entwickelt auch Kulturen im südlichen Afrika bereits zu Beginn des letzten Jahrtausends waren. Während der Kolonialzeit wurde genau diese Tatsache teilweise bestritten, europäische Forscher konnten sich lange Zeit nicht vorstellen, dass eine derart monumentale Steinarchitektur von afrikanischen Gesellschaften errichtet worden war. Die Kolonialherren konnten (und wollten) sich wohl nicht eingestehen, dass in den angeeigneten Gebieten schon lange vor der Kolonialisierung eine echte Hochkultur blühte. Es entstanden deshalb absurde Theorien über Phönizier, Araber oder sogar die Königin von Saba. Heute bezeichnet die UNESCO die Stätte als Zeugnis einer hoch-entwickelten Shona-Kultur des 11.-14. Jahrhunderts.

Wir meinen, dass dieser Platz für Menschen aus dem südlichen Afrika extrem wichtig sein muss und auch positiv auf das eigene Selbstbewusstsein wirken sollte. Es wandern auch zahlreiche afrikanische Besucher durch die Anlage. Neben den imposanten Bauten sind sie auch sehr angetan von den beiden weißen Besuchern, die hier herumstreunen. Immer wieder werden wir um Selfies gebeten – von jungen schwarzen Schönheiten genauso wie von zartes Zwiebelaroma verströmenden älteren Damen in traditionellen Gewändern.  Und weil sie alle so lieb fragen, posieren wir gerne mit Ihnen vor und auf den historischen Mauern. Vermutlich findet man uns seither in so manchem Facebook- oder Insta-Posting! 

Great Zimbabwe war – obwohl es nicht am Meer liegt – ein Handelszentrum, das gut in ein weitreichendes Handelsnetz des Indischen Ozeans eingebunden war. Chinesisches Porzellan wurde hier genauso gefunden wie persische Keramik oder arabische Münzen. Der wichtigste Exportartikel war Gold, das im Gebiet südlich und westlich der Stadt geschürft wurde. 

Um etwa 1450 verlor Great Zimbabwe seine Bedeutung und wurde als Hauptstadt aufgegeben. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, wahrscheinlich aber konnte das unmittelbare Umland die 10.000 Einwohner nicht mehr ausreichend mit Nahrung und Brennholz versorgen. 

Die politische Symbolik von Great Zimbabwe ist auch heute noch enorm. Als das Land 1980 unabhängig wurde, entschied man sich bewusst für den Namen „Zimbabwe“ – nach der historischen Stadt, Die nationale Identität Simbabwes wurzelt also in dieser archäologischen Stätte, nicht zuletzt schmücken „Zimbabwe Birds“ auch die Nationalflagge und zahlreiche offizielle Embleme des Landes.

Fast drei Stunden erkunden wir die Anlage, bis wir über einen Schleichweg durch den Busch wieder direkt zurück auf unseren Campsite wandern. Da hier, wie schon erwähnt, alle Einrichtungen in kaum besserem Zustand als die historische Anlage selbst sind, dürfen wie das von Affen belagerte Duschhäuschen der sogenannten „Chalets“ benutzen. Das Warmwasser funktioniert bestens, mehr brauchen wir nicht. Rundherum wird es mucksmäuschenstill und dunkel, nachdem die letzten Autos und Busse vom Besucherparkplatz abgefahren sind. Beim abendlichen Braai blicken wir hinüber auf den vom Mondlicht angestrahlten Gipfel des Hill-Complex. Wir lassen nochmals unseren Besuch in dieser großartigen archäologischen Stätte Revue passieren und spüren den Hauch der Geschichte, der von den kaum 200 Meter entfernten Mauern zu uns herüberströmt.

Tipps für Great Zimbabwe (Stand August 2026):

Am Zimpark Campsite direkt bei den Ruinen checkt man in einer der Chalet-Hütten ein, einfach gleich bei den gemauerten Grillstellen stehenbleiben, die Lady kommt dann schon vorbei für die Formalitäten. Nur Cash. Duschen kann man in den Chalet-Duschen (heiß). 

Für den Rundgang durch Great Zimbabwe drei Stunden einplanen und genügend Wasser mitnehmen, es ist durchaus eine kleine Wanderung. Tipp: vom Campsite geht unter der kleinen Stromleitung ein kleiner Fußpfad durch den Busch direkt zum Central Enclosure.

Wenn man es ein wenig luxuriöser haben will, gibt es in der Umgebung zahlreiche andere Campsites am Lake Mutirikwi.

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