Allein mit Luna


Es ist eine Premiere. Zum Start der ersten Reise im Jahr 2026 hole ich Luna allein in Windhoek ab und fahre mit ihr knapp 1.200km bis nach Nata in Botswana, wo ich Eva, ihre Schwester Sonja und Nichte Maria treffe.

Das „Abenteuer“ Solo-Trip beginnt mit einem problemlosen Flug von München nach Windhoek. Routiniert nehme ich die Beine in die Hand, als sich die Flugzeugtüren öffnen, denn bei der Immigration am WDH geht es um jeden Platz, den man am etwa 400 Meter langen Weg in die Ankunftshalle des Airports gutmachen kann. Da die Mitstreiter im Schnitt 10 Jahre älter und 20 Kilo schwerer sind als ich, übernehme ich schnell die Führung und komme als erster in eine leere Halle. So schnell war ich hier noch nie durch! Passagiere der Maschine aus Frankfurt, die knapp nach uns landet, bestätigen mir später, dass sie fast zwei Stunden gewartet hätten. Kenne ich! Ich gebe die Führungsposition auch nach der Immigration nicht ab, am noch verwaisten Gepäckband vorbei bin ich der erste Kunde beim „mtc“-Schalter, wo ich mir eine SIM-Karte für den Router besorge. 

Alles scheint heute reibungslos zu funktionieren, ich kann gar nicht glauben, dass ich tatsächlich in Afrika bin! Und weiter geht es: Ich habe mir schon zu Hause über die App „LEFA“ ein Taxi nach Windhoek bestellt, um dort Luna direkt vom Service abzuholen. LEFA ist das namibische Uber – und siehe da, es funktioniert auch genauso zuverlässig wie Uber. Der Fahrer kommt auf die Minute pünktlich, wir sehen beide unsere jeweilige Position, und so fange ich ihn vor dem Flughafen-Gebäude ab und bin 40 Minuten später bei der Werkstatt im Süden Windhoeks. Luna wartet dort schon auf mich, ich begrüße sie freudig, zahle die Rechnung und bedanke mich beim Eigentümer der Werkstatt für die verlässlichen Dienste in den letzten beiden Jahren – wir verlegen Luna jetzt nach Lusaka, und ich hoffe, dass auch die Werkstatt dort so hohe Qualitäts-Maßstäbe hat wie „ARE Etzold“ in Windhoek.

Das GPS ist schnell montiert, mit kurzer telefonischer Hilfe meiner Navigatorin in Wien kann ich auch die richtigen Karten ins Gerät laden. Zur Sicherheit entscheide ich mich dafür, bereits in Windhoek vollzutanken, so ganz traue ich den Nachrichten nicht, dass es trotz des Iran-Kriegs im ganzen Land ausreichend Benzin gibt. Dann noch schnell der obligatorische Besuch bei der „Road Fund Administration“, um die Road Tax zu bezahlen (muss man alle drei Monate machen). Das Formular habe ich schon zu Hause ausgefüllt, daher „flutscht“ es auch hier, und ich bin in 5 Minuten wieder draußen und fahre entspannt auf die Lodge, wo Luna die letzten beiden Jahre stationiert war.

Hier gönne ich mir zwei Nächte, um runterzukommen und mich (und Luna) auf die Reise vorzubereiten. Die Wasseranlage funktioniert wieder, Veit Ramming, der Junior-Chef unseres Herstellers, hat sie bei seinem letzten Besuch repariert. Der Grobpartikel-Filter hat Luft gezogen, da wir ihn wohl zu fest angezogen hatten und das Gewinde gebrochen ist. Kleine Ursache mit großer Wirkung, denn die Wasserpumpe hat dadurch Luft gezogen und damit nicht mehr genug Kraft, Wasser aus dem Tank heraufzupumpen. Veit hat ein Power-Tape um das Gewinde gewickelt, jetzt ist alles wieder dicht. Zur Sicherheit hat er uns aber auch einen neuen Grobpartikel-Filter und auch gleich eine neue Wasserpumpe im Auto gelassen. Wir werden beide Teile sicher in den nächsten Jahren brauchen! Ich montiere noch schnell einen neuen Kohlefilter, spüle den Tank mit 40 Liter durch und fülle ihn dann erneut. Gespannt (und vielleicht auch ein wenig nervös), drücke ich den Knopf zur Aktivierung der Wasserpumpe und höre erleichtert das vertraute Brummen. Es funktioniert wieder! Begeistert schicke ich Eva ein Video vom rinnenden Wasserhahn. Auch beide Gasplatten und der Kühlschrank funktionieren – so darf es weitergehen!

Da alles mit Luna so gut funktioniert, habe ich am zweiten Tag in der Lodge frei. Es fühlt sich fast wie im Urlaub an! Ich schlafe lang, genieße – unter den Palmen am Pool sitzend – den Ausblick in die herrliche Landschaft, mache einen kleinen Spaziergang und lasse die vielen schönen hier auf der Lodge erlebten Momente aus den beiden letzten Jahren Revue passieren. 

Die Lodge ist nur mehr bis Dezember geöffnet, dann wird – sollte die neu gebaute Schwester-Lodge in der Nachbarschaft bereits fertig sein – gründliche renoviert. Schon jetzt dient die Halle, in der die Worldcruiser abgestellt werden, als Baumateriallager und wird auch bereits zum Anmischen von Beton und dem Zuschneiden von Hölzern für die Renovierung genutzt. Es sind also laufend Arbeiter in der Halle, Materialien werden herumgetragen und die Staubentwicklung ist enorm. Das macht mir den Abschied leichter, hier hätte ich Luna nicht mehr so gerne abgestellt!

Die Fahrt nach Nata (Botswana) habe ich in 5 Etappen zerlegt. Natürlich ginge es auch schneller, aber das wäre dann schon eher anstrengend. Die Distanzen sind nicht das Thema, ich fahre ja nur maximal 280km am Tag, aber es sind ziemlich eintönige Kilometer! Auf mehr oder weniger guter Teerstraße gibt es kaum Abwechslung. Alle 50km ein Dorf, sonst nur unendliche Landschaft – „Cattle Country“ mit unzähligen Kuhherden. Hie und da sorgt eine Gazelle oder eine querende Wildschwein-Familie für etwas Afrika-Feeling, ansonsten sind es eher tief fliegende Vögel, temperamentvolle Pferde oder stoische Esel, die ein wenig Aufmerksamkeit erfordern.

Die Grenze zwischen Namibia und Botswana passiere ich in rekordverdächtigen 30 Minuten. An keinem der sechs Schalter muss ich warten, überall halbwegs gut gelaunte Beamte, die ihren Aufgaben problemlos nachkommen. Das Carnet für Luna und mein Pass werden ein- und ausgestempelt, die Gebühren für Botswana (Versicherung, Road Tax und Road Fund Duty) sind schnell (und mit Kreditkarte!) bezahlt. Ich bekomme auch ein wenig Bewegung, denn die einzelnen Schritte müssen in jeweils unterschiedlichen Containern erledigt werden.

Botswana empfängt mich mit etwas schlechteren Straßen, noch selbstmord-gefährdeteren Eseln und einem 80km/h-Tempolimit, das mir doch glatt auch mein erstes Ticket dieser Reise einbringt. Eine übereifrige Polizistin springt begeistert hinter der geschickt im Schatten eines Baumes postierten Radar-Kamera hervor und winkt mich raus. 85km/h sind immerhin 5 km/h zu viel – die Tempobolzerei kostet mich 300 Pula (20 EUR) und den Beamten im Polizei-Landcruiser 10 Minuten seines Lebens, bis alle drei Formulare ausgefüllt sind…. Ein Hilux donnert mit viel zu hoher Geschwindigkeit vorbei, die Dame an der Kamera („oh shit“) traut ihren Augen kaum, ihr Kollege nimmt die Verfolgung auf. Irgendwo muss der Raser umgedreht haben, denn kurz später überholt er mich (wirklich ziemlich schnell), gefolgt vom chancenlosen Polizei-Landcruiser. Er gibt alles, aber Regierungs-Fahrzeuge sind in Botswana auf 120km/h beschränkt. Finde ich gut, sollten wir zu Hause auch einführen!

Über Ghanzi geht es weiter nach Maun, am Rande der kleinen Stadt übernachte ich im Crocodile Camp. Nach einer schmackhaften Delta Bream an der Bar verziehe ich mich zur Boma des Camps, wo ein ordentliches Lagerfeuer brennt. Ich mache es mir mit einem Glas Merlot bequem, als sich ein älterer Herr mit grauem Rauschebart zu mir gesellt. Er kommt aus Botswana und ist sein Leben lang schon Wildlife Guide, zuerst für verschiedene Safari-Unternehmen, jetzt als Freelancer. Sein botswanischer Name ist unaussprechlich – call me „Ben“. Es entwickelt sich ein sehr lustiges und interessantes Gespräch. Nach dem zweiten Bier dreht er auf seinem Telefon Bob Marley auf – er ist ein großer Fan, war sogar schon an dessen Grab in Jamaica. Die Reggae-Legende begleitet uns durch den restlichen Abend. Merklich erfreut über den interessierten Europäer teilt Ben seine Ansichten über die heimische Regierung (lieben Rinder mehr als Elefanten, haben den Diamantenreichtum verschissen), Jagdtouristen (sollten mit ihren eigenen Waffen erschossen werden), die aktuelle Situation verschiedener Tierarten in Botswana und der gesamten KAZA-Region (extrem interessant für mich) und die aktuelle US-Administration. Zu Bob Marleys „Buffalo Soldier“ stellen wir fest, dass wir bei diesem Thema exakte der gleichen Meinung sind. „Fighting on arrival, fighting for survival. Stolen from Africa, brought to America….“ tönt es aus dem Smartphone. Nach dem x-ten Joint (dem Geruch nach kann das Kraut, das er raucht, auch hier nicht legal sein!) erzählt er mir, dass er als Nebengeschäft Chilli-Sauce produziert: „You know we sell a fucking roll of toilet paper with every glass“. Muss scharf sein, das Ding. Werde eher kein Kunde! Bob Marley beschließt den Abend würdig: „Dont worry about a thing. Cause every little thing gonna be alright!“ Wir stoßen noch einmal auf den Schutz der Elefanten an.

Wohl als kleine Belohnung dafür gibt es am nächsten Tag tatsächlich Elefanten für mich! Auf der Strecke zwischen Maun und Gweta quert die Hauptstraße die Nationalparks der Pfannen. Das Schild „Reduce speed and watch for animals“ ist durchaus ernst gemeint! Im Nxai Pan National Park blockiert eine Herde Elefanten die Straße, und ich warte gerne, bis die Matriarchin Ordnung in die Gruppe bringt und alle Tiere rechts und links der Straße positioniert sind. Zugegeben, ein etwas weniger Rücksicht nehmender Überland-Bus hilft ihr dabei und vertreibt einige Dickhäuter vom Teerband. Wenig später erspähe ich dann auch noch sechs Giraffen, die an den Bäumen neben der Straße fressen. 

Nach den beiden schönen Begegnungen sind auch die 20km Schlagloch-Slalom vor Gweta erträglich. Im weitläufigen Planet Baobab Camp gönne ich mir einen gemütlichen Nachmittag und räume die in der Früh in Maun getätigten Einkäufe in unsere Vorratskammer. Schon die Zufahrt zum Camp ist schlammig, erst vor drei Tagen haben die starken Regenfälle hier aufgehört. Gleich bei der Ankunft im Camp buche ich für den nächsten Vormittag einen Game Drive in die wahrscheinlich stark gefluteten Salzpfannen in der Gegend.

Um 05:30 – noch bei Dunkelheit. Meine Erwartung großer Wassermassen in den Pfannen wurde nicht enttäuscht. Viele der Sandwege sind vollkommen überflutet, die Gamedriver ähneln eher Booten, die durch den Busch gleiten. Der Matsch wird an einigen Stellen tiefer, und in einer engeren Kurve hängt dann einer der beiden fest. Bergeausrüstung ist natürlich keine dabei – mit so viel Wasser kann man ja nicht rechnen! So typisch afrikanisch, um das Problem kümmern wir uns, wenn es da ist. Alle Versuche, selbst wieder aus dem Schlamm zu kommen, scheitern, schließlich fordern die beiden Fahrerinnen von der Lodge ein drittes Fahrzeug an, mit dem die andere Gruppe dann weiterfährt. Etwa zwei Stunden sind es bis zur Gruppe Erdmännchen, die wir dann auf ihren Beutezügen durch die Felder begleiten. Sie sind einfach herzig anzuschauen, vor allem, weil sie andauernd miteinander plaudern und sich diebisch über ausgebuddelte Beute freuen. Derzeit stehen vor allem Frösche am Speiseplan. Nach einem kurzen Abstecher in eine Pfanne geht es auch schon wieder zurück. Natürlich bleiben beide Autos wieder an der gleichen Stelle stecken, diesmal gelingen die Befreiungsversuche aber aus eigener Kraft.

Für mich gut, denn ich will die letzte Etappe nach Nata möglichst zügig schaffen, um dort das Camp aufzubauen, bevor Eva, Sonja und Maria aus Kasane ankommen. Der stärkste Regen seit 70 Jahren hat auch auf der Straße Spuren hinterlassen, sie ist mit Schlaglöchern übersäht und bricht manchmal sogar schon ganz weg. Rechts und links der Straße steht alles unter Wasser. Trotzdem komme ich gut durch, kaufe noch Feuerholz für den Abend und baue das Camp auf.

1200 Kilometer war ich in den letzten Tagen allein mit Luna unterwegs, eine für mich sehr schöne, spannende und entspannende Erfahrung mit genug Zeit, um vom hektischen Leben zu Hause zu entschleunigen und während der langen Strecken viel nachzudenken. Auch die Erfahrung, mich um alles in und um Luna selbst zu kümmern, war durchaus aufschlussreich. Aber es ist doch schöner, diese vielen herrlichen afrikanischen Momente nicht nur für mich allein zu erleben, sondern mit Eva zu teilen. Knapp vor sechs Uhr fährt ein Hilux mit drei Mädels im Camp der Nata Lodge ein. „Team Luna“ ist wieder komplett.

Tipps zur Strecke Windhoek-Nata (Stand April 2026):

Ich habe die Route in schaffbare 200-300km-Etappen aufgesplittet und würde das wahrscheinlich genau wieder so machen.

Alle meine Camps am Weg sind sehr zu empfehlen:

  • Buitepos Rest Camp: Direkt an der Grenze Namibia/Botswana gibt es hier auch eine Tankstelle, um die letzten NAD loszuwerden. Ein kleiner Shop eignet sich, um Snacks und frisches Obst zu kaufen.
  • Symponia Guesthouse: kurz nach Ghanzi werden Chalets und ein grüner Campsite mit sehr schönen Sanitäreinrichtungen geboten. Das Camp wurde 2021 von einer lokalen Familie gebaut, es hat „Seele“, einen kleinen Pool, sehr nettes Personal und ein ausgezeichnetes Restaurant. Ich empfehle Campsite 6 (groß, grün, nah an den Sanitöreinrichtungen und am Restaurant).
  • Crocodile Camp: etwa 13km Schlaglochpiste östlich von Maun, aber mit einer netten Bar mit Pool direkt am Fluss. Der Fisch am Abend schmeckt in so einer Umgebung besonders gut, am Boma großes abendliches Lagerfeuer.
  • Planet Baobab: ausgedehntes Camp bei Gweta, reizendes Personal, riesiger Pool. Die namengebenden Bäume gibt es in großer Zahl, hier kann schon echtes Afrika-Feeling aufkommen. Bushwalks und Game Drives werden angeboten.

Nata Lodge: schöne Lodge mit allen Annehmlichkeiten, der großteils schattige Campsite liegt gleich daneben und ist sehr weitläufig, sodass jeder einen privaten Platz finden kann.

Alles Camps haben Wifi, bis auf Symponia (und in einigen Teilen die Nata Lodge) sogar auch am Campsite.


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