Als unsere letzte Station in Mosambik machen wir am Weg zum Gonarezhou Nationalpark in Zimbabwe noch einen kurzen Abstecher an den Limpopo.
Bevor wir zum Limpopo kommen, stehen uns nach einer Schlammschlacht (siehe Blog „Schlammschlachten“) und einer Wild-Übernachtung noch einige Stunden auf ausgewaschenen mosambikanischen Pisten bevor. Diese sind breit, aber vollkommen ausgewaschen. Zwar wird versucht, durch Dämme und Brücken eine einigermaßen ordentliche Fahrbahn zu schaffen, aber die Fertigstellung wird offenbar immer wieder wegen Aussichtslosigkeit oder Geldmangel abgebrochen. Und so quält sich der Verkehr auf der einzigen Fahrspur im Zick-Zack durch Tiefsand, auf halbfertige Brücken oder durch ausgewaschene Gräben. Die Dörfer hier sind auf diese Verbindung angewiesen, alle Lieferungen laufen über diese Trasse. Wir begegnen überladenen LKWs, desolaten Kleintransportern, auf der Hinterachse aufsitzenden Pickups genauso wie Esel- oder Ochsenkarren.
Kurz vor Mapai kommen wir in den Genuss, die wahrscheinlich beste Asphaltstraße Mosambiks zu überqueren (kein Witz!), um dann weitere 16km zur Limpopo-Fähre zu fahren.
Unser Ziel ist das schöne Dumela Wilderness Camp. Dessen Eigentümer versuchen, nur wenige Kilometer vor Pafuri – dem Grenzposten nach Südafrika und dem angrenzenden Krüger Park – eines der vermutlich letzten natürlich verblieben Waldstücke in dieser Region zu bewahren. Der überwiegende Rest des Limpopo Nationalparks ist für uns eine herbe Enttäuschung, denn nach der Flussquerung auf der Fähre bei Mapei reiht sich die gesamten fast 90 Kilometer entlang des Limpopo bis hinauf nach Dumela eine Siedlung an die andere. Wir sehen viele Felder, Menschen und ihre Nutztiere. An einigen Stellen werden wir durch illegale Absperrungen gestoppt und von cool dreinschauenden Burschen relativ brüsk zur Zahlung von Wegezoll aufgefordert. Nationalpark sieht für uns anders aus. Der Versuch, zusammen mit dem Krüger Nationalpark ein grenzüberschreitendes Naturschutzgebiet zu entwickeln, ist augenscheinlich gescheitert. Wir lesen später, dass nur rund ein Drittel der ländlichen Bevölkerung nach Gründung des Nationalparks abgesiedelt werden konnte. Dadurch wurden die Bemühungen, hier einen Nationalpark zu errichten, offenbar aufgegeben.
Das Dumela Wilderness Camp selbst gefällt uns sehr gut, lauschig direkt an einer Altarm-Lagune des Limpopo in einem uralter Wald gelegen. Wir haben dort außer Stromanschluss alles, selbst eine liebevoll gestaltete Busch-Bar mit eigener Kühltruhe wird geboten! Hier gibt es auch endlich wieder Wildtiere, wir bekommen Besuch von einem riesigen, alten Elefantenbullen, dem die Bäume im Camp offenbar am besten schmecken. Einen besonders gebogenen Lieblingsbaum dürfte er auch haben, den er für sein eingehendes „bodyscrubbing“ am Po und zwischen den Hinterbeinen auserkoren hat (warum bloß?). Genüsslich lehnt er sich dagegen und schaukelt seinen massigen grauen Körper nach vor und zurück, sein langer breiter Rüssel hilft zuweilen beim Schwungholen oder rastet lässig über seinen Stoßzähnen. Innig umarmt er seinen pflanzlichen Favoriten. Wir zerkugeln uns bei der Show. „Elefanten machen einfach immer irgendwelche Faxen“, meine ich vergnügt, die Szene auf Video festhaltend.
Als er sich nach gut einer Stunde Wellness- und Fressprogramm endlich tiefer in den Wald zurückzieht, können wir uns auch ohne weitere Störungen wieder dem Aufräumen und Reinigen von Luna widmen. Auf der langen Fahrt hierher waren wir einmal richtig tief im Schlamm und konnten uns nur unter Einsatz der Winde und des Bergegurtes befreien. Beide extrem wichtigen Ausrüstungsgegenstände müssen jetzt gereinigt, getrocknet und wieder ordentlich verstaut werden. Es war auch wirklich Zeit, dass wir Lunas Innenraum mal kräftig aussaugen, das laufende Ausbeserln ist einfach auf Dauer zu wenig. Abschließend wische ich noch den Boden und bin zufrieden, jetzt glänzt wieder alles. Martin hat inzwischen die Außenseite unseres Vehikels gereinigt, was mit dem geringen Druck im bereitgestellten Gartenschlauch eine ziemlich langwierige Aufgabe war. Jetzt haben wir uns den Nachmittags-Kaffee samt köstlicher Muffins redlich verdient, wir genießen vorne auf der Bank mit Blick auf die Lagune.
Am nächsten Morgen wecken uns die Knackgeräusche und ein tiefes Grollen vom Wald gegenüber. Es ist offenbar Frühstückszeit für ein paar Elefantenbullen. Gleich vier der grauen Gesellen tummelt sich dort für eine Weile, bis sie wie Geister wieder vom dunkelgrünen Blattwerk des Waldes verschluckt werden.
Für uns ist es Zeit, nach Chicualacuala aufzubrechen, dem Grenzort zu Simbabwe. Vom Campmanager, der etwa drei Kilometer weiter ganz oben auf einem Hügel lebt, wissen wir, dass wir eine andere, viel kürzere Route dahin nehmen können. Erst vor einer Woche sei der Eigentümer von Dumela selbst diese Strecke gefahren. Es gibt eine kleine Fähre über den Limpopo rund acht Kilometer entfernt, und danach müssten wir nur noch über einen weiteren, nicht sehr tiefen Fluss und später relative geradeaus entlang der Powerline. Wir sind beruhigt, denn auf den Luftbildern sah der zweite Fluss ziemlich breit aus, was dann immer das Risiko birgt, vor einer unerfreulichen Hürde zu stehen. Zurück nach Mapai wollen wir auf gar keinen Fall, das wären über 100 Kilometer Umweg. Also entscheiden wir uns für die „Powerline-Strecke“. Dankbar nehmen wir auch sein Angebot an, uns zur Fähre zu begleiten, denn die Abzweigung hinunter zum Fluss sei schwer zu finden. Als wir am Ufer stehen, ist das kleine, zur Fähre umfunktionierte Boot gerade 30 Meter stromaufwärts auf der anderen Seite. Unser Freund vom Camp ruft die fünf Burschen, die die Fähre betreiben, in lokaler Sprache herüber und hilft, den Preis zu verhandeln. Natürlich bekommt er selbst von uns ein nettes Trinkgeld für seine Unterstützung und die Mühe. Er muss ja jetzt rund zwei Kilometer zu Fuß in den nächsten Ort wandern und sich dort irgendeinen Freund mit Motorrad organisieren, der ihn an seinem Arbeitsplatz zurückbringt. Wie immer sind wir fasziniert, dass die Menschen hier so etwas komplett spontan machen und immer auf eine Lösung vertrauen. Wir verabschieden uns, und kurz darauf schwimmt Luna auf dem kleinen Boot im Fluss. Diesmal ist es richtig harte Arbeit für die Burschen. Die starken Jungs kämpfen mit langen Stämmen gegen die Strömung am linken Ufer an, bis sie nach circa zehn Minuten endlich beidrehen können und uns zur flachen Anlegestelle am anderen Ufer schieben. Dort warten schon die langen Blechrampen, über die Martin Luna behutsam hinab auf festen, aber sehr sandigen Untergrund steuert. Ich lasse mir nochmal kurz die Richtung der Ausfahrtroute zeigen und überreiche dem Fährmann das vereinbarte Entgelt. Wir überschlagen kurz, wieviel Umsatz die fleißigen Burschen so in einer Woche machen, und sind überzeugt, dass sie damit bestimmt zu den Helden ihres Dorfes gehören.
Weiter geht es über eine kurvenreiche, in den Busch geschlagene Zufahrt zur eigentlichen „Hauptstraße“. Immer wieder müssen wir Bäume umfahren, die für Luna zu tief hängende Äste haben, manchmal gar nicht so einfach im Tiefsand abseits der Fahrspur. Die allgegenwärtigen Kuhherden bremsen uns immer wieder nur kurz. Erfolgreich navigieren wir durch einige Dörfer, nur selten verwechseln wir eine Hauszufahrt mit der eigentlichen Straße, entschuldigen uns lächelnd bei den Hausbesitzern und drehen um. So erreichen wir recht zügig die kerzengerade Trasse, die mittig in der Schneise für die Stromleitungen nach Osten angelegt wurde. Nur vereinzelt, wenn die Hügel zu steinig oder steil sind, führt sie in einem Bogen herum. Sobald wir auf die große Teerstraße nach Norden einbiegen, ist der Grenzort Chicualacuala schnell erreicht. Es ist ein verschlafener, aber recht aufgeräumter Ort mit einem besonders schönen Bahnhofsgebäude. Wir fahren ein bisschen herum auf der Suche nach der Bäckerei, denn wir wollen unbedingt noch etwas vom guten mosambikanischen Brot mitnehmen. In Sango auf der anderen Seite der Grenze gibt es nämlich keinerlei Möglichkeit mehr, vor dem Gonarezhou etwas einzukaufen. Ich frage mich durch, da der einzige Laden auf dem „Padaria“ steht, geschlossen ist. Nebenan in der Fleischhauerei (die ich hier aus ästhetischen Gründen nicht näher beschreiben möchte) erhalte ich den Tipp, es auf dem Markt zu versuchen. Dort gibt mir ein Geldwechsler den entscheidenden Hinweis, und so laufe ich durch die engen Gässchen des lokalen Marktes. Es herrscht ein buntes Treiben in und um die Markstände, die alles Mögliche verkaufen. Von einem jungen Batteriehändler werde ich zu ein paar Damen geleitet, die in großen, grünen Bottichen vor sich ihre Brötchen feilbieten. Ich entscheide mich, bei zwei der Marktfrauen Spitzbaguettes und kleinere, runde Brötchen zu erwerben. Eines schenke ich sogleich einem behinderten jungen Mann, der mich um etwas zu essen bittet, dann bringe ich den wohlriechenden Einkauf zurück zu Luna und wir machen uns auf zur Grenze.
Der langweiligste Job in ganz Mosambik ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in diesem Grenzposten zu finden. Die beiden uniformierten Grenzbeamtinnen scheinen irgendwie überrascht, dass sie heute tatsächlich jemand aus ihrem Koma weckt. Oder ist es die Mittagszeit? Ich halte einer von ihnen unsere Pässe hin und muss mehrfach wiederholen, dass es österreichische und nicht australische Pässe sind. Sie würdigt uns keines Blickes, blättert planlos die Seiten in den Pässen hin und her. Nach gut fünf Minuten ein tiefer Seufzer. Ihre mit langen, violett lackierten Nägeln besetzten Finger greifen nach einem sichtlich vielbenutzen Smartphone, sie macht Fotos von unseren Visa und beginnt leise zu telefonieren. Ich schnappe auf, dass sie wohl über den Tag und den Grenzposten unserer Einreise spricht. Die Fotos werden verschickt, wir warten. Minuten später ein Klingelton, ein paar weitere WhatsApp-Kommunikationen, dann rauschen ohne ein weiteres Wort die Ausreisestempel in unsere Pässe, die dann wortlos über den Tresen zu uns zurückwandern. Offenbar passt alles, und wir könne weiter.
Während ich die Prozedur mit den Pässen begutachte, klärt Martin bereits mit dem Zollbeamten alles für das Carnet. Der Beamte kannte es zwar, und hat es ohne Umschweife ausgestempelt, meinte jedoch, dass er den Abschnitt für die Ausreise-Behörde eh nicht bräuchte. Er mache damit genau gar nichts, was uns wieder mal in der Annahme bestärkt, dass es an den Grenzen niemanden interessiert und ein Abgleich von Einreise- bzw. Ausreiseabschnitten nie im Leben stattfinden wird. Viel eher wandern die Zettel ungeschaut in der Rundablage. Uns kann es egal sein, wir haben unseren Beweis für die Ausreise im Carnet.
Ein Polizist nimmt dann mit seinen Kollegen nochmals Lunas Daten auf und will sie dann noch kurz innen sehen. Bereitwillig erkläre ich, was wir im Auto so fürs Campen haben und wo das Bett ist. Er will aber eh keine Details, sondern verschwindet mit Martin auf der anderen Seite, um diskret die finanzielle Abgeltung für die rasche und friktionsfreie Abwicklung der Auto-Kontrolle zu klären. Kurz später geht der Balken hoch und wir rollen an drei breit grinsenden, stramm salutierenden Polizisten vorbei zum Grenzposten Simbabwes.
Beim Sango Borderpost lösen wir zunächst einmal den obligaten „Gatepass“, bevor sich der Zufahrts-Balken hebt. Die erforderlichen Beamten für Immigration und Zoll werden von ihren Kollegen zusammengetrommelt, als wir auf den überdimensionalen, gähnend leeren Parkplatz einfahren. Ein gutgelaunte Immigration Officer freut sich über Klienten und darüber, dass wir so gerne nach Simbabwe kommen, was er unschwer an unseren vielen Visaklebern seines Landes und den vielen Stempeln erkennen kann.
„I like your shirt“ verkünde ich fröhlich beim Zollbeamten, worauf er stolz am Logo auf der linken Seite des offiziellen, grünen Poloshirts seiner Behörde zupft und mit dem Zeigefinger der anderen Hand auf den ZIMRA-Schriftzug zeigt. Meine Bemerkung bezog sich jedoch vor allem auf den mit gelbem Faden gestickten Wortlaut auf der rechten Seite des Shirts: „I am not corrupt“ steht da. Martin zwinkert mir zu, er hat es auch bemerkt. Offenbar hat er heute früh beim Knobeln verloren und muss dieses Shirt tragen….
Die Stempel sausen ins Carnet, sicherheitshalber gleich noch ein weiterer auf dem Roadtax-Formular unserer letzten Einreise (Stempel schaden in Afrika nie!). Wir hatten eigentlich erwartet, dass wir diese Steuer noch einmal zahlen müssen, aber die entrichtete Gebühr scheint noch zu gelten. Weiter geht’s zur nächsten Station, die Polizei will auch hier nochmal den Pass des Fahrers und die Autopapiere checken. Ich werde dafür in den kleinen Nebenraum der Hütte vor der Ausfahrt vom Grenzposten gebeten. Dort helfe ich dem Beamten, Lunas Auto-, Motor- und Chassis-Nummer, sowie jene des Carnets in den Dokumenten zu finden. Er überträgt die Daten nun fein säuberlich in sein großes Registerheft. Währenddessen schau ich mich kurz um. Die kärgliche Kammer hat zwei Fenster, die originell geschlossen gehalten werden. Am Schließmechanismus des einen baumelt ein Ziegelstein an einer langen Schnur, am anderen ein schwarzes Plastiksackerl mit ähnlich schwerem Inhalt, ich vermute Sand. Abgesehen vom alten hölzernen Schreibtisch, dem Sessel, auf dem der Polizist sitzt, und einer schmucklosen Glühbirne war es das mit der Einrichtung. Er reicht mir die Papiere und Martins Pass mit einem freundlichen „You are good to go, welcome back to Zimbabwe.“
Es fühlt sich gut an, wieder hier zu sein. Vor hier ist es nicht mehr weit bis nach Mabalauta, dem Nationalpark Office und Campsite, bei dem wir einchecken für unseren Aufenthalt im „Place of the Elephants“, wie der berühmte Gonarezhou Nationalpark auch genannt wird.
Tipps Limpopo (August 2026):
Fähre bei Mapai: handbetriebene kleine Fähre über den Limpopo für Autos bis zu fünf Tonnen, kostet rund 2.000 Meticais. Zufahrt kurz südlich von Mapai für ca. 16km zum Fluss. Nach der Querung nicht zum Park Office fahren, um den Eintritt zu zahlen. Sind rund 5km (one-way), und die Entrichtung der Nationalpark-Gebühr kümmert hier niemanden.
Fähre im Norden: Tracks4Africa hat die richtigen Koordinaten, die Ablegestellen können sich aber je nach Überschwemmungen ändern. Daher erst fragen, dann fahren. Eine der Fähren geht bis 5 Tonnen, die etwas weiter südlich gelegene eignet sich auch für größere Fahrzeuge. Kosten für uns 2.600 Meticais (wahrscheinlich inklusive Path-finder fee für den Campmanager.
Camping am Limpopo: Dumela Wilderness Camp lohnt einen Besuch, verfügt über schöne Einrichtungen außer Strom. Zuerst zur Rezeption am Hügel in Richtung Pafuri fahren, dann erst auf den Campsite!

























No responses yet