Hwange Nationalpark

Die Fahrt von Matopos zum Hwange Nationalpark ist lang, und die Warnungen und Geschichten verschiedener Reisender und Einheimischer über den katastrophalen Zustand der Straße von Bulawayo nach Norden beunruhigen uns ein wenig. Dementsprechend früh brechen wir auf, schließlich wollen wir ja genug Zeitpuffer haben und im besten Fall unser Ziel, das Gwango Heritage Camp, noch bei Tageslicht erreichen. 

Maria nimmt erstmal als Beifahrerin bei Martin in Luna Platz, die beiden fahren voraus. Ich übernehme die erste Etappe im Hilux, so hoffen wir, das erste Stück nach Bulawayo etwas schneller zu bewältigen. Das Navi geleitet Sonja und mich zwar noch auf eine ungeplante Sightseeing Runde durch die Stadt, obwohl man sie auf dem Weg nach Norden im Prinzip auch umfahren könnte. Aber macht nichts, wir finden die Einbindung in die Victoria Falls Road, stoßen hier wieder auf die wartende Luna-Crew.  Ab hier übernehmen wir den Lead, da der Hilux etwas schneller zu fahren ist, und außerdem gilt das Prinzip „don’t be gentle, it’s a rental“! Zunächst schaut die Straße besser aus als befürchtet, doch schon bald schleichen sich die ersten Schlaglöcher ein, und wir fahren Schlangenlinie. Es gibt einige verdammt scheußliche Passagen mit tiefen Löchern und ausgefransten Asphalträndern, die sich gemeinerweise oft im Schatten verstecken. So fordert die Trasse unser beider volle Aufmerksamkeit. Wir nehmen auch lange Baustellenumfahrungen durch Dörfer mit zahlreichen Speed-Ramps. Zumindest interpretieren wir diese als Indiz dafür, dass an der Erneuerung der Haupttrasse bereits ordentlich gearbeitet wird – die Gebühr dafür haben wir an der Mautstation ja berappt. Ab und an dürfen wir für wenige Kilometer auch schon mal Streckenabschnitte mit nagelneuem Asphalt und frischer Bemalung testen. Dieses Vergnügen währt aber meist nicht lang, und wir werden alsbald zurück auf den staubigen Schlagloch-Parcours geschickt. 

Auf etwa halber Strecke treffen wir unsere Freunde Andrea und Andreas, die in die Gegenrichtung unterwegs sind. Einen genauen Standort mussten wir gar nicht vereinbaren. Ihr Cruiser sieht Luna zum Verwechseln ähnlich. Das Wiedersehen mit unseren Container-Buddies ist wie immer herzlich. Wir jausnen gemeinsam unsere vorbereiteten Brote und tauschen die Erlebnisse und Tipps für Hwange und Matopos aus. Nach rund einer Stunde machen wir uns – mit kurzem Seitenblick auf den löchrigen Straßenbelag – seufzend auf den Weg und wünschen uns gegenseitig noch eine tolle Reise. 

Interessanterweise ist es dann gar nicht mehr so schlimm, wir kommen am späteren Nachmittag an. Sonja und Maria nützen die wunderbare Gelegenheit, für eine Nacht die beengten Verhältnisse im Dachzelt gegen den Komfort von zwei getrennten Betten in einem der hübschen Chalets des Camps zu tauschen. Es ist noch früh genug, und so treffen wir uns nur wenig später am erhöht über einem Wasserloch angelegten, herrlichen Pool. Genüsslich ziehe ich meine Bahnen durch das kühle Wasser, das lockert die vom langen Sitzen im Auto verspannten Muskeln. Wir sind die einzigen auf dem komfortabel eingerichteten Deck.  So ist es noch netter, dort mit Ausblick in den Busch auf den weichen Liegen zu relaxen und ein Bierchen zu schlürfen. Hin und wieder sollen hier sogar die Elefanten vorbeischauen und ihre gierigen Rüssel in den Pool tauchen. Deshalb auch das Hinweisschild neben dem Pool: „Don’t touch the elephants!“

Das Camp verfügt nur über zwei Campingstellflächen. Diese sind jedoch riesig dimensioniert und bieten Platz für mehrere Autos, Luna steht (zunächst einmal) ganz allein da. Doch als wir vom Pool retour kommen, sind wir ziemlich überrascht, dass sich ein giftgrüner Campingbus nur rund fünf Meter neben uns gestellt hat. Warum denn so was? Der Platz ist hunderte Meter lang, ein bisschen mehr Abstand wäre doch leicht möglich gewesen. Aus dem Bus springt eine in ein weites, gemustertes Kleid gewandete Frau. Heftig mit den Armen fuchtelnd murmelt sie etwas von „dringend Strom und nichts gegessen“ – mehr hören wir nicht von ihr. Für ihren Kocher brauchte sie Strom und hat daher ganz einfach Lunas Ladekabel aus der Steckdose abgenommen. Überrascht von dieser Distanzlosigkeit und Unverfrorenheit sage ihr recht unverblümt, dass sie doch bitte die Steckdose in der anderen Küche verwenden möge, die nur wenige Meter weiter rechts angelegt ist. Auf die Idee hätte sie angesichts zweier baugleicher und nebeneinanderstehender Gebäude auch selbst kommen können. Zwar steckt sie ihr Kabel um und gibt unsere Steckdose frei, doch leider nimmt sie das nicht zum Anlass, ihr giftig grünes Vehikel ebenfalls seitlich ein wenig zu versetzen. Sie bleibt und verschwindet in ihrem Bus. Na gut, wenn sie meint – dann muss sie eben auch unser bis in die Nacht dauerndes Geschnatter erdulden. Wir kochen und besprechen zu viert um Luna geschart die morgige Gamedrive-Runde.

Um halb sieben morgens kommen Sonja und Maria für ein schnelles Müsli-Frühstück. Unsere Vorfreude auf den Park ist groß und wird nicht enttäuscht. Bereits auf der kurzen Anfahrt zum Einchecken beim Main Gate funke ich schon mehrfach, welche Tiere ich wo sehe: “Kudus auf ein Uhr, Impalas rechts, Wasserböcke und Warzenschweine auf vier Uhr hinter uns an der Wasserstelle“. 

Die Formalitäten dauern ein wenig, und ich muss noch die Gebühr für die Autos entrichten. Das gibt Martin und den Mädels Zeit, sich das Buch mit den neuesten Berichten zu Tiersichtungen anzuschauen.

Unsere Loop führt uns als erstes zur „Makwa“-Plattform. Trotz der zu dieser Jahreszeit sehr dichten Vegetation erspähen wir am Weg dorthin ganz nahe ein paar Giraffen im Wald. Am Wasserloch hüpfen African Jacanas und Waffenkiebitze umher, auch ein Triel – erkennbar an den dicken Kniegelenken – ist dabei. Am gegenüberliegenden Ufer liegen faul zwei kleinere Krokodile. Wir vermuten mehr davon im Wasser zwischen den Seerosen. Auf einem Baum auf der kleinen Insel sitzen Graureiher und halten Ausschau nach Beute. 

Weiter geht’s nach „Kennedy 1“. Hier haben wir richtig Glück. Just als wir auf den Weg hinab zum Wasserloch einbiegen, schlendert eine einzelne, ausgewachsene Löwin, die dort offenbar soeben ihren Durst gelöscht hat, von der Wasserstelle herauf in unsere Richtung. Wir sind entzückt, dass sie einfach weitergeht und nur wenige Meter vor uns die Seite wechselt. Unbeeindruckt von unseren bewundernden Blicken verschwindet sie im Dickicht. Weg ist sie! Nur fünf Minuten später hätten wir sie nicht gesehen. Maria funkt: „Ich will bitte auch so eine Katze“.

Die nächste Plattform, die wir ansteuern, heißt „Kennedy 2“, wir beschließen, raufzusteigen und ein bisschen zu verweilen, denn in großer Entfernung machen wir mit dem Fernglas einzelne Elefanten aus und wir hoffen, dass sie zum Trinken kommen. Das tun sie dann auch, und nicht nur diese. Wie auf Kommando kommen jetzt aus verschiedenen Richtungen aus dem Wald gegenüber der Plattform ein paar große Bullen. Zielstrebig umrundet der größte von ihnen das von einer Pumpe versorgte Wasserloch, ein anderer nimmt die Abkürzung direkt durch das Wasser. Beide wissen die Qualität des Wassers direkt am Auslass zu schätzen. Sie ziehen es gierig mit ihren langen, kräftigen Rüsseln auf, um es unmittelbar darauf mit hochgerecktem Kopf aus dem Rüssel in ihre Münder fließen zu lassen.  Zwischendurch darf natürlich das Begrüßungsritual nicht zu kurz kommen, so verhaken sie mehrfach ihre Rüssel oder sie streifen dem jeweils anderen über den riesigen Schädel. Es ist lustig anzusehen. Noch mehr Spaß bereiten uns aber die Neuankömmlinge, eine Herde mit mehreren Babyelefanten, die teils noch unbeholfen ihre Rüsselchen herumwirbeln. Einer ist offenbar schon so durstig, dass er den Rüssel einfach Rüssel sein lässt und sein Maul direkt in das erfrischende Nass taucht. Geht ja auch ohne dieses baumelnde Ding vorne dran! Während die Elefantendamen noch gemächlich ihr Bad nehmen oder schon Schlamm über sich verteilen, veranstalten die übermütigen Jungtiere am Ufer einen kleinen Ringkampf. Der kleinere Babyelefant befreit sich und läuft, die Ohren wild schlenkernd, Staub aufwirbelnd und den Rüssel nach vorne gesteckt mit einem quickenden „PFFFrrriiiiit“ los. Es ist wie eine Universum-Doku, nur eben live! 

Von andere Game-Drivern erfahren wir, dass bei „Ngweshla“ in der Früh ein Rudel Löwen gesichtet wurde. Das ist ohnehin unser nächstes Ziel auf der Runde, doch wir halten die Erwartungen gedämpft. Zu gut wissen wir, wie wichtig Timing für Tiersichtungen ist. Um die Mittagszeit erreichen wir den beliebten Picknickplatz und lassen uns von den Campern dort die Richtung zeigen, wo sie die Löwen zuletzt gesichtet hatten. Langsam pilotieren wir die Autos in die angezeigte Richtung und halten angestrengt Ausschau. Doch diesmal verstecken sich die Tiere zu gut. Dafür werden wir mit der Sichtung einer Straußenfamilie belohnt, die riesigen Vögel mit den berühmten Federn waren sowieso noch auf Marias Wunschliste ganz oben. 

Eine gute Stunde später machen wir unser Picknick bei „Jambile“, wir sind die einzigen auf dem schattigen, im Wald versteckten Platz. Perfekt für die heiße Mittagszeit, in der auch die Tiere eher den Wald aufsuchen. In der Lagune davor hören wir das Planschen einiger Elefanten. Ab und zu vernehmen wir ihr dumpfes Grollen oder ein Tröten. 

Gestärkt von der guten Jause und einem frisch gebrauten Mokka aus der Bialetti, fahren wir langsam weiter zur „Dopi Pan“, wo sich Zebraherden und Impalas tummeln. Die üblichen Warzenschweine und Guinea Fowls kreuzen mehrfach unsere Fahrspur. Wir stoßen wieder auf die Haupttrasse zwischen dem Main Camp und „Sinamatella“, die wegen ihres gebrochenen, alten Teerbelags schon berühmt-berüchtigt ist. Schlimmer sind eigentlich nur noch die Passagen dazwischen mit ärgstem Wellblech. Sie ziehen Martin nach dem langen Fahrtag schon etwas den Nerv, denn sie lassen maximal 20 km/h Höchstgeschwindigkeit zu. So sind wir alle sehr froh, bei der „Guvalala“-Plattform anzukommen, die wir als unser Nachtlager für heute gebucht haben. Zwei Giraffen bilden das Begrüßungskomitee. Mit weit gespreizten Beinen senken sie die langen Hälse hinab, um zu trinken. Ihre Zeichnung schimmert in der weichen Abendsonne, die langsam beginnt, sich hinter die Baumwipfel zurückzuziehen. Zur Feier des großartigen Tages mixe ich uns einen GT mit unserem blauen namibischen Gin, der sich mit Tonic und Zitronensaft vereint in ein hellrosa Getränk verwandelt. Breit grinsend stoßen wir an.  Noch ein letzter Blick auf die herrliche Abendstimmung, dann gehen die Mädels ihr Zelt aufrichten, und ich beginne, die Zutaten für unser Abendessen auf dem Tablett in den vergitterten Verschlag direkt unter der Aussichtsplattform zu transportieren. Dort befindet sich die Campküche, bestehend aus einem langen Betontisch an der Rückseite der WC- und Duschanlage. Die Gasflasche und der große Kochtopf werden von Sonja gebracht. Maria schnipselt das Gemüse und rührt bald eifrig unseren asiatischen Nudeltopf unter Beigabe von reichlich Knoblauch, Curry, Ingwer, Sojasauce und natürlich Chilli zusammen. Während wir kochen, kommt eine großen Herde Elefanten zum Wasserloch, sie löschen ihren Durst und veranstalten eine abendliche Planscherei. Begleitet von den lauten Elefantengeräuschen essen wir heute alles auf, nicht die kleinste Nudel bleibt im Topf. Ab und an marschiert ein Bulle nur rund zehn Meter von unserem Dinner-Verschlag entfernt am Ufer entlang an uns vorbei, ganz leise und gemächlich, scheinbar uninteressiert. Doch ich bin sicher, dass er uns aus dem Augenwinkel voll im Blick hat. Was für ein Erlebnis. Nach dem Essen gehen wir nochmal hinaus, um den fantastischen Himmel zu bewundern. Sonja und Maria erleben erstmals, was es bedeutet, draußen in einem afrikanischen Nationalpark, ganz ohne jegliche Lichtverschmutzung die Sterne der Milchstraße zu betrachten. Es ist schön, aus den Gesprächen ihre Begeisterung herauszuhören. Zugleich verspüren sie aber auch etwas Anspannung aufgrund der Abgeschiedenheit und Wildnis dieses Ortes, der ja nicht umzäunt ist. Auch in die Elefantenherde am anderen Ufer kommt etwas Unruhe, wir sehen im Lichte unserer Taschenlampe zahlreiche Augenpaare im typischen Hyänen-Trott zwischen den Dickhäutern herumwirbeln. Ihre kichernden Rufe sind verräterisch. 

Die Nacht wird dann tatsächlich noch spannender für unsere Reisebegleiter. Mitten in der Nacht wachen wir auf wegen eines kratzenden Geräuschs. Etwas zerrt und reißt heftig an der über den Betonzaun gehängten Abdeckung des Dachzelts. Ich stehe kurz auf und betätige den Reißverschluss unseres Zeltfensters. Augenblicklich kehrt Ruhe ein. Ich kann leider nicht erkennen, was oder wer der Verursacher des Geräusches war. Wir verdächtigen die Hyänen, die wir zuvor auf der gegenüberliegenden Seite des Wasserlochs mit den Taschenlampen ausgemacht haben. Ich lege mich wieder schlafen. Doch später beginnt das Rupfen und Knurpsen erneut. Im Moment können wir eigentlich gar nichts machen. Rausgehen wäre definitiv keine gute Idee, falls es sich tatsächlich um ein Raubtier handelt. Auch Luna schaukelt kurz, irgendetwas scheint da raufgehüpft zu sein!

Am nächsten Morgen könne wir beide unsere Neugierde kaum bremsen. Sofort checken wir nicht nur die Pfotenabdrücke und Schäden an der Dachzeltabdeckung (das Tier hat das Seil durch- und ein Loch in die Plane gebissen), sondern auch, ob Luna etwas abbekommen hat. Es ist nichts zu sehen, trotzdem checken wir die Wildtierkamera, die Martin am Vorabend an Lunas Rammschutz montiert hat. Hurra, wir haben einen Videobeweis! Der/die Missetäter/in hat neben der Plane auch noch in die Kamera gebissen! Deutlich sind Schnauze und Schnurrhaare sowie Zunge einer stattlichen Hyäne auf dem Kurzfilm erkennbar, bevor es kurz schwarz wird (da hatte sie die Kamera wohl im Maul). Glücklicherweise ist das Gehäuse der Kamera robust und war fest an Luna verzurrt. Martin scherzt kurz, wie energetisch diese Hyäne jetzt wäre, wenn sie mit der Kamera auch noch ihre acht Batterien verschluckt hätte! Insgesamt sind in der Nacht vier der Tiere an der Kamera vorbei Richtung Wasser gelaufen, wir hatten also ordentlich Besuch! 

Sonja und Maria berichten beim Frühstück ganz aufgeregt von ihren Beobachtungen. Schließlich hat die Hyäne nur zwei Meter unter ihrem Bett ihr mitternächtliches Theater aufgeführt, womit der Blick durch das Moskitonetz auf den dunklen Gast mit den starken Kiefern schon recht angsteinflößend für unsere zwei Busch-Neulinge war. 

Die angebissene Plane befestigen die Mädels geschickt mit einem unserer Extrazurrgurte, dann machen wir uns auf den Weg Richtung „Sinamatella“. Die Straße bleibt rumpelig, und die kritische Sumpfpassage bei „Shumba“ ist tatsächlich noch sehr nass. Aber kein Vergleich zu den Bildern, die wir vor einer Woche von den Durchfahrten gesehen haben, bei denen Autos eine Bugwelle bis zur Motorhaube vor sich herschoben oder sogar steckengeblieben sind. Mittlerweile gibt es eine Umfahrung im Grasland, die wir nehmen können. Somit ist die Durchfahrt risikofrei zu bewältigen. 

Beim „Massuma Dam“ und „Mandavu Dam“ machen wir jeweils kurz halt. Außer ein paar Hippos im Wasser, Krokodilen an den Uferbänken und Reihern ist jedoch diesmal wenig zu sehen. Die Dämme sind randvoll, wodurch die Ufer als Tränke nicht so gut geeignet sind für andere Tiere. Wir pilotieren die Autos auf das steinige Hochplateau des „Sinamatella“-Camps. Dort sind wir erneut die einzigen Gäste und können den besten Platz mit großer Palappa und herrlich weitem Ausblick hinunter in die Ebene wählen. Die Cottages um uns herum machen einen trostlosen Eindruck, diese wurden schon seit langer Zeit dem Verfall preisgegeben, Flora und Fauna holen sich die Gebäude nun zurück. Der Campsite hingegen ist voll in Ordnung und wir haben alles, was wir brauchen, inklusive Feuerholz, saubere Sanitäranlagen und Besuch von niedlichen Hörnchen auf der Suche nach Fressbarem. Diesmal ist die Nacht ruhig und ohne böse Hyänenattacken. War auch klar, denn die wohlschmeckende Plane blieb heute vorsorglich im Auto. 

Dennoch gibt’s am Morgen tierische Neuigkeiten. Maria findet Fraßspuren an verschiedenen Säcken und Verpackungen, sowie Kot im Stauraum des Hilux. Sie verkündet: „Wir haben eine Maus im Auto!“ Selbst das Notfall-Kit wurde angeknabbert und vom vermeintlichen Nager verkostet, womit das Verbandsmaterial nicht mehr wirklich steril ist. Schnell werden alle frischen Lebensmittel in den Kühlschrank geräumt, da kommt der freche blinde Passagier dann doch nicht rein. 

Heute geht es weiter zum „Robins Camp“, vorbei an „Dateema Dam“, der ebenfalls recht gut gefüllt ist. In der Nähe treffen wir auf zwei deutschen Selbstfahrer, die kurz vor uns noch eine Löwin gesehen hatten, die zum hiesigen Rudel gehört. Deren Spuren auf der Straße finden wir zwar, aber von den Löwen selbst ist nichts mehr zu sehen. Unten am Damm schauen wir uns noch ein wenig um, doch die Katzen bleiben unsichtbar im Busch. Wir buchten unsere Route mit einem Abstecher zu einem weiteren Damm mit Namen „Salt Pans“ aus und haben auf der Fahrt durch das ausgetrocknete Flussbett Glück. Dort stehen vier wunderbare Giraffen. In typischer Haltung mit den V-förmig gespreizten Beinen neigen sie die Köpfe hinab, ihre langen Zungen schlecken Salz vom lehmigen Boden auf. 

Im Robins Camp gönnen wir uns nach der doch anspruchsvollen Fahrt über felsiges, sumpfiges und sogar leicht sandiges Terrain einen Nachmittag zum Ausspannen am verlockenden Pool, da es in der Gegend ja ohnehin derzeit nicht so viele Tiere zu beobachten gibt und manche Routen noch zu nass für einen entspannten Gamedrive wären. 

Martin macht in der Früh noch einen von der Lodge organisierten Gamedrive mit. Ich muss leider passen, da ich am Vorabend an der Treppe der Sanitäranlagen blöd an einem Stein mit den Pantoffeln hängengeblieben und mit dem linken Fuß überknöchelt bin. Das Auftreten war auch am nächsten Morgen recht schmerzhaft. Mit etwas Voltaren, einer Bandage und vorsichtigem Durchbewegen beruhigte sich der Knöchel im Laufe des Tages glücklicherweise so weit, dass ich wieder einigermaßen normal gehen kann, nur seitliche Bewegungen tun noch weh.  

Bis Martin um rund halb zehn von der Ausfahrt zurückkommt, frühstücken wir Mädels ausführlich und packen alles abfahrtbereit zusammen. Nun heißt es Abschied nehmen vom Hwange, diesem riesigen Nationalpark, der uns erneut gezeigt hat, wie veränderliche seine diversen Landschaften und Habitate sein können und wie gut die Tiere sich daran anpassen. Dankbar für die Erlebnisse und Emotionen, die er uns beschert hat, rollen wir auf der anfangs noch tief ausgewaschenen Gravel-Piste durch die „Matetsi Game Managment Area“ zur Hauptstraße nach Victoria Falls, unserer nächsten Station.    

Tipps zum Hwange NP (Mai 2026): 

Straße von Bulawayo nach Hwange: aufgrund des Zustands der Straße mindestens 6 Stunden einplanen. Das kann sich mit dem Voranschreiten der Sanierungsarbeiten ändern. 

Gwango Heritage Camp: sehr schöne Anlage, großer Campsite mit Stromanschluss und schöner Feuerstelle. Toller Pool mit Aussicht auf ein Wasserloch. Es gibt auch ein Restaurant, aber wenn große Gruppen im Camp sind, machen sie Buffet. Ab 20:00 Uhr veranstaltet das Heritage Camp eine Drum-Show (für die, die sowas mögen – wir haben es ausgelassen).

Campsites im Park: Wer sicher sein will, einen der speziellen Campsites im Park zu bekommen, sollte unbedingt vorausbuchen. Mit viel Glück bekommt man dies für den gleichen Tag etwas günstiger, aber natürlich sind sie oft schon weg. Die meisten werden exclusiv nur an eine einzelne Gruppe vergeben. In Main Camp und Sinamatella bekommt man leichter spontan einen Platz. Die Online-Vorausbuchung funktioniert oft nicht, daher besser ein e-mail schreiben. Für die Überweisung der Camping und Parkfees haben wir die App „Remitly“ verwendet, da die europäischen Banken oft keine Überweisungen an Bankkonten in Zimbabwe durchführen. Zimparks bietet leider keine Online-Kreditkarten Links an. In Main-Camp und Sinamatella kann man mit Kreditkarte zahlen. Robins Camp ist privat und kann gut online reserviert werden. Abhängig vom Betrag erfolgt die Zahlung dann bereits vorab oder mit Kreditkarte an der Rezeption. 

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