VicFalls – Auszeit am Zambezi

Die beste Straße Simbabwes! Wir sind begeistert, denn vom Flughafen Victoria Falls (VFA) in den gleichnamigen Ort führt eine makellose Asphaltstraße. Offenbar investiert Simbabwe hier einen beträchtlichen Teil der für Infrastruktur verwendeten Gelder, um sich für Touristen von der besten Seite zu zeigen. Und davon gibt es rund um die Viktoria-Fälle wahrlich genug.

Nach vielen Tagen im Busch fremdeln wir zu Beginn wie immer ein wenig mit der Betriebsamkeit und dem Getümmel in VicFalls. Wir nützen jedoch auch die zahlreichen Vorteile und fahren zielsicher zum „Elephant’s Walk Shopping Village“, um dort einige Geschenke und Mitbringsel zu kaufen. Zielsicher machen wir einen weiten Bogen um die vielen Stände mit den immer gleich aussehenden Afrika-Devotionalien (Elefanten, Giraffen & Co aus Holz, Stein und diversen Recycling-Materialien). „Come to my shop – I am the artist!“ klingt nicht ganz glaubwürdig, wenn der Elefant in 20 Shops genau gleich aussieht…. Viel mehr als die mutmaßliche China-Ware interessieren uns die echten Künstler am Eingang der Arkaden. Erneut kaufen wir dort nach telefonischer Preis-Verhandlung mit dem Künstler zwei Bilder – einen Zebra-Kopf (Öl auf Leinwand) und eine Bleistiftzeichnung eines mächtigen Elefanten. Damit sich der Künstler teilweise die Kreditkartengebühren spart und uns dafür beim Preis entgegenkommt, zahlen wir die Hälfte in Cash-Dollar. Zu sehr drücken wir den Preis aber nicht, denn wir wollen unserer Wertschätzung Ausdruck verleihen und wissen genau, wieviel Freude wir an diesen Bildern haben werden, wenn sie einmal in unserem Haus hängen. Schon heute sind wir gespannt, welche Ideen unser Rahmenbauer zu Hause zu den beiden Werken hat! Die Werke werden sorgsam in feste Kunststoffrollen für den Heimtransport verpackt, als auch Sonja und Maria – fröhlich jeweils einer Tragtaschen schwenkend – von ihrer erfolgreichen Jagd nach Mitbringseln für Freunde und Familie zurückkommen.

Nach zwei Stunden Shopping-Trubel sehnen wir uns wieder nach der Wildnis und machen uns auf zum nahegelegenen Zambezi National Park. Der Park liegt nur 40km westlich von VicFalls, ist mit 560km2 recht überschaubar, beherbergt aber die „Big 5“ genauso wie Giraffen, Zebras und natürlich zahlreiche Krokodile und Nilpferde. Es sind aber nicht nur die Tiere, deretwegen wir sehr gerne hierherkommen, es ist vielmehr die Flusszone entlang des „Mighty Zambezi“, die diesmal besonders beeindruckend ist wegen des noch immer hohen Wasserstandes.

Zahlreiche Picknick- und Campsites entlang des Flusses ermöglichen einzigartige Ausblicke auf den Fluss und seine Uferzonen auf beiden Seiten oder Abschnitte mit Stromschnellen. Wir kommen nach einem kurzen Gamedrive zum Sonnenuntergang zurück ins Camp und genießen die magische blaue Stunde am Fluss, begleitet von den Geräuschen des Buschs hinter uns und dem Rauschen der Wellen vor uns. Dazu ein gut gekühltes Bierchen aus Lunas Boardbar. Es sind diese Momente, von denen wir lange zehren und die für uns die Magie Afrikas ausmachen.

Am nächsten Morgen brechen wir nach einem kurzen Frühstück trotzdem schnell auf, denn neben uns beginnt eine zehnköpfige Crew mit der Vorbereitung eines Busch-Brunchs für die Gäste einer Luxus-Lodge, womit die Ruhe leider dahin ist. Macht aber nichts, denn wir wollen möglichst früh in die empfehlenswerte Lokuthula-Lodge kommen, wo wir eine Nacht gebucht haben. Da Sonja und Maria morgen die Heimreise antreten und den Hilux retournieren, packen wir die restlichen Lebensmittel in Luna um. Wir nutzen außerdem die Gelegenheit, um Wäsche waschen zu lassen. In der benachbarten VicFalls Safari Lodge nehmen wir an einer Geier-Fütterung teil. Das Spektakel ist zwar sehr touristisch, aber nicht uninteressant. Wir erfahren viel über die „Gesundheitspolizei“ Geier und erleben dann live eine wahre Fressorgie, als sich Dutzende der mächtigen Vögel gierig über die ausgestreuten Fleischreste hermachen. Jede Rabattschlacht eines Sonder-Abverkaufs im heimischen Einkaufszentrum kann dagegen einpacken! In wenigen Minuten ist der Inhalt der Kühlbox in den Mägen der Geier (und einzelner opportunistischer, dazwischen herumstolzierender Marabus) verschwunden. Um die Knochen kümmern sich dann in der Nacht die Hyänen.

Zum Abschied machen wir mit Sonja und Maria den kitschigen, aber doch immer wieder schönen Tourismus-Klassiker: Eine Dinner-Cruise am Zambezi. Wir schaukeln, einen Sundowner Drink in der Hand, gemütlich in Richtung Fälle, vorbei an grunzenden Nilpferden und begleitet von Vogelschwärmen, bis die Crew aufgeregt Elefanten am sambischen Ufer entdeckt. Es sind die Elefanten der „Elephant Experience“, für die am Abend Futter am Flussufer ausgelegt wird. Wir halten die Information jedoch zurück, um die Euphorie der wild fotografierenden Mitreisenden nicht zu zerstören. Kurz vor Sonnenuntergang dreht das Schiff, wir sind – wie immer – hin- und hergerissen von der quasi im Fluss versinkenden Sonne und begeben uns dann einen Stock tiefer zum wirklich guten a-la-carte Abendessen. Ein wahrlich schöner Abschluss für Maria und Sonja auf ihrer ersten Afrikareise. 

Nach dem Abschied von den beiden in der Früh, steht für uns der obligate Besuch bei den Fällen am Programm – wir haben sie schon oft besucht (Eva erst zwei Wochen zuvor noch mit Sonja und Maria), aber der Rundgang entlang der 1,7km breiten und bis zu 108 Meter hohen Fälle ist immer wieder spektakulär, vor allem jetzt, wo der Zambezi nach einer guten Regenzeit sehr viel Wasser führt. Wir schnappen uns zwei Regenmäntel, lassen die große Kamera im Auto zurück und freuen uns über die wasserdichten Covers unserer iPhones. Die Wassermassen erzeugen fast auf der gesamten Breite eine bis zu 400 Meter hohe Gischt-Wolke, daher auch der lokale Name für die Fälle: „Mosi-oa-Tunya“ (Rauch, der donnert). Tosend donnern Millionen Liter Wasser pro Sekunde in die Felsspalte unter uns, die Gischt wirbelt auf unserer Seite der Kante hoch und bildet einen einzigartigen immergrünen Regenwald, den wir zwischen den Aussichtspunkten durchwandern. Wir fühlen uns teilweise wie in einem sommerlichen Gewitter mit Starkregen und sind trotz Ponchos ziemlich nass, als wir am Ende des Pfades beim „Boiling Pot“ ankommen und einen Blick auf einen wunderschönen riesigen Regenbogen bis hin zur Brücke werfen, die wir in Kürze mit Luna am Weg nach Sambia befahren werden.

Der Grenzübergang ist diesmal auf der sambischen Seite etwas chaotisch. Zuerst lehne ich den Agenten ab, der uns seine Dienste anbietet. Das Carnet de Passage ist schnell erledigt, obwohl uns erstmal jemand nach der vom ADAC ausgestellten Vollmacht fragt.  Danach bin ich dann doch ganz froh über den Agenten, der sich von meiner eingangs ablehnenden Haltung nicht beeindrucken hat lassen. Die 20 Dollar sind gut investiert, denn er checkt für uns die Anmeldung Lunas auf einem bereitstehenden Computer, erledigt die notwendigen Kreditkartenzahlungen für Gebühren und Steuern auf zwei unterschiedlichen Kreditkarten-Geräten, eine in USD, eine in ZMW (Kwacha) und bringt uns zu Versicherungs-Vertreterin. Wir ersparen uns durch ihn mit Sicherheit eine Stunde, in der muffigen Hitze des kleinen Grenzpostens durchaus zu empfehlen! Wir entscheiden uns für eine Versicherung für ein ganzes Jahr, denn Luna wird ab jetzt in Lusaka stationiert. Leider gelten meine alten Kwacha-Scheine nicht mehr – alle Scheine wurden letzten Jahr umgestellt, Übergangsfristen gibt es keine. Daher muss ich – mangels Alternative – USD beim sofort bereitstehenden Schwarzhändler zu einem eher bescheidenen Kurs in Kwacha wechseln. Schnell noch die Versicherungs-Plakette auf die Windschutzscheibe geklebt und durch den finalen Polizei-Check, bis endlich der Schlagbaum nach Sambia aufgeht! Hinter den schwer beladenen Radlern fahren wir zwischen den beidseitig wartenden LKWs hindurch nach Livingstone zum uns bereits gut bekannten VicFalls Waterfront Camp, in dem wir den Tag bei einem (oder zwei) kühlen „Mosi(s)“, dem sambischen Bier, und der originellen Crocodile-Pizza direkt am Zambezi-Ufer ausklingen lassen. 

Tipps für VicFalls und Umgebung (Stand Mai 2026):

Elephant’s Walk Shopping Village: Die Künstler am Eingang beeindrucken uns immer wieder. Afrikanische Motive, in verschiedenen Techniken und überwiegend kitschbefreit gemalt oder mit Bleistift gezeichnet. Je nach Größe kosten die Bilder USD 200-400,-, die Preise können (leicht) verhandelt werden. Cash mitnehmen, denn mit Kreditkarte kostet es oft 10% mehr! Gutes Café-Restaurant mit Wifi im Innenhof! Auch die Shops ringsum in den Arkaden haben stilvolle Kunstgegenstände. Außerhalb haben sich zahlreiche Souvenirshops mit den üblichen Massenartikeln ausgebreitet.

Zambezi National Park: Unbedingt für 1-2 Nächte empfehlenswert. Elefanten, Giraffen, Löwen, aber vor allem die traumhaft gelegenen Sites am Flussufer. Wir hatten diesmal Camp Nummer 10 und würden es wieder nehmen.
Wenn man vor 14:00 in den Park einfährt, empfehlen wir, die Hauptstraße im Buschland möglichst schnell und weit in den Park zu fahren, um dann langsam auf den Gamedrive-Loops am Flussufer mit der Sonne im Rücken zum Campsite zurückzukehren.

Die Wasserfälle: immer wieder ein Highlight, ein Besuch empfiehlt sich von beiden Seiten. Bei viel Wasser Regenponcho mitnehmen und am besten mit Schuhen gehen, die schnell trocknen. Die werden nämlich unter Garantie nass. Bei wenig Wasser darf auch die Kamera mit. Flüge (Heli oder Ultralight) sind bei weniger Wasser besser, dann sieht man nicht nur Gischt.

Lokuthula Lodge: Es gibt zahlreiche Unterkünfte für jeden Geldbeutel, diese Lodge würden wir in Zukunft aber gerne wieder machen. Schöne Self-catering Chalets ermöglichen es, mal in einem „echten“ Bett zu schlafen, Personal enorm freundlich, Wäscheservice ist prompt und schnell. Schattiger Garten mit kleinen Pools und akzeptables Wifi. Die Geierfütterung ab 12:45 Uhr in der benachbarten, etwas luxuriöseren VicFalls Safari Lodge gibt es gratis dazu. Wer es mag, kann am Abend bei einem Dinner in „The Boma“ die Drum Show besuchen.

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Latest Comments