Rhino-Tracking im Matopos NP


Leichter Morgennebel schimmert noch über dem See in Tantebane, als wir nach einem schnellen Kaffee unser Nachtlager auf dem idyllischen Campsite abbauen. Lunas Dach ist schon zu, schnell noch ein Funkspruch hinüber zur Lodge, wo Sonja und Maria schon auf uns warten für die Weiterfahrt Richtung Grenze Botswana-Simbabwe. Diese erreichen wir auf der guten Straße recht schnell, und auch der Grenzübertritt gelingt in Plumtree relativ problemlos. Es ist Samstag, und daher sind glücklicherweise weniger Leute in den Reihen vor den Schaltern. Auf der Simbabwe-Seite treffen wir wie vereinbart den Agenten, der das Handling für den Mietwagen meiner Schwester unterstützt, während sich Martin und ich um die Stempel im Carnet de Passage und die Steuern für Luna kümmern. Das Wichtigste sind aber die Gate-Pässe, die müssen an allen Stationen ordnungsgemäß abstempelt werden. So ein Gatepass ist eigentlich nur ein Zettel, auf dem sich jeder Beamte mit einem Stempel verewigt, aber ohne diesen voll bestempelten Wisch kommt man dann am letzten Schranken nicht durch. Geschafft! Luna bekommt noch schnell die in Simbabwe vorgeschriebene Verzierung mit Reflektoren, vorne weiß und hinten rot, und schon düsen wir auf einer wunderbar neu asphaltierten Straße nach Bulawayo. Dort müssen wir nochmal den Reiseführer konsultieren, um das beste Einkaufszentrum zu finden. Gesagt getan, im Pickn’ Pay in der Innenstadt verteile ich die drei vorbereiteten Einkaufslisten.  Der Markt ist gut bestückt, jetzt reichen unsere Vorräte für die Etappen bis Victoria Falls bestimmt. 

Die Straße nach Matopos ist dann weniger prickelnd, ein großer Teil ist momentan Baustelle und wir mühen uns eine staubige Umfahrung entlang, bis wir endlich das Eingangstor von „The Farmhouse“ erreichen. Auf dem Campsite mit klingenden Namen „Worlds View“ haben wir für drei Nächte reserviert. Eigentümer André und seine Frau Kerry begrüßen uns herzlich und wir machen für den Folgetag schon aus, nach der Exkursion zum Dinner zu Ihnen ins Farmhouse zu kommen. 

Oben am Site angelangt, sind wir sofort begeistert von der herrlichen Aussicht. Da nicht viel los ist, haben wir freie Wahl und wählen einen Platz ganz vorn auf den Granitfelsen, von dem wir in den kommenden Tagen sowohl Sonnen-, als auch Mondaufgang beobachten können. In der großen kreisförmigen Feuerstelle ist schon ordentlich viel Holz anzündbereit aufgeschichtet. Nur anzünden müssen wir noch selber.

Ich möchte nochmal mit Black Rhino Safaris die gebuchte Tour für den nächsten Tag bestätigen. Dazu baut Martin rasch unseren Starlink auf, und siehe da, ein kurzes „ping“ signalisiert mir eine WhatsApp-Nachricht. Sie kommt von der Agentur, die mich informiert, dass uns Guide Andy am nächsten Morgen um 8:30 Uhr am Camp Site für das Rhino-Tracking abholt. Einen solchen proaktiven Kundenservice sind wir in Afrika absolut nicht gewohnt! Am nächsten Morgen hören wir dann tatsächlich pünktlich den Dieselmotor eines alten Landcruiser den Hügel herauf schnurren. 

Andy entpuppt sich als alter Haudegen, mit richtig viel Buscherfahrung als Jäger, Tracker und Guide. In Shorts und Sandalen gewandet schwingt er sich vom Fahrersitz. Sein Händedruck ist wie ein Schraubstock. Ich stelle unsere kleine Gruppe vor, und wir klettern auf die Sitzbänke des betagten Safarivehikel, das laut Andy trotz seiner 800.000 km auf dem Originalmotor noch immer tadellos funktioniert. Wir rattern los,  zunächst noch ein Stück die Hauptstraße retour, dann hinein in den 420 km2 großen Matopos-Nationalpark. Gleich zu Beginn lernen wir einiges über Cecil Rhodes und passieren das Gebiet seines damaligen Wohnsitzes in der Nähe der Ingwe Lodge, die ehemalige Zugstation und das Polizeigebäude. Kurz danach unternehmen wir schon die erste kleine Wanderung einen Hügel hinauf. Andy will sich von oben einen welche Richtung es weitergeht. Er schnallt sich das Halfter seines Revolvers um, schnappt seinen hölzernen Wanderstock und stapft entschlossen – mit Sandalen wohlgemerkt – direkt in das dichte Gras, in Erwartung, dass wir ihm folgen. Ich fasse mir ein Herz und gehe hinterher – den kurz aufblitzenden Gedanken an Schlangen muss ich beiseiteschieben. Der Mann wird schon wissen, was er mit uns macht. Vor einem Jahr habe ich noch ängstlich mit meine Wanderstecken vor mir auf den Boden geklappert, wenn ich in Afrika einen deutlich erkennbaren Wanderpfad zwischen hohem Gras entlang gehen sollte. Jetzt pflügen wir ohne Weg durch mannshohes Gras und Gebüsch und versuchen mit einem Pro-Guide Schritt zu halten, was gar nicht so einfach ist, da sich die Grashalme und Zweige der Büsche immer gleich hinter ihm schließen. Hin und wieder wartet er dann doch und zeigt uns eine Spur, eine besondere Pflanze oder tierische Hinterlassenschaften. An den Felsen angelangt wird die Vegetation lichter und wir steigen die Granitbolder entlang aufwärts. Die Belohnung für die kurze Anstrengung ist ein Rundumblick, hinab auf das Gelände, in dem wir den heutigen Tag auf Nashorn-Pirsch verbringen werden. Hier oben, erzählt Andy, war er auch mit seinen Kindern oft zum Campen.

Matopos verfügt über die weltweit größte Vielfalt an unterschiedlichen Adlerarten. Andy erkennt sie von großer Entfernung, rein an der Silhouette, auf Felsen sitzend oder im Flug. Als Kind schon hat er gelernt, Silhouetten von Adlern zu unterscheiden, indem er sie aus Vogelbüchern abgezeichnet und ganz schwarz ausgemalt hat. So erspähen wir Verose Eagle, Tawney, Brown Snake Eagle und einen Black Breasted Snake Eagle. Auch den African Hawk Eagle, der immer paarweise jagt, sichtet er für uns. Die bevorzugte Beute der Adler, die Rock Dassis (Klippschliefer), finden wir auf Felsen liegend und hüpfend, etwas später auch die etwas kleineren Yellow-spotted Dassies. Faszinierend find ich, dass die Augen der Dassies über ein sogenanntes „Umbraculum“ verfügen, das es ihnen ermöglicht, auch direkt in die Sonne zu schauen und so die Gefahr von oben schnell zu erkennen und ihren markanten Warnruf auszustoßen, ähnlich wie unsere Murmeltiere.

Neben Adlern sind in Matopos´ Busch noch viele andere Vögel beheimatet. Webervögel, die ihre Nester/Schlafplätze nach Westen hin ausrichten, oder Gabelschwanzdrongo.

Mehrmals am Tag hüpfen wir auf der Suche nach den Breitmaulnashörnern noch aus dem Cruiser und umkurven – geleitet von Spuren in Form von Abdrücken, Haufen, markanten Gerüchen oder Schlafstellen – deren bevorzugte Wasserstellen. Wir pirschen immer mitten durch den dichten Busch, und Andy erklärt uns laufend, was er aus dem Busch lesen kann. Die für uns eher eintönige Vegetation durch die Augen eines ehemaligen professionellen Jägers zu sehen, ist ein großartiges Erlebnis! Zeitweise hätten wir ohne ihn schnell die Orientierung verloren und kaum mehr eine Ahnung, wo genau unser Safarivehikel steht. Doch Andy findet den Weg immer sicher zurück. 

Um die Mittagszeit wird es zu heiß für die Suche nach Rhinos, also machen wir was klassisch Touristisches und besuchen Cecil Rhodes´ letzte Ruhestätte, die hoch auf einem Granithügel, ebenfalls mit dem Namen „Worlds View“, gelegen ist. Er wurde dort mit allen Ehren und Erlaubnis der Matebele – ein deutliches Kompliment an einen der wenigen englischen Kolonialisten, der sich den lokalen Stämmen gegenüber einigermaßen fair verhielt. Nach seinem Tod ging das Land wieder an den Stamm zurück. 

Auf unseren Streifzügen durch den Busch erläutert uns Andy auch zahlreiche Pflanzen und ihre Eigenschaften und Verwendungen. Darunter zum Beispiel der Zierspargel, der eine anti-bakterielle Wirkung haben soll, oder winzig kleine Samen eines Grases aus denen ein Antihistaminikum gemacht werden kann. Für Hundebesitzer gibt es Samen, die gegen Flöhe ihrer vierbeinigen Freunde helfen. Ja, und dann gibt’s da auch noch giftige Beeren, von denen schon eine einzige ausreicht, um einen Menschen umzubringen. In Ppulverform und in richtiger Dosis dient es als Verhütungsmittel.   

Der Wald besticht mit einer enormen Vielfalt an Bäumen, Büschen, Stauden und Gräsern. Wir streifen vorbei an blauen, roten und gelben Blüten, umschwirrt und bewohnt von zahlreichen Insekten, die wir zu Fuß viel besser als aus dem Auto wahrnehmen können. Da sind Wespen und Bienenvölker, vielfarbige Libellen, Heuschrecken und Stabschrecken. Manchmal müssen wir auch Umwege um die Netze großer Spinnen machen, die kunstvoll direkt über dem eigentlich logischen Pfad gespannt sind. Ich bin froh, dass Andy vorangeht und rechtzeitig einen Haken schlägt, wenn er sie sieht. 

Hoch auf den Bäumen im offeneren Busch baumeln die gewebten Schlafplätze der White Brow Sparrow Weavers, ihre Position zeigt uns die Richtung nach Westen an. Bei dieser sehr sozialen Webervogelart helfen die Jungen ihren Eltern, die Brut der nächsten Generation aufzuziehen. 

Zwischen den Tracking-Etappen, bei denen wir angehalten sind, möglichst leise zu sein, räumt unser Guide mit einigen Mythen über Tiere auf, die wir schon von zahlreichen anderen Guides gehört haben. So auch mit jenem, der den Rhinos schlechtes Sehvermögen attestiert. Andy erklärt uns, dass er nach über 30 Jahren Erfahrung mit diesen Tieren, überzeugt davon ist, dass sie sowohl gut riechen und hören, aber auch einigermaßen gut sehen können. Allerdings würde die Position der Augen auf der Seite des großen Kopfes zu einem blinden Fleck führen, der sie ein Objekt, das genau in direkter Linie vor ihnen steht, nicht unmittelbar wahrnehmen lässt. Wenn sie den Kopf zur Seite drehen, ist dieser blinde Fleck aber schnell weg, dann wäre es – zumindest bei den aggressiven Spitzmaulnashörnern, angebracht, in Deckung zu gehen. Im Gegensatz dazu seien die Breitmaulnashörner gemütlicher, um diese könne man ruhig herumgehen. Und das tun wir dann auch. Am Ende eines langen und sehr lehrreichen Tages im Busch stehen wir gebannt vor zwei jungen Nashorn-Bullen, die in weiches Sonnenuntergangslicht getaucht auf einer Lichtung stehen. Sie kommen sogar auf uns zu, bis sie nur mehr rund fünf Meter entfernt sind. Interessiert heben sie die Köpfe, um dann kurz darauf ihre Aufmerksamkeit wieder dem köstlichen Gras zu widmen. Sie sind komplett entspannt und lassen es zu, dass wir sie eine Weile begleiten – immer darauf bedacht, ihnen nicht allzu nahe zu kommen und ihnen genug Raum zu geben.

Andy bringt uns zurück zum Farmhouse, und wir vereinbaren für den nächsten Tag die Abholung um 8:00 Uhr. Beim Bierchen an der rustikalen Bar verarbeiten wir die vielen faszinierenden Eindrücke und plaudern ein wenig mit den Eigentümern und zwei netten andern Gästen. Nach dem Abendessen bringt uns André auf der Ladefläche seines Farm-Lasters hinauf zu unserem Campsite. Heute schlafen wir alle vier ganz wunderbar. 

Am Morgen hören wir wieder pünktlich den alten Cruiser heranholpern und machen uns bereit. Nach kurzer Begrüßung geht’s los. Heute steht Buschman-Kunst auf dem Programm. Wir möchten in der Whovi-Area des Parks zur Bambwata Cave aufsteigen. Dazu müssen wir ein ziemliches Stück durch die malerische Landschaft fahren, vorbei an Dämmen mit Hippos und unterschiedlichsten Vögeln, entlang von eindrucksvollen Felsformationen, die unsere Fantasie anregen. Manche haben auch Namen (z.B. „Mother and Child“) und sind tatsächlich sehr eindrucksvoll und für den Park typisch. Der Aufstieg ist nicht allzu schwierig, Andy beschließt, auf den Felsen sogar seine Sandalen zurückzulassen und barfuß weiterzugehen. 

Die Höhle selbst liegt fast am Gipfel des Berges, davor Bäume und Büsche, durch die wir erst mal durchsteigen müssen. Sie ist nicht sehr groß, aber wir entdecken einen großen Elefanten, Elenantilopen, Buschleute auf der Jagd, Giraffen, eine Hyäne und weitere Tiere, deren Interpretation im Auge des Betrachters liegt. Laut Andy ist das Alter der Malereien in den Höhlen in Matopos durchaus sehr unterschiedlich – von 500-6000 Jahren ist da die Rede. Die ursprüngliche Farbe, über deren Zusammensetzung es auch verschiedene Theorien gibt, ist großteils nicht mehr erhalten. Heute sieht man zahlreiche weiße, ocker oder rostrote Abdrücke der ursprünglichen Figuren. In der Bambwata Höhle haben ArcheologenArchäologen mehrfach Grabungen und Konservierungen der Malereien durchgeführt. Die gefunden Artefakte sind nun im Museum in Bulawayo zu besichtigen. Auch die Bedeutung der Malereien ist in der Wissenschaft umstritten. Manche meinen, es handle sich um Botschaften für Mitglieder der Gruppe, Wegweiser, wo es Wasser gibt oder welche Tiere in der Gegend zu finden seien. Ebenso gut kann es sich um spirituelle Orte gehandelte haben, oder die Menschen hatten schon damals ganz einfach Freude daran, sich die Zeit mit Malen zu vertreiben, ganz ohne besonderen Zweck. Warum auch nicht, Zeit hatten sie ja. Als ehemaliger Jäger ist Andy überzeugt davon, dass die Darstellungen keinesfalls ein Hinweis zum Auffinden von Tieren seien – welcher Jäger hätte es denn schon gerne, wenn einem die mühsam aufgespürte Beute vor der Nase weggeschossen wird? Klingt für uns nachvollziehbar.

Genauso wie Andys Meinung zu den sogenannten „Follow-me Zeichen“, die viele Gazellen an ihrem Hinterteil tragen (z.B. Impalas ein „M“, Wasserböcke einen weißen Kreis, Springböcke ihren weißen Schwanz). Sie dienen laut Andy nicht dazu, dass keiner aus der Gruppe verloren geht, sondern eher dazu, dass ein Artgenosse hinterherhetzt, und der jagende Löwe somit ein anderes Opfer aus der Herde zuerst erwischt. Ist ziemlich egoistisch, aber irgendwie auch logisch. 

Nach den eindrucksvollen Bildern in der Höhle steigen Martin und ich noch zum Gipfel des Berges auf, um den 360-Grad Rundumblick zu genießen. Die Granitkuppe ist schön gerundet und mutet an wie die Mondoberfläche mit zahllosen kleinen abgeschliffenen Dellen, nur um vieles bunter dank des leuchtend gelb-grünen, rot-brauen und weißen Flechtenteppichs. Darauf rasten ebenso farbenprächtige Eidechsen. Die Landschaft von Matopos ist einfach grandios, in sämtliche Richtungen. 

Am Rückweg machen wir noch Halt bei den Hippos am Stausee, die immer wieder zum Luftholen ihre Nüstern zwischen den Seerosen über die Wasseroberfläche strecken oder lautstark grunzend mit ihren Artgenossen kommunizieren. 

Müde, aber sehr zufrieden mit dem schönen Ausflug durch die Matopos Hills erreichen wir am frühen Nachmittag wieder unser Lager. Für uns heißt es bald Abschied von Matopos nehmen, aber ich weiß schon jetzt, dass unser dritter Besuch hier nicht unser letzter gewesen ist. Bei einem kräftigenden Mittagessen besprechen wir die Pläne für die Weiterfahrt in den Hwange Nationalpark, unser nächstes Ziel in Simbabwe.

Tipps für Matopos (Stand Mai 2026):

Worlds View Campsite bei The Farmhouse: wird seinem Namen gerecht, der Ausblick ist grandios. Die Sanitäreinrichtungen sind sehr neu und mit Solar ausgestattet, sodass immer heißes Wasser da ist. Die Stellplätze selbst haben keinen Strom, aber es gibt Steckdosen in den Sanitärblöcken und im zentralen Gebäude. In dessen Mitte ist ein Aussichtsturm. Essen im Farmhouse ist nett und empfehlenswert nach einem langen Tag im Busch. Die Lodge hat auch einen tollen Pool, und man kann auf dem Gelände mehrere verschieden lange Wanderungen unternehmen. 

Black Rhino Safaris: Die Buchung des Nashorn-Trackings und der Wanderung zu den Felsmalereien hat einfach über e-mail funktioniert. Sehr professionell und pünktlich. Catering bei der Tour war auch sehr gut. Touren können maßgeschneidert werden.



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